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Internet Der Abschied von .com

12.05.2003 ·  Wer eine Website mit der Endung .com anklickt, weiß nicht, was sich dahinter verbirgt. Andere Endungen bringen mehr Klarheit: .de, .biz oder .name geben schon im Namen Hinweise, welche Sprache zu lesen oder welcher Inhalt zu finden ist.

Von Cornelia Pretzer
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Die Zeit der Websites, die auf .com enden, geht zuende. Und das nicht, weil niemand mehr auf das Internet setzt. Im Gegenteil: Die wachsende Schar der inzwischen 600 Millionen Internet-Nutzer in aller Welt möchte schon am Namen erkennen, mit wem sie es zu tun hat.

In Europa haben sich die Nutzer schon lange daran gewöhnt, Websites aus ihrem Land unter ihrer Landeskennung zu suchen. Durch die Endung .de (für Deutschland), .co.uk (für Großbritannien) oder .fr (für Frankreich) bekommen sie beispielsweise Informationen darüber, in welcher Sprache die Site verfaßt ist oder in welchem Land der Betreiber der Website seinen Sitz wahrscheinlich hat. All diese Informationen fallen bei .com weg. Die einzige Aussage der Endung ist: Es ist eine Website.

.com-Namen sterben aus

Zwar enden die meisten der heute registrierten Domainnamen mit der Endung .com, die ursprünglich commerce bezeichnete, aber es werden weniger. Statt 28 Millionen Websites vor 18 Monaten auf .com gibt es heute nur noch 22 Millionen. Ein Grund liegt in den neuen Domainendungen, die von der zuständigen internationalen Vergabestelle, Icann (Internet Corporation for Assigned Names and Numbers) eingeführt wurden. Zu den Landeskennungen kamen neue so genannte „generic top level domains“ (gtld). Zu diesen „Nicht-Länder-Kennungen“ gehören außer .com auch die Endungen .name, .biz, .info, .net und .org.

Mit der Entscheidung für eine dieser gtld-Endungen signalisieren die Betreiber den Charakter von Websites. Unter .info soll der Nutzer Seiten finden, die ihn informieren. Bei Webites, die auf .name enden, geht es um private Seiten. .biz steht für das englische Wort business und weist auf unternehmen hin.

Zentrale Vergabestellen regeln Namenswahl

Das zumindest ist die Theorie. Um die Domains „sauber“ zu halten, also zu verhindern, daß sich unter der Endung Seiten finden, die gar nichts mit dem suggestiven Namen zu tun haben, verfahren die Vergabestellen ganz unterschiedlich. Alle Websites mit einer Endung werden von einer zentralen Vergabestelle (Registry) vergeben. Diese Registries - wie beispielsweise in Deutschland die Denic - verteilen ihre Arbeit an mehrere Registrare. Bei diesen Registraren fragen Nutzer nach, ob sie eine Website unter dem gewünschten Namen registrieren können. Der Registrar gleicht mit der Registry ab, und die Website wird vergeben.

Manche Ländervergabestellen wie die französische Afnic handhaben die Vergabe sehr rigide. Schriftliche Anfragen und Versicherungen und ein mehrschrittiger Prozess sind nötig, um eine Website mit der Endung .fr zu bekommen. Gänzlich formlos geht es dagegen bei .com zu. Zu der Website sind nur der Registrar, das Ablaufdatum der Seite, die IP-Adresse des Servers, auf dem die Website liegt, sowie der Domainname gespeichert. Dadurch ist die Vergabe sehr offen, aber natürlich die Verwaltung nicht ganz einfach. Und es gibt natürlich deutlich mehr (22 Millionen) Websites mit der .com-Endung als Anbieter, die das aufwendige französische Prozedere durchlaufen haben (40.000).

Selbstreinigung oder Kontrolle

Unternehmen wie Neulevel, Sita oder Afilias darauf spezialisiert, als Registries gtld-Namen zu verwalten. Das Unternehmen Neustar, das unter anderem die .biz-, die .us- und die .cn-Domains verwaltet, erhebt einige Daten mehr als für eine .com-Adresse nötig sind. Dadurch ist über eine Telefonnummer beispielsweise die Rücksprache mit Kunden möglich. Trotzdem verzichtet das Unternehmen darauf, mehr als eine Absichtserklärung des Anbieters zum Zweck der Website zu fordern. Neustar setzt auf Selbstreinigung. Falls also ein Nutzer entdeckt, daß die Website auf die Endung .biz gar nichts Geschäftliches hat, wird sie geschlossen. Richard Tindal, Vizepräsident bei Neustar für Registry-Service, berichtet, daß auf diese Weise 95 Prozent der .biz-Adressen auch das gewünschte Gebiet abdecken - nicht zuletzt, weil die Firmen selbst einen Vorteil daraus ziehen, wenn die Endung sie klar ausweist, was bei .com nicht mehr der Fall ist.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.05.2003, Nr. 109 / Seite 20
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