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Naturspektakel : Kommt eine Million Vögel geflogen

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Fink und Fink und Fink und Fink: Die Vögel haben sich in Haiger-Steinbach in einer Menge eingefunden, die der Laie mit „sonder Zahl“ gut beschreibt. Bild: Helmut Fricke

Bei einem hessischen Dorf übernachten seit Wochen Schwärme von Bergfinken. Jeden Abend steigen sie in den Himmel und sorgen für ein großes Spektakel. Viele Vogelfreunde wollen sich das nicht entgehen lassen.

          An solchen Tagen schöpft Maik Sommerhage doch wieder Hoffnung. Manchmal ist er sich nämlich nicht mehr so sicher, wie groß das Interesse an der Natur überhaupt noch ist. Aber an diesem Dienstag haben sich bestimmt 150 Vogel-Interessierte auf dem Parkplatz neben dem Sportplatz in Steinbach bei Haiger zusammengefunden, um ein Spektakel zu beobachten, das selbst Vogel-Fachleute wie Maik Sommerhage so noch nicht gesehen haben. Millionen Bergfinken fallen jeden Nachmittag über dem Dörfchen bei Dillenburg in Mittelhessen ein, um in den schneebedeckten Bäumen die Nacht zu verbringen.

          Gegen 17 Uhr geht es so richtig los. Erst kommen einzelne Schwärme, dann werden es immer mehr. Wie bei einem Vulkanausbruch schießen die Vögel am Horizont hinter einem Hügel hervor und ziehen sich in einem Band am Himmel entlang. Eine Stunde lang dauert das Spektakel, bestimmt 20 Minuten davon reißt das Vogelband nicht ab. Ruhig ist es dabei, nur wegen der Flügelschläge klingt es nach dem lauten Plätschern eines Baches, wenn die Vögel über die Köpfe der Zuschauer sausen.

          Warum die Bergfinken sich nun gerade den Wald neben dem Sportplatz in Steinbach ausgesucht haben, einem Dorf am Dreiländereck von Nordrhein-Westfalen, Hessen und Rheinland-Pfalz? Auch Maik Sommerhage, dem Vogelfreund vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu), ist es nicht ganz klar – und vor allem nicht, warum es so unfassbar viele Vögel sind. Tiere, so meint er mit einem Schulterzucken, verhielten sich eben manchmal anders, als es im Lehrbuch stehe.

          Die Bergfinken schätzen die Region wegen der vielen Bucheckern

          Für den Wald bei Steinbach spricht zumindest, dass er windgeschützt und zentral gelegen ist. Denn so viel ist klar: Die Bergfinken schätzen die Region wegen der vielen Bucheckern. Tagsüber fliegen sie in die Wälder von Taunus, Westerwald und Rothaargebirge zur Nahrungssuche, abends kommen sie zum Schlafen wieder zurück. Ihre Brutplätze in Skandinavien und Russland haben die Zugvögel schon im September in Richtung Süden verlassen.

          Für den Nabu ist es an diesem Nachmittag wie ein Klassentreffen. Maik Sommerhage hat sich schon zum fünften Mal auf den Weg nach Steinbach gemacht, drei Kreisvorstände des Vereins aus ganz Hessen finden sich dieses Mal zufällig zusammen. Es wird über alte Zeiten, neue Objektive für die Kamera und den besten Platz für Fotos gesprochen. Sommerhage freut sich aber vor allem über all die anderen Menschen – Nabu-Leute seien schließlich auch da, wenn viel weniger Vögel zu sehen sind.

          Dieses Mal ist zum Beispiel ein Großvater aus dem Dorf dabei, der mit seinem Enkel nach dem Gitarrenunterricht noch kurz vorbeischauen wollte. „Das sind ja mehr Leute als bei einem Fußballspiel“, sagt er erstaunt. Dahinter stehen alte Herren mit grauem Haar und Jägerhut auf dem Kopf, das Fernglas um den Hals gehängt. Zwischendrin toben Kinder und Jugendliche in Skianzügen, aus dem Wald stoßen ältere Ehepaare mit Hunden vom Nachmittagsspaziergang dazu. Die Nummernschilder der Autos verraten ihre Herkunft. Außer aus dem Lahn-Dill-Kreis kommen sie aus Siegen, Groß-Gerau, Frankfurt und Mainz.

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