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Interview mit dem Sohn von Pablo Escobar: „Mein Vater trieb Liebe und Hass in Extreme“

© AP, Familie Marroquín Santos

„Mein Vater trieb Liebe und Hass in Extreme“

Von DAVID KLAUBERT

30.09.2016 · Sebastián Marroquín ist der Sohn des kolumbianischen Drogenbosses Pablo Escobar. Nach dessen Tod musste er seinen Namen ändern und untertauchen. Gespräch über eine Kindheit unter Gangstern, Flucht, Verrat und die Serie „Narcos“.

Señor Marroquín oder Señor Escobar, wie möchten Sie genannt werden?

Das ist mir egal. Ich musste meinen Namen damals aus Sicherheitsgründen ändern. Das bedeutet aber nicht, dass ich die Verwandtschaft oder die Liebe zu meinen Eltern leugne. Es ging schlicht darum, der Gewalt zu entkommen. Heute nennen mich manche Sebastián, manche Juan Pablo. Ich höre auf beide Namen.

Juan Pablo Escobar war der Name, den Sie von Ihrem Vater bekommen haben – dem wohl berühmtesten aller Drogenbosse. Nach dessen Tod 1993 sind Sie aus Kolumbien geflohen, heute arbeiten Sie als Architekt in Buenos Aires. Stehen die beiden Namen auch für zwei Leben?

Es ist das gleiche Leben, aber es sind zwei sehr unterschiedliche Etappen. Die Namensänderung hat mich von allen Vorurteilen befreit und mir die Möglichkeit gegeben, zu lernen, zu studieren und Dinge zu erleben, die mit meinem eigentlichen Namen nicht möglich gewesen wären. Als wir im Exil in Argentinien ankamen, waren wir absolut niemand. Das war auch eine sehr angenehme Erfahrung, die uns geholfen hat, uns selbst besser kennenzulernen.

Mit dem weltweiten Erfolg der Serie „Narcos“ ist der Name Ihres Vaters jetzt wieder sehr präsent. Was macht das mit Ihnen?

© Netflix Trailer der Serie „Narcos“, die auf dem Online-Dienst Netflix läuft

Ich bin es seit jeher gewohnt, dass über meinen Vater geredet wird. Aber jedes Mal wächst sein Mythos. Schuld daran sind diese Serien und Filme, die in seinem Namen gemacht werden, und in denen die Geschichte nicht verantwortungsvoll und ernsthaft erzählt wird. Sein Name wird benutzt, um das zu verkaufen, was die Drehbuchschreiber von Hollywood für Lateinamerika und Pablo Escobar halten. Sie präsentieren leider eine völlig verzerrte Version. Seit es diese Serien gibt, erhalte ich Nachrichten von Jugendlichen aus aller Welt, die mir schreiben, dass sie wie Pablo Escobar sein wollen. Das macht mir Sorgen.

Wenn Sie selbst an Ihren Vater zurückdenken, an was für einen Menschen erinnern Sie sich?

An einen sehr liebevollen Vater. Er war mir ein großer Freund, ein Mensch, der nur das Beste für mich und seine Familie wollte. Aber er war natürlich auch ein Mann voller Widersprüche. Er brachte mir menschliche Werte bei, die er außerhalb unseres Hauses selbst nicht einhielt. Da hatte er keinerlei Scheu, andere umbringen zu lassen.

Wie zeigte er Ihnen seine Liebe?

© F.A.Z. Sebastián Marroquín über seltsame Vaterliebe

Die Jahre Ihrer Kindheit waren zugleich die Jahre des größten Erfolgs Ihres Vaters im Drogengeschäft. Forbes führte ihn auf der Liste der reichsten Menschen der Welt. Was war das für eine Kindheit?

Ich hatte dreißig Motorräder, von allen Marken und in allen Farben. Ich hatte dreißig Jetskis. Und eigene Autos, Wohnungen, Hubschrauber, Flugzeuge. Auf unserer Hacienda hatten wir einen Zoo. Wir hatten alles. Aber nichts davon hielt lang. Und Glück konnten wir davon auch nicht kaufen.

Neben all dem Luxus gehörten zum Alltag Ihrer Kindheit auch Waffen. Sogar in den Montessori-Kindergarten wurden Sie von bewaffneten Männern Ihres Vaters begleitet. Wie erklärten Sie sich das damals?

Ich habe das nicht so sehr hinterfragt, aber ich fühlte mich als Außenseiter. Die anderen Kinder kamen an und fragten, ob mein Vater reich ist, warum ich Bodyguards habe.

Was haben Sie Ihren Freunden gesagt?

Nichts. Wenn sie mich fragten, ob ich reich bin, sagte ich nur: Ja, an Vitaminen.

Wann haben Sie angefangen zu realisieren, dass Ihr Vater nicht nur zu Hause beim Monopoly mogelte, sondern auch im echten Leben kriminell war?

Er hat es mir selbst gesagt. Nach der Ermordung von Justizminister Rodrigo Lara Bonilla 1984 mussten wir nach Panama fliehen. Und da sagte mir mein Vater, dass er von Beruf Bandit war.

Wie haben Sie reagiert?

Ich war gerade einmal sieben, ziemlich jung, um die Dimension dessen zu verstehen, was mein Vater mir da gestand. Er zog uns, seine Familie, nie in seine Aktivitäten hinein. Aber er hatte auch nie Skrupel, mir zu sagen, wenn wir die Nachrichten zusammen anschauten: „Diese Menschen habe ich entführen lassen, diese Bombe habe ich gelegt, diese Bombe nicht.“ Als ich älter wurde, verstand ich so, wie viel Gewalt von meinem Vater ausging. Ich sagte ihm, dass ich nicht wollte, dass unschuldige Menschen starben, dass er seinen Kampf mit Gewalt führte

© Picture-Alliance, Familie Marroquín Santos, AFP

Und was antwortete er?

Er sagte, dass ich nicht vergessen sollte, dass das erste Attentat von Drogenkartellen in Kolumbien gegen seine Familie, also gegen mich, meine Schwester und meine Mutter gerichtet war. Und zwar am 13. Januar 1988, als eine Autobombe aus 700 Kilogramm Dynamit explodierte, die das Cali-Kartell vor unserer Wohnung plaziert hatte. Das rechtfertigt absolut nichts, aber es hilft uns vielleicht zu verstehen, was seine Beweggründe waren.

Wie haben Sie es als Kind und Jugendlicher geschafft, diese beiden so gegensätzlichen Seiten miteinander zu vereinbaren: den liebevollen Vater und den Drogenboss, der ohne zu zögern die Eltern anderer Kinder ermorden ließ?

Das sind Seiten derselben Geschichte, derselben Person, derselben Gefühle. Mein Vater hatte eine große Begabung zu lieben. Und eine große Begabung zu hassen. Leider setzte er beides um und trieb beides in Extreme.

Woher kam der tiefe Hass Ihres Vaters?

Ich glaube, der richtete sich gegen die Oligarchie und den kolumbianischen Staat, der von der politischen Klasse geplündert wurde und den Armen keinerlei Möglichkeiten zu Bildung und Aufstieg gab. Mein Vater wollte auf die Universität gehen, er wollte Wirtschaftsprüfer oder Anwalt werden. Wegen der finanziellen Schwierigkeiten seiner Familie konnte er das nicht. Und so entschied er sich, den Weg des Verbrechens zu gehen. Er hatte die Idee, den Drogenhandel in den Dienst der Gesellschaft zu stellen. Er baute Krankenhäuser, Schulen und Sportplätze. Das führte dazu, dass er von der Politik nicht nur gehasst wurde, sondern dass sie auch seine große Beliebtheit fürchtete. Er wurde zu einer großen Bedrohung für den Staat.

Seine Gewalt traf aber nicht nur den Staat, sondern auch unzählige Unschuldige. Er ließ ein Passagierflugzeug sprengen und Bombenanschläge verüben, auch auf Zeitungsredaktionen und Einkaufszentren.

Wenn er einen Anschlag auf eine wichtige Person verübte, war ihm egal, ob deren Familie in der Nähe war. Krieg ist Krieg, sagte er uns, wenn wir mit ihm darüber diskutierten. Ich sagte: Wie kannst du eine Bombe an einem öffentlichen Platz legen, an dem auch unsere Verwandten vorbeigehen könnten, vielleicht sogar unsere eigene Mutter? Und er sagte: Krieg ist Krieg. Wenn einer stirbt, dann weil er sterben muss.

Die Drogengeschäfte und der Terror Ihres Vaters hatten auch schwerwiegende Folgen für Sie als Familie. Das verfeindete Cali-Kartell verübte einen Bombenanschlag. Sie entgingen mehrmals nur knapp einer Entführung. Sie mussten nach Panama fliehen, dann nach Nicaragua – und in Kolumbien in den Untergrund gehen.

Wir lebten wie Banditen. Wir lebten auf der Flucht, als hätten wir dieselben Verbrechen wie mein Vater verübt. Das war hart.

© F.A.Z. Sebastián Marroquín über nutzloses Drogengeld

Wünschten Sie sich manchmal einen normalen Vater?

Ich war immer sehr glücklich mit meinem Vater. Als Vater war er unangreifbar.

Am 2. Dezember 1993 wurde Ihr Vater schließlich von der Polizei getötet.

Mein Vater war der ganzen Gewalt überdrüssig. Er rief uns und seine Freunde so oft an, bis die Polizei ihn finden konnte.

Es war also kein Fehler von ihm, dass der Funkverkehr sein Versteck verriet?

Nein. Und es war auch nicht die Polizei, die ihn fand. Es war Carlos Castaño, der Chef der ultrarechten kolumbianischen Paramilitärs. Die kolumbianische Polizei und amerikanische Agenten hatten mit der Operation, die zum Tod meines Vaters führte, nicht zu tun. Außerdem brachte er sich selbst um.

Woher wissen Sie das?

Das haben mir die Forensiker gesagt, die die Autopsie machten. Sie wurden bedroht und mussten den Abschlussbericht fälschen. Außerdem hatte mir mein Vater das immer gesagt: Beim Frühstück, beim Mittagessen und beim Abendessen sagte er mir, wohin er sich schießen würde, wenn er von seinen Feinden umstellt wäre. Das war also keine Überraschung für mich.

© AFP Ein Jahr nach dem Tod von Pablo Escobar nimmt dessen Mutter Hermilda Gaviria de Escobar (2. von rechts) an einer Trauerfeier in Medellín teil.

Der offiziellen Version zufolge wurde Ihr Vater von Polizisten erschossen, unterstützt von amerikanischen Agenten. Und es gibt auch Fotos, auf dem sie zusammen mit der Leiche posieren.

Klar, das war immer so: Die Paramilitärs unter Carlos Castaño machten auf der Jagd nach meinem Vater die Drecksarbeit, die Massaker, sie folterten, ließen Menschen verschwinden. Und dann riefen sie die Polizei und sagten: Jungs, ihr könnt euer Foto machen.

Sie selbst waren damals 16 Jahre alt. Wie haben Sie den Todestag Ihres Vaters erlebt?

Die eine Hälfte Kolumbiens war an diesem Tag sehr froh. Die andere Hälfte trauerte – so wie ich. Ich wollte nicht den Tod meines Vaters. Und ich machte den Fehler, einer Journalistin, die das ohne meine Zustimmung aufnahm, ein paar Worte zu sagen, die heutzutage als Drohung an das Land in Erinnerung sind.

Sie sagten: „Ich werde diese Hurensöhne umbringen. Ich selbst werde sie umbringen.“

Drohungen, die ich Minuten später bereut habe. Es ging eben um meinen Vater, einen Menschen, den ich sehr geliebt habe. Eine sehr natürliche Reaktion, denke ich. Wenn Ihr Vater eines gewaltsamen Todes stirbt und Sie so etwas sagen würden, wäre jedem klar: Das ist ein Ergebnis des momentanen Schmerzes und keine Drohung, die Sie umsetzen. Aber weil ich der Sohn von Pablo Escobar bin, wurde das ernst genommen.

Haben Sie nie daran gedacht, in die Fußstapfen Ihres Vater zu treten?

Das ist eine Alternative, die sich mir jeden Tag meines Lebens stellt. Als er noch lebte, aber auch nach seinem Tod. Jeden Tag aufzustehen, und zwar nicht als Pablo Escobar 2.0, sondern als Mann des Friedens. Das ist eine tägliche Herausforderung.

Wie ging es nach dem Tod Ihres Vaters weiter für Sie und Ihre Familie?

Wir verhandelten mit den Drogenkartellen. Sie verlangten Entschädigung für all das Geld, das sie bei der Jagd auf meinen Vater ausgegeben hatten. Und so beraubten sie uns unseres gesamten Erbes.

© AFP „Hacienda Nápoles“, die frühere Farm der Familie Escobar, ist heute eine Touristenattraktion. Und die Nilpferde aus dem Privatzoo vermehren sich munter weiter.

Sie trafen sich mit den Feinden Ihres Vaters?

Diejenigen, die das Kartell meines Vaters zerschlagen hatten, waren die neuen großen Bosse. Sie entschieden, wer starb und wer weiterlebte. Wenn dich in Kolumbien jemand mit so einer Macht zu einem Treffen einlädt, dann kannst du nicht nein sagen, auch wenn du weißt, dass du danach vermutlich tot bist. Deshalb habe ich vorher auch mein Testament gemacht.

Wie lief das Treffen ab?

Ich habe mich mit den großen Chefs des Cali-Kartells getroffen: Pacho Herrera, Miguel Rodriguez Orejuelay und José Santacruz Londoño alias „Chepe“. Und zu meiner große Überraschung war da auch die Familie meines Vaters. Sie schienen sich schon lange zu kennen.

Wie kam das?

Ich fand heraus, dass meine Großmutter väterlicherseits und meine Onkel meinen Vater hintergangen und sich mit dem Cali-Kartell verbündet hatten. Das machte mich sehr traurig. Du machst dir Gedanken über den Verrat von Freunden, den Verrat der halben Welt, aber dass dich deine Großmutter und deine Onkel verraten? Daran denkst du nicht einmal.

Wie ging das Treffen aus?

Sie ließen mich am Leben – was schon viel ist. Normalerweiser werden diejenigen, die zu solchen Treffen gehen, in Stückchen zerhackt. Ich war bereit zu sterben, denn ich wollte nicht mehr vor den Sünden meines Vaters weglaufen. Und so bekamen sie all unser Geld, die Grundstücke, die Kunstwerke, die Wohnungen, die Autos, die Motorräder. Alles. Ihre Botschaft war klar: Wenn ihr nur eine einzige Münze versteckt, bringen wir euch um. Es waren ziemlich einfache Verhandlungen.

Hätten Sie nicht aus Kolumbien fliehen können?

Die Feinde meines Vaters hatten in Zusammenarbeit mit unserer Regierung die Türen der Welt für uns geschlossen. Vor seinem Tod flogen wir nach Deutschland, doch auch dort wurden wir abgewiesen. Wir wurden an Bord der Lufthansa zurück nach Bogotá geschickt.

© AFP Schwer bewacht kommen Juan Pablo Escobar (Mitte), seine Schwester und seine Mutter am 27. November 1993 am Flughafen an, um aus Kolumbien zu fliehen. Doch zunächst will sie kein Land aufnehmen.

Und nach seinem Tod?

Da bekamen wir neue Identitäten. Und wir hatten Kontakt zur Regierung in Moçambique, die uns aufnahm.

Wie kamen Sie zu dem Namen Sebastián Morraquín?

Wir haben im Telefonbuch geblättert. Die Namen, die irgendwas mit der Mafia zu tun hatten, haben wir gestrichen. Und die übrigen haben wir genommen.

Mit Ihren neuen Namen landeten Sie letztendlich in Buenos Aires. Wie war es, plötzlich ein normales Leben zu leben?

Am Anfang war das sehr hart, denn wir waren ja absoluten Reichtum gewohnt. Und plötzlich hatten wir nichts. Nur dank der Familie meiner Mutter konnten meine Schwester und ich dann anfangen zu studieren.

Nach fünf Jahren wurden Sie von Ihrem alten Leben eingeholt. Sie und Ihre Mutter wurden festgenommen und wegen Geldwäsche angeklagt.

Ich gab damals Unterricht, arbeitete als Dozent an der Universität. Plötzlich kam die Polizei, gefolgt von Fernsehkameras, und legte mir Handschellen an. Das war eine große Show. Der wirkliche Vorwurf war doch, dass wir Sohn und Witwe von Pablo Escobar waren. Nach langen Untersuchungen kam dann das höchste argentinische Gericht zu dem Schluss, dass wir kein Gesetz gebrochen hatten, und sprach uns in allen Anklagepunkten frei.

Sie haben ein Buch über Ihren Vater geschrieben und verkaufen T-Shirts mit Bildern von ihm. Ist das Ihr Weg, von der Glorifizierung Ihres Vaters zu profitieren?

Nein. Auf keinem unserer Kleidungsstücke finden Sie etwas, das die Verbrechen, den Drogenhandel oder die Figur meines Vaters glorifiziert. Im Gegenteil: Wir nutzen das Bild meines Vaters, um eine Debatte anzustoßen und den Jugendlichen klarzumachen, dass das keine schöne Geschichte ist, die man wiederholen sollte. Unser Slogan ist: „Wir glauben an den Frieden.“

Für den Dokumentarfilm „Die Sünden meines Vaters“ trafen Sie die Söhne von Luis Carlos Galán und Rodrigo Lara Bonilla. Beide Politiker wurden im Auftrag Ihres Vaters ermordet. Hatten Sie Angst vor diesem Treffen?

Ja. Niemand ist darauf vorbereitet, die Opfer des eigenen Vaters zu treffen. Aber es war eine sehr erfreuliche Begegnung. Wir sprachen über den Schmerz, den die Gewalt im Zusammenhang mit dem Drogengeschäft verursacht. Ihnen war bewusst, dass mein Vater für den Tod ihrer Väter verantwortlich war, dass es aber auch die Prohibition war, die diese Gewalt verursachte und weiter verursacht. Diese Söhne, die einen so verständlichen Schmerz in sich tragen, unterstützen die Legalisierung von Drogen. Das ist eine Botschaft, die die Welt hören sollte.

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© Youtube Viele historische Aufnahmen: Trailer des Dokumentarfilms „Die Sünden meines Vaters“

Sind Sie auch für die Legalisierung von Drogen?

Drogen sind doch faktisch legalisiert. Wenn du eine Pizza und Drogen bestellst, dann kommen die Drogen noch vor der Pizza bei dir an. Das Geschäft ist nur nicht staatlich reguliert. Drogen gehören zur Menschheit, und das wird sich auch nicht ändern. Ändern müssen wir die Art und Weise, wie wir ihnen begegnen. Sie sind ein Problem, das wir mit Bildung und Aufklärung lösen können, nicht mit Maschinengewehren.

Wie war das in Ihrer Jugend mit den Drogen?

Mein Vater sagte mir: „Mutig ist der Mann, der keine Drogen nimmt.“ Mein Vater war der berühmteste Drogendealer des zwanzigsten Jahrhunderts – und er nahm sich die Zeit, seinen Sohn über Drogenkonsum aufzuklären.

Nahm er selbst auch keine Drogen?

Er probierte alle außer Heroin. Er beschrieb mir die Effekte und die Folgen für die Gesundheit. Und er sagte mir, dass er gelegentlich Marihuana rauchte, aber nur in Momenten, in denen er keine wichtigen Entscheidungen treffen musste.

Was ist Ihre Meinung zum Friedensabkommen der kolumbianischen Regierung mit den Guerrilleros der Farc?

Ich habe die schlimmsten und blutrünstigsten Kämpfer Kolumbiens gesehen, müde und all der Gewalt überdrüssig. Seit mehr als 150 Jahren steckt unser Heimatland im Morast der Gewalt. Natürlich wird es immer Streit geben über die Bedingungen eines Abkommens. Aber aus meiner eigenen Erfahrung sage ich: Der Frieden ist jeden Preis wert.

Würden Sie gerne nach Kolumbien zurückkehren?

Mehr als das wünsche ich mir, das Recht wiederzubekommen, darüber selbst entscheiden zu können ohne dass die Gewalttätigen mitreden.

Ist es für Sie denn noch immer gefährlich in Ihrer Heimat?

Ich weiß nicht. Und ich will den Versuch nicht wagen.

Für die Fans von Narcos

Auf seiner Facebook-Seite hat Sebastián Marroquín eine lange Liste veröffentlicht, in der er historische Fehler aufzählt, die die Macher der Serie seiner Meinung nach begangen haben: NARCOS 2 AND ITS 28 FANTASIES





F.A.Z.-Multimedia: Carsten Feig

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Quelle: F.A.Z.

Veröffentlicht: 29.09.2016 16:29 Uhr