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Im Gespräch mit Henrik Brumm : Ein Vogel, der Bach singt

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Hat Töne: Ein Flageolettzaunkönig kann Bach pfeifen Bild: BIOSphoto / images.de

Ein Biologe und eine Musikwissenschaftlerin haben verblüffende Gemeinsamkeiten zwischen dem Gesang des Flageolettzaunkönigs und Werken berühmter Komponisten festgestellt. Das wirft weitergehende Fragen auf.

          Herr Brumm, Sie sind Biologe am Max-Planck-Institut für Ornithologie und haben zusammen mit einer Musikwissenschaftlerin herausgefunden, dass der Gesang des Flageolettzaunkönigs im Amazonasregenwald Ähnlichkeiten mit Kompositionen von Haydn und Bach hat. Haydn und Bach, wirklich?

          Uns sind tatsächlich Tonfolgen untergekommen, die so auch bei Bach oder Haydn auftauchen. Ein Vogel in Französisch-Guayana hat einen Teil der Anfangsmelodie aus dem zweiten Satz von Haydns Sinfonie Nummer 103 gesungen. Das sind aber nur prominente Beispiele für die formale Ähnlichkeit zwischen der menschlichen Musik und dem Gesang dieser Vögel.

          Worin besteht die Ähnlichkeit?

          Die Flageolettzaunkönige benutzen bevorzugt konsonante Intervalle, vor allem perfekte Konsonanzen, also Oktaven, Quinten und Quarten. Diese Intervalle werden auch in vielen menschlichen Kulturen benutzt, weil sie als besonders harmonisch empfunden werden. Wenn man so einen Zaunkönig im Wald hört, glaubt man im ersten Moment auch, da pfeift ein Mensch eine kleine Melodie.

          Imitieren die Vögel den Menschen?

          Solche Fälle gibt es, etwa Vögel, die Handytöne imitieren. Beim Flageolettzaunkönig ist das aber sehr unwahrscheinlich. Die Vögel lernen ihren Gesang meist in einer Phase von wenigen Tagen, kurz nachdem sie das Nest verlassen. Da hätte sich jemand im Regenwald fernab jeglicher Zivilisation neben ein Nest stellen und mehrmals am Tag Bach pfeifen müssen.

          Imitiert dann der Mensch den Vogel?

          Haydn und Bach haben den Zaunkönig sicherlich nie gehört. Aber grundsätzlich gibt es so eine Beeinflussung natürlich, Komponisten wurden immer wieder von Vogelgesang inspiriert. Der Flageolettzaunkönig spielt in der südamerikanischen Musik und Dichtung eine herausragende Rolle, er ist ein Symbol, so wie bei uns die Nachtigall.

          Und auf einer tieferen Ebene: Hat unsere Musik ihren Ursprung womöglich in der Natur?

          Einige Kulturwissenschaftler möchten unsere Studie gerne so verstanden wissen, aber ich sehe das nicht so. Die Frage, woher unsere Präferenzen kommen, ist schwer zu beantworten. Das hat etwas mit unserem Nervensystem zu tun und mit den physikalischen Eigenschaften von Tönen, auch die Kultur spielt eine wichtige Rolle. Daneben ist fraglich, ob Vögel die gleiche Wahrnehmung von Tonhöhen haben wie wir. Unsere Erkenntnisse zum Flageolettzaunkönig darf man nicht überinterpretieren: Es gibt ungefähr 4.000 Singvogelarten, und die meisten klingen in unseren Ohren eher unmusikalisch.

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