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Internationale Walfang-Kommission Schützen oder schießen? Oder beides?

16.06.2003 ·  Wenn die Internationale Walfang-Kommission tagt, treten sich unversöhnliche Tierschützer und Walfänger gegenüber. Eine Übersicht der Positionen.

Von Georg Rüschemeyer
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In Berlin stehen sich in dieser Woche Umweltschützer und Walfänger auf der Tagung der Internationalen Walfang-Kommission (IWC) unversöhnlich gegenüber. Für Greenpeace und andere Tierschutzorganisationen, die um jeden einzelnen Wal kämpfen, sind die großen Meeressäuger Sympathieträger, in ihrer Kampagnenwirksamkeit bestenfalls noch übertroffen von schwarzäugigen Robbenbabys. Für die Walfänger sind sie allerdings nur eine Ressource des Meeres, die zu nutzen genauso legitim ist wie der Fang von Fischen.

Ähnlich wie die Fischerei wurde auch der Walfang erst im Zeitalter der Fabrikschiffe zur Gefahr für die Bestände. Mit vorher unvorstellbarer Effizienz machten sie dem Wal den Garaus. Allein in der Fangsaison 1930/31 wurden 29.000 Blauwale erlegt - bis bald darauf kaum noch welche übrig waren.

Kommission soll Ausrottung verhindern

Daß es so nicht weitergehen konnte, wurde selbst den Walfangnationen klar. 1946 gründeten sie die IWC mit dem Ziel, die Ausrottung einzelner Arten durch Fangquoten zu verhindern. Doch die Fangbeschränkungen waren viel zu zögerlich, die Großwale wurden seltener und seltener. Nach langem Hin und Her rang sich die Kommission 1982 zu einem totalen Stopp des Walfangs durch. Das Moratorium trat 1986 in Kraft und gilt bis heute.

Außer Norwegen hat seither nur Japan noch Wale gejagt - ebenfalls hauptsächlich Minkwale. Japan beruft sich darauf, diese Tiere im Dienste der Wissenschaft zu fangen. Allerdings landet das Fleisch der Tiere vorwiegend auf den Tellern japanischer Feinschmecker.

Walbestand hat sich erholt

Die Bestände vieler Walarten haben sich seit dem Moratorium deutlich erholt. Schon 1993 gab der wissenschaftliche Ausschuß der Walfangkommission deshalb die Empfehlung ab, den besonders vermehrungsfreudigen Minkwal wieder zur Jagd freizugeben. Doch längst stand den ehemals walfangenden Gründerstaaten der IWC die Fraktion der entschiedenen Walfanggegner entgegen, darunter Binnenländer wie Österreich. Das Moratorium blieb bestehen, die Fronten verhärteten mit den Jahren mehr und mehr.

Boris Culik vom Kieler Institut für Meeresforschung plädiert dafür, den Streit endlich beizulegen und sich auf Regeln zur kontrollierten Nutzung der Walbestände zu einigen. Ähnlich argumentieren inzwischen selbst Umweltschutzverbände wie der World Wildlife Fund: "Lieber eine kontrollierte Jagd mit wissenschaftlich begründeten Fangquoten als die gegenwärtige Situation", sagt WWF-Walexperte Volker Homes.

Greenpeace befürchtet Dammbruch

Richtig haarig wird es bei der Frage, wie die Einhaltung der korrekten Fangquoten gesichert werden könnte. Der WWF fordert eine strikte Überwachung durch Inspektoren auf allen Walfangschiffen. So soll verhindert werden, daß geschützte Walarten trotzdem geschossen werden. Die Kosten für die aufwendige Kontrolle sollen nach dem Willen des WWF und der Walschutz-Fraktion im IWC die Walfänger selbst tragen. Die halten davon selbstverständlich gar nichts.

Und auch die Walschützer von Greenpeace wollen keinen Deut von ihrer Position abrücken. Sie lehnen jeden Vorstoß für einen kontrollierten Walfang kategorisch ab. Sollte die Jagd auf Wale generell wieder erlaubt werden, fürchten sie einen Dammbruch.

Die großen Gefahren sind andere

Wenig Hoffnung also darauf, daß auf der Berliner IWC-Konferenz Fortschritte in Richtung eines vernünftigen Umgangs mit den Walen gemacht werden. Die japanische Delegation hat sogar schon mit dem Abbruch der Verhandlungen gedroht. Dabei sind sich Meeresbiologen längst einig, daß die eigentlichen Risiken für den Fortbestand der Wale ganz andere sind. "Für die Großwale stellt die Überfischung der Weltmeere die mit Abstand größte Gefahr dar", sagt Boris Culik. "Die Fischerei frißt sich von oben nach unten durch die Nahrungspyramide. Nachdem sie größere Fische wie den Dorsch an den Rand der Ausrottung gebracht hat, fängt sie jetzt selbst die Nahrung der Wale, den Krill, um daraus Fischmehl zu machen."

Die andere große Gefahr für die Wale ist es, als Beifang in Fischernetzen zu verenden. Davon sind vor allem die nicht geschützten Kleinwale wie Delphine betroffen. Zehntausende verheddern sich jedes Jahr in den Netzen und ertrinken jämmerlich. Daß dies die wahren Bedrohungen für die Wale sind, wissen alle Beteiligten. Trotzdem wird wohl auch die Konferenz in Berlin wieder vom alten Fundamentalstreit zwischen Walfängern und Walfanggegnern geprägt.

Quelle: Lesen Sie den ausführlichen Text in der Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 15.06.2003, Nr. 24 / Seite 59
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