Rote Mütze, Rauschebart: Das ist, so weiß jedes Kind, der Weihnachtsmann. Aber wer hätte geahnt, dass der Weihnachtsmann genau 1,70 Meter groß ist und 118 Kilogramm wiegt. Oder dass sein fliegender Schlitten maximale 60.000 Tonnen Geschenke transportieren darf. Diese Geheimnisse hat das streng geheime amerikanische Luftabwehrkommando NORAD enthüllt und teilt sein Wissen nun auf einer Internet-Seite mit großen und kleinen Kindern in aller Welt.
Eigentlich spürt das tief in den Rocky Mountains bei Colorado Springs im Bundesstaat Colorado verborgene Luftabwehrkommando feindliche Flugobjekte auf. Doch in der Vorweihnachtszeit lauert die Sicherheitstruppe der USA und Kanadas, mit feinsten Radar- und Satellitenantennen bewaffnet, dem fliegenden Rentier- Gespann auf.
Alle Jahre wieder enthüllt das Militär die neuesten Ergebnisse seiner Nachforschungen im Internet (siehe Link „Die Flugroute des Weihnachtsmanns“) oder auch über Rundfunk und Fernsehen. Allein 100 Millionen große und kleine Kinder werden an diesem Heiligen Abend auf der preisgekrönten Webseite nachschauen, in welchem Winkel der Welt „Santa Claus & Co.“ gerade Präsente verteilen.
Bunte Computeranimationen der Flugroute
So wie Meteorologen den Fernsehzuschauern auf ihren TV- Wetterkarten die Bahnen von Sturmtiefs zeigen, so ähnlich verbildlicht NORAD in bunten Computeranimationen die Flugroute des Weihnachtsmannes durch alle Zeitzonen der Erde: Am 24. Dezember startet die „Christmas-Tour“ am Nordpol. Ein kleines Schlitten-Symbol markiert den jeweiligen Standort auf einem dreidimensionalen Globus.
Alle 15 Minuten sehen Computer-Benutzer dann einen neuen interaktiven „Live“-Zeichentrickfilm auf ihrem Bildschirm: Der Weihnachtsmann dreht eine Ehrenrunde um das berühmte Opernhaus in Sydney, saust im Schwindel erregenden Sturzflug an den ägyptischen Pyramiden vorbei und schraubt sich in kreiselnden Bahnen bis zur Spitze des Washington Monuments empor, bis Rentier Rudolphs rote Nase vor Begeisterung glüht. So war es jedenfalls im vergangenen Jahr, erklärt Major Snyder mit einem Augenzwinkern: „Was in diesem Jahr passiert, können wir natürlich nicht wissen.“
NORAD habe ein partnerschaftliches Verhältnis zum Weihnachtsmann, betont der Offizier. Ohne dessen stillschweigende Genehmigung sei eine Beschattung selbst mit modernster Technik ganz unmöglich. Denn der altehrwürdige Herr habe so manches Ass im Ärmel. Anders könnte er wohl auch nicht alle Kinder in nur einer Nacht beschenken.
Seit 1957 gibt es den weihnachtlichen Beobachtungsposten
Begonnen hatte die Operation Weihnachtsmann der Luftabwehr 1955 durch ein Versehen. Eine Lokalzeitung druckte damals statt der Nummer einer „Santa Claus Hotline“ versehentlich die geheime Durchwahl zur Kampfeinsatz-Leitung von NORADs Vorgängerorganisation CONAD. Morgens um sieben Uhr klingelte in der Bunker-Zentrale das rote Telefon und ein kleiner Junge diktierte einem verblüfften Oberst Harry Shoup seine Wunschliste. „Du bist ja gar nicht der Weihnachtsmann“, bemerkte das Kind bald mit tränenerstickter Stimme. Danach wurde die Idee vom „Father Christmas“ geboren. Seit 1957 bezieht das Sondereinsatz- Kommando nun freiwillig den weihnachtlichen Beobachtungsposten - zur Werbung in eigener Sache und zum Vergnügen aller Beteiligten.