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Internet Google bietet kostenlosen E-Mail-Dienst an

02.04.2004 ·  Mit einem Gigabyte Speicherplatz wirbt Google um Kunden für seinen neuen kostenlosen E-Mail-Dienst. Im Gegenzug wertet das Unternehmen den Text der E-Mails aus und „ergänzt“ die elektronische Post mit passender Werbung.

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Google, die weltweit erfolgreichste Suchmaschine im Internet, startet ab sofort einen neuen Service an: Unter www.gmail.com ist seit dem 1. April - und dies ist kein Scherz - ein kostenloses E-Mail-Programm erhältlich, das den
Nutzern nicht nur ein Gigabyte Speicherkapazität zur Verfügung stellt, sondern sie zugleich mit vermeintlich nützlicher Werbung versorgt. Das E-Mail-Programm durchsucht dafür eingehende Nachrichten nach bestimmten Schlüsselwörtern und ergänzt diese dann mit jeweils passenden Text-Werbeangebote. Die E-Mail einer Bekannten, die von ihrer jüngsten Frankreich-Reise berichtet, könnte dann etwa einen Werbetext enthalten, in dem Ferienhäuser im Nachbarland angeboten werden.

Der Pressesprecher von Google in Deutschland, Stefan Keuchel, bestätigte auf Anfrage, daß “gmail“ nun freigeschaltet sei und nach dem beschriebenen Prinzip verfahre. Allerdings ist bislang der E-Mail-Dienst noch in der letzten Testphase und derzeit nur für einen geschlossenen Nutzerkreis erreichbar. Niemand müsse fürchten, so Keuchel, daß seine Post von Menschen durchgelesen werde, es handele sich vielmehr um ein reines Computerverfahren, das auch nur zum Zwecke der Werbung eingesetzt werde. Mit dieser wiederum finanziere sich das E-Mail-Angebot von Google. Pate für das Verfahren steht das von Google bereits angewandte Verfahren “AdSense“, das die in der Suchmaschine eingegebenen Begriffe berücksichtigt und gezielt dazu Werbung im Netz plaziert.

Der E-Mail-Briefkasten wird gläsern

Bei E-Mails gab es dieses System bislang nicht. Zwar wird auch in den Mail-Diensten etwa von Microsoft, Hotmail, Werbung mitversandt, um das Angebot zu refinanzieren, doch steht die Werbung inhaltlich in keinem Zusammenhang mit dem Text der E-Mail. Technisch einmal eingerichtet, kann das Computerprogramm selbstverständlich auch nach anderen Schlüsselbegriffen suchen als solchen, zu denen ein Werbekunde bei Google etwas anbietet. Bei Web.de und gmx.de, wird ein solches Verfahren, wie zu erfahren ist, derzeit nicht angewendet. Eine inhaltliche Auswertung der E-Mails einer Privatperson wäre in Deutschland problematisch - selbst wenn der Nutzer diesem Angebot vorher ausdrücklich zustimmt.

Google macht seinen E-Mail-Dienst mit dem außergewöhnlich großen Speicherplatz von 1 GB schmackhaft: Damit bietet das Unternehmen, das in diesem Jahr an die Börse gehen will, das Hundertfache dessen an, was die wichtigsten Mitbewerber in den Vereinigten Staaten, Yahoo und MSN, kostenlos anbieten. Allerdings ist fraglich, ob ein Nutzer diese enormen Mengen überhaupt für die Verwaltung seiner reinen Textmails benötigt. Ein Gigabyte entspricht etwa 500.000 Textseiten.

Für die Entwicklung zu einem vollständigen Webportal gilt E-Mail als Schlüsselfunktion, da sie eine der gefragtesten Funktionen für Internet-Nutzer ist. Yahoo, Microsoft und andere Konkurrenten verstärken dagegen ihre eigenen Anstrengungen im Bereich Suchmaschinen enorm und treten damit in verstärkten Wettbewerb zu Google.

Quelle: mg, miha. / Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03. April 2004
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