http://www.faz.net/-gum-72kr3

Indien : „Hitler“-Laden empört jüdische Gemeinde

  • Aktualisiert am

„Ich habe zu viel an Werbung für mein Geschäft bezahlt“, sagt Ladenbesitzer Rajesh Shah. Bild: dpa

Zwei indische Geschäftsleute nennen ihr Modegeschäft „Hitler“. Ghandi-T-Shirts kann man dort kaufen. Die jüdische Gemeinde protestiert und dringt auf einen Namenswechsel. Doch dafür soll sie nach dem Willen der Inhaber bezahlen.

          Rajesh Shahs Kleiderladen heißt „Hitler“, in großen weißten Buchstaben steht der Name über dem Geschäft. Der Inder verkauft dort etwa T-Shirts mit Ghandi-Aufdruck, Jeans und Hemden für Männer. Im I-Punkt befindet sich ein rotes Hakenkreuz, eigentlich eine Swastika, die Glück, Ruhm und Reichtum symbolisiert. Doch zusammen mit dem Namen des Diktators wirkt das wie ein kalkulierter Tabubruch. Shah und sein Geschäftspartner bestreiten die Reminiszenz an die nationalsozialistische Vergangenheit. Beide beteuern den Laden nach einem Onkel benannt zu haben, der wegen seiner Strenge als „Hitler“ bezeichnet worden sei.

          Im August hatten sie das „Hitler-Geschäft“ in der indischen Millionenstadt Ahmedabad eröffnet, der größten Stadt des Bundesstaates Gujarat. Ahmedabads jüdische Gemeinde habe sofort verlangt, das Geschäft umzubenennen, sagte Shah. „Aber nach Auskunft unseres Anwalts haben wir kein indisches Recht gebrochen.“ Die israelische Generalkonsulin im Mumbai zeigte sich geschockt von der „taktlosen“ Namensgebung. Im Sender BBC kündigte sie an, den Fall bei der Regierung von Gujarat anzusprechen.

          Jüdische Gemeinde soll für Umbenennung bezahlen

          Auch im Internet formierte sich Protest. Mit Hilfe einer Online-Petition sollen die Behörden dazu gebracht werden, den Ladeninhabern die Verkaufslizenz zu entziehen. „Der Mörder von sechs Millionen Juden darf keinen Platz im Lande Gandhis haben“, schreibt einer der Initiatoren.

          Nach den heftigen Protesten erwägen sie nun, den Namen zu ändern. Die historische Bedeutung sei ihnen nicht bewusst gewesen. Wenn sein Partner in wenigen Tagen von einer Auslandsreise nach Indien zurückkehre, würden sie über einen Namenswechsel entscheiden, sagt Shah. Doch dafür soll die jüdische Gemeinde bezahlen. Der New York Times sagte er: „Ich habe zu viel an Werbung für mein Geschäft bezahlt.“

          Weitere Themen

          Die Unsichtbaren

          Wohnungslose Frauen : Die Unsichtbaren

          Wohnungslosigkeit ist längst kein männliches Problem mehr. Hierzulande steigt die Zahl betroffener Frauen dramatisch. Sie haben kaum eine Chance, eine neue Bleibe zu finden.

          Topmeldungen

          Um diese Grenze dreht sich der Streit: Hinweisschild auf eine Zollstation in Nordirland.

          Was der Deal bedeutet : Der Brexit-Kompromiss bindet die Briten an die EU

          Die Briten hätten sich auf Standards eingelassen, hinter die sie nicht mehr zurück könnten, heißt es in Brüssel. Doch rettet der Kompromiss einen geordneten Brexit? Eine wirtschaftliche Einordnung.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.