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Im Gespräch: Greser und Lenz „Existenzängste? Wir trinken dagegen an“

Sie kennen keine Angst vor Klischees, sie ringen dem Alltag wie der Politik ihre lustigsten Seiten ab und leben in Aschaffenburg. Achim Greser und Heribert Lenz geben Auskunft.

© Rainer Wohlfahrt Vergrößern Auch im richtigen Leben gut gelaunt: Witzezeichner Heribert Lenz (links) und Achim Greser.

Welche Interviewfrage können Sie nicht mehr hören?

Lenz: „Wo nehmen Sie nur immer diese Ideen her?“

Ist aber eine gute Frage. Also: Woher nehmen Sie Ihre Ideen?

Greser: Wir haben ja einen klaren Auftrag. Wir sollen die aktuelle Debatte begleiten und unseren Senf dazu geben. Wir sind darauf geeicht, immer nach relevanten Themen zu gucken. Wir sitzen nebeneinander an unseren Computern und lesen im Internet.

Welche bevorzugten Adressen?

Lenz: Vor allem „Spiegel“, „Süddeutsche“, F.A.Z. und „Bild“. Und dann lesen wir und unterhalten uns, eigentlich ziemlich ernsthaft.

Greser: Und dann sagt einer einen Satz, und der andere sagt: Halt, warte mal, und führt den Gedanken fort oder gibt ihm eine andere Wendung. Womit dann oft schon der Witz das Licht der Welt entdeckt hat.

Gibt es bei Ihnen einen typischen Tagesablauf?

Lenz: Ja, schon. Der Tag beginnt mit dem Zeitungslesen, das ist etwas sehr Schönes. Dann treffen wir uns so gegen halb elf, lesen weiter am Computer und überlegen uns Themen. Durch die neue Technik, also den elektronischen Versand der Zeichnungen, hat sich unsere Arbeit sehr beschleunigt.

Wenn Ihnen innerhalb von gut drei Stunden - der Anruf der Redaktion kommt um elf, halb zwölf, die Zeichnung muss gegen 15 Uhr fertig sein - etwas Witziges einfallen soll, ist das positiver oder unangenehmer Stress?

Lenz: Sehr positiver. Es ist doch wunderbar, gedruckt zu werden. Wir sind inzwischen zeichnerisch so fix geworden, dass das hinhaut. Vor zehn Jahren hätten wir das noch nicht geschafft.

Wie viel Prozent ist Auftragsarbeit, wie viel entspringt Ihren eigenen Ideen?

Lenz: Es sind fast immer Arbeiten, die wir anbieten. Vielleicht einmal pro Woche wird eine Zeichnung von der F.A.Z. angefordert. Wir sind aber sowieso darauf programmiert, ständig nach Themen auszuschauen, die gerade relevant sind.

Wenn Sie Ihre Zeichnung abgeschickt haben, was passiert dann?

Lenz: Vorbereitung auf den Feierabend.

Greser: Ich bin hier in der Nachbarschaftskneipe ganz gut sozialisiert. Für mich ist das auch ein Déjà vu, es erinnert mich an meine Jahre in der heimischen Dorfkneipe mit Binnenschiffern und Bauarbeitern. Die Schiffer waren wochenlang auf dem Wasser gewesen, kamen für eine Woche heim und haben es krachen lassen.

Wie hat es Sie eigentlich nach Aschaffenburg verschlagen?

Lenz: Es war eigentlich eher Zufall, wir haben uns nach einem Haus umgeschaut und sind hier fündig geworden.

Greser: Aschaffenburg liegt zugleich zentral und dann wieder so merkwürdig abseits. Autobahn und Flughafen sind nicht weit, der ICE hält hier. Aber dennoch ist es irgendwie weit weg von der Metropole Frankfurt und zeigt viele liebenswürdige Eigenschaften. Hier gibt es zum Beispiel Metzgereien, die einem beim Eintritt mit einer Vertrauenswürdigkeit umfangen, die nicht gespielt sein kann: dicke Töchter, dicke Mütter, alles in Familienhand, pure Redlichkeit ausstrahlend - man könnte als Kunde vor Glück schier zerspringen.

Sie gehen hier in Aschaffenburg aber auch Ihrem Beruf nach. Wie sieht Ihr Geschäftsmodell aus?

Lenz: Wir werden beim „Stern“ pro Zeichnung bezahlt, bei der F.A.Z. gibt es eine Pauschale.

Ökonomisch betrachtet, sind Sie selbständige Unternehmer?

Greser: Ja, wir bilden eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts.

Und entrichten monatlich Umsatzsteuer?

Lenz: Genau. Wir haben in Frankfurt eine Dame, die sich um die Buchhaltung kümmert.

Wie halten Sie es mit Urlaub?

Lenz: Am Jahresende ist bei uns für zwei Wochen der Laden dicht, dann sind wir beide weg - wir arbeiten dann vor, machen Jahresrückblicke oder Inaktuelles. Sonst macht jeder immer höchstens mal eine Woche Urlaub, weil er dem anderen die Arbeit nicht länger allein aufbürden will.

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