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Internet Wer bietet weniger?

06.09.2004 ·  Kontrastprogramm zu Ebay: Auf der Internetseite Undertool.de unterbieten sich Handwerker, um Aufträge zu ersteigern. Das ist gut für den Geldbeutel der Kunden.

Von Sybille Wilhelm
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250 Euro war es Hans Breuker aus Essen wert, drei Zimmer von einem Maler streichen zu lassen. Bezahlen mußte er für die Verschönerung der rund 60 Quadratmeter Wohnfläche letztlich nur 115 Euro: Er hatte den Auftrag ins Internet gestellt und abgewartet, bis sich die Malermeister beim Rangeln um den Auftrag unterboten. Seit ungefähr einem Jahr gibt es die Internetseite undertool.de. Das Prinzip der Auftragsvergabe per Auktion funktioniert ähnlich wie Ebay - nur umgekehrt. Wer einen Fachmann sucht, der ihm die Fliesen verlegt, die Schädlinge aus dem Haus vertreibt oder Gitarrenunterricht gibt, kann den Auftrag ins Internet stellen. Finden sich mehrere, unterbieten sie sich bis zu ihrer Schmerzgrenze.

"Undertool ist kein Handwerker-Dumping", sagt Firmengründer Thomas Grochowalski. Vielmehr sei das Portal für viele Neulinge wie Ich-AGs eine Chance, ins Geschäft zu kommen: "Wenn die Auftraggeber zu unverfroren sind und mit einem viel zu niedrigen Preis beginnen, findet sich ohnehin kein Handwerker." Die Rückwärtsauktionen sind entstanden, als der ehemalige Lagerleiter sich mit einem Hausmeisterservice selbständig gemacht hatte und ihm auffiel, daß es für Kleinaufträge - anders als für öffentliche Ausschreibungen - keine Plattform gab. Den letzten Anstoß für die Dienstleistungsversteigerungen gaben die Nachbarn: Die hatten mitten im Hausbau Pech mit den Handwerkern und brauchten schnell fachkundigen Ersatz.

Gewünschte Arbeiten genau schildern

Wer sein Heim verschönern will, sollte bei undertool.de die gewünschten Arbeiten genau schildern und am besten auch ein Bild beifügen. Zudem kann der potentielle Kunde angeben, ob er nur einen Meisterbetrieb engagieren will, bar zahlt oder das Material selbst stellt. Wer sich vorher informieren will, was etwa ein Umzug üblicherweise kostet, kann in die Gelben Seiten schauen und sich dort von einem Dienstleister ein Angebot machen lassen. Etwa diese Summe sollte er als Richtpreis ins Internet setzen: Schlimmstenfalls müßte er ja ohnehin soviel zahlen.

Bis einem Auftragswert von 1000 Euro kostet das Einstellen des Angebots bei undertool.de einen, bei höheren Aufträgen zwei Euro. Das erste Bild zum Auftrag kostet den Auftraggeber nichts. Die Vermittlungsprovision, die prozentual gestaffelt ist, trägt auch der Auftraggeber. Wer statt für 500 Euro einen Handwerker für 400 Euro beauftragt, zahlt 3,25 Prozent auf den tatsächlich ersteigerten Betrag, in diesem Fall also 13 Euro. Zusammen mit der Einstellgebühr von einem Euro hat der Kunde insgesamt 86 Euro weniger gezahlt.

Der Auftraggeber benotet den Handwerker

Um als Handwerker bei undertool Gebote abzugeben, müssen dem Auktionshaus die Gewerbeanmeldung, ein Handelsregisterauszug oder eine Unbedenklichkeitsbescheinigung vorliegen. Zudem wird der Handwerker anschließend von den Auftraggebern für alle sichtbar benotet: Nehmen die Beschwerden überhand, setzt sich einer der drei Undertool-Mitarbeiter mit ihm in Verbindung. Für den Malermeister, der in Essen die Wohnung von Hans Breuker verschönert hat, hat sich der preiswerte Auftrag gelohnt: Der zufriedene Auftraggeber hat ihn nicht nur an Freunde und Bekannte weiterempfohlen, sondern auch ein paar Monate später vor seinem Umzug die neue Wohnung streichen lassen - für 1000 Euro.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 05.09.2004, Nr. 36 / Seite 45
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