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Veröffentlicht: 18.04.2016, 19:14 Uhr

Londoner U-Bahn In Holborn probt die Tube den Stillstand

U-Bahnfahren in London ist ein geselliges Erlebnis – Pendler verstopfen die Stationen jeden Morgen aufs Neue. Die Behörden wollen nun Abhilfe schaffen.

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© Picture-Alliance Bitte einfach stehen bleiben: Wenn Pendler in Londons U-Bahn zu Versuchskaninchen werden.

Die Londoner U-Bahnstation Holborn ist so verstopft wie alle anderen, wenn die Pendler morgens zur Arbeit wollen und abends wieder heim. Auf den Rolltreppen machen die Leute das, was sie an allen Stationen der Tube machen. Sie stehen rechts, wenn sie stehen wollen, und sie gehen links, wenn sie gehen wollen. Das ist eine der unerschütterlichen Gewissheiten, die Britannien groß gemacht haben, und jeder Weltläufige, der auf sich hält, achtet das eherne Empire-Gesetz, wo immer auf der Welt er gerade Rolltreppe fährt – außer in Deutschland, da ist das ein Ding der Unmöglichkeit.

In Holborn aber ist seit Montagmorgen alles anders. „Transport for London (TfL)“, die Behörde, die den Verkehr in der britischen Hauptstadt koordiniert, rüttelt an den Grundfesten und macht die Pendler zu Versuchskaninchen: Sie sollen jetzt auf den Rolltreppen nicht mehr rechts stehen und links gehen, sie sollen nur noch stehen. Mit dem „Stand-Only-Experiment“ will TfL die Verstopfung der Stationen zu den Hauptverkehrszeiten lösen und die Pendlerströme von bis zu 4,8 Millionen Leuten am Tag flüssiger machen. Ein halbes Jahr soll das so gehen – oder besser gesagt: stehen.

„Ich kann schon allein Rolltreppe fahren“

Am ersten Tag stand es noch nicht besonders gut, mit britischem Understatement gesagt. Viele Pendler ließen es sich nicht nehmen, die links auf der Rolltreppe stehenden Leute wie gewohnt höflich, aber doch mit leicht gereiztem Nachdruck an die alte Regel zu erinnern: „Entschuldigung, aber darf ich bitte mal vorbei?“ Auf Twitter hieß es etwa: „Danke, TfL, aber ich kann schon allein Rolltreppe fahren.“ Und: „Das Experiment ist was für Faule.“ Oder: „Die Fettsucht hat uns voll im Griff, und ihr wollt jetzt auch noch das Gehen verbieten?“ Andere machten gar eine Anleihe bei Marx: „Ein Gespenst geht um in Europa, das Auf-der-Rolltreppe-Steh-Gespenst.“

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Im Spätsommer wird sich zeigen, ob TfL ungestraft oder gar mit Zustimmung der Bekehrten an der eisernen Regel „Rechts stehen, links gehen“ herumdoktern darf. Schöne Computersimulationen von Pendlerströmen, die im Stillstand auf der Rolltreppe gemeinsam schneller vorankommen, gibt es schon. Aber nach den ersten Stunden des Experiments sieht es nicht so aus, als werde der Stillstand zum Fortschritt.

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