02.11.2010 · Oberstaufen ist die erste Stadt in Deutschland, die über „Google Street View“ erkundet werden kann. Bürgermeister Walter Grath spricht im Interview über seinen ersten Eindruck, die Vorteile und kleine Widerstände der Einwohner.
Hallo, Herr Grath, hören Sie mich? Bei Ihnen ist ja ein Trubel!
Ja, wir sind hier gerade bei der Liveschalt . . . (Verbindung unterbrochen. Noch ein Versuch.)
Hallo, Herr Grath?
Hallo. So, jetzt hör ich Sie.
Sie sind Erster Bürgermeister von Oberstaufen, der ersten Stadt in Deutschland, deren Straßenzüge man seit Dienstag über Google Street View erkunden kann. Andere Orte wehren sich gegen die Rundumbeobachtung. Wie ist es dazu gekommen, dass Sie Google den roten Teppich ausrollen?
Als im Sommer die Diskussion über Google Street View aufkam, haben wir positiv reagiert. Wir haben uns gefragt, warum überhaupt so viele Bedenken nötig sind. Wir haben ein Bild von einer Torte mit der Aufschrift „Street View — Willkommen in Oberstaufen“ via Facebook ins Internet gestellt und ein sehr positives Medienecho erhalten. Gegen Google haben wir nichts.
Haben Sie denn bei Google nachgefragt, um die Ersten zu sein?
Nein, wir haben uns gar nicht beworben, es war ein Selbstläufer. Google kam auf uns zu. Sie fanden unsere Aktion toll und wollten uns einbeziehen. Wir waren sehr überrascht, dass wir als so kleiner Ort ganz von Anfang an mit dabei sein durften.
Aber Sie haben ja schon vorher einiges getan, um Ihren Ort zu bewerben?
Wir hatten im Sommer unabhängig von der „Street View Torte“ unter dem Motto „Du bist Oberstaufen“ Filme gedreht und ins Internet gestellt. Die Social-Media-Kampagne für den Tourismus war vielleicht auch ein Grund dafür, dass die Medien auf die Torte aufmerksam wurden.
Und wer hat sich das ausgedacht?
Die Tourismuschefin Bianca Keybach hatte die Idee, die Torte ins Netz zu stellen und die Reaktionen abzuwarten. Als sie positiv waren, stellte sich die Frage: Sollen wir Google willkommen heißen? Das Tourismusamt hat sich dann mit mir abgestimmt. Sie können das ja nicht selbst bestimmen, die politische Entscheidung habe ich selbst getragen.
Sie feiern heute nicht mit Googlehupf, dafür mit Torte und Alphornbläsern. Doch sicherlich war nicht jeder in Oberstaufen so begeistert. Haben denn Einwohner den Willkommensgruß für Google kritisiert?
Nein, im Ort gab es keine kritischen Stimmen. Gut, einige, etwa 16, haben gesagt, dass sie ihr Haus dort nicht gezeigt haben wollen. Das kann jeder selbst entscheiden. Aber gegen die Aktion selbst hatte keiner etwas, es gab jedenfalls keine negativen Zuschriften.
Kann man denn auch einen Blick auf Ihr Privathaus werfen?
Bisher verläuft die Tour vor allem auf einer Route durch das Zentrum. Ich wohne in einer Nebenstraße, die man über Google Street View noch nicht sieht. Aber ich hätte nichts dagegen.
Haben Sie sich Ihr Oberstaufen schon aus der neuen virtuellen Perspektive angesehen?
Dazu bin ich bisher nicht gekommen. Ich war heute morgen zwei Stunden am Telefon, und die Veranstaltung läuft noch. Später werde ich mir das in Ruhe zu Gemüte führen.
Und bei der Vorpräsentation?
Da haben es Mitarbeiter des Tourismusamts angeschaut und mir berichtet, dass die Bilder sehr schön sind.
Haben Sie sich sonst schon einen Eindruck von dem Dienst verschafft?
Ich selbst habe noch keine Bilder darüber angeschaut, nein.
Und was erhoffen Sie sich davon, dass nun Menschen auf der ganzen Welt einen Spaziergang durch Ihr Reich unternehmen können?
Es ist ja schon länger bekannt, dass sich potentielle Urlauber das Gebiet, in das sie reisen, vorher ansehen wollen. Wir hoffen natürlich, dass Oberstaufen als Tourismusort noch bekannter wird und dass Leute, die einen Urlaub in den Bergen und im Allgäu planen, zuerst an Oberstaufen denken. So, jetzt muss ich aber Schluss machen, ich habe gleich das nächste Interview.
Noch eine letzte Frage: Haben Sie Bedenken, als Bürgermeister und Privatperson, was mit den Daten passieren könnte?
Nein, da habe ich keine Angst. Beim Datenschutz muss man zwar bei vielem vorsichtig sein, aber solche Bilder halte ich nicht für eine Gefahr.
Mir fehlen die Worte
Andreas Gerlach (gerliman)
- 02.11.2010, 21:15 Uhr
Oberstaufen ist anderne Orten weit voraus
Stefan Neudorfer (sttn)
- 02.11.2010, 22:14 Uhr
Dafür,dass Ihnen angeblich die Worte fehlen,lassen sie aber noch viel Unsinn ab!
Hans Mueller (Dr.Ing.Mueller)
- 03.11.2010, 00:36 Uhr
Wo sind die Daten im Daten-Schutz?
Michael Reinecke (Daos)
- 03.11.2010, 08:41 Uhr
Ich versteh es einfach nicht...
Martin Krancher (crunchie)
- 03.11.2010, 09:24 Uhr