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Im Gespräch: Apa Sherpa „Wir klettern nicht für uns“

08.04.2010 ·  Der nepalesische Rekord-Bergsteiger Apa Sherpa ist zum 20. Mal zum Gipfel des Mount Everest aufgebrochen. Dort will er die Asche des Erstbezwingers des Berges, Sir Edmund Hillary, verstreuen und zwischen Highcamp und Gipfel Müll wegräumen.

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Für Touristen ist der Aufsteig auf den Mount Everest ein Abenteuer, für den Sherpa sei es nur ein Job, sagt Apa Sherpa, der soeben zur zwanzigsten Besteigung des höchsten Berges der Welt aufgebrochen ist. Niklas Eder sprach vor dem Aufstieg mit dem nepalesischen Rekordhalter.

Apa Sherpa, zu Ihrer zwanzigsten Besteigung des höchsten Bergs der Welt werden Sie einen Teil der Asche des 2008 gestorbenen Erstbezwingers, Sir Edmund Hillary, auf den Gipfel tragen. Warum?

Das ist mir eine ungeheure Ehre. Edmund Hillary und sein Partner Tensing Norgay haben 1953 mit der Erstbesteigung des Everest den Grundstein für die Entwicklung in unserer Region gelegt. Nach ihnen kamen die Bergsteiger und die Wanderer und das Geld. Ohne sie gäbe es bei uns kein Krankenhaus und keine Schulen. Die Asche auf den Gipfel zu bringen ist das Wichtigste. Und dann möchte ich die Aufräumarbeiten zwischen dem Highcamp auf 8200 Metern und dem Gipfel fortsetzen. Letztes Jahr haben wir fünf Tonnen Müll runtergebracht, doch es gibt noch viel zu tun. Und ich werde die Flagge von Nepal auf dem Gipfel hissen, um Bergsteiger aus der ganzen Welt in unser Land einzuladen, zum „Nepali Year of Tourism 2011“.

Wie kam es, dass Sie zum Gipfelstürmer wurden?

Als ich zwölf war, starb mein Vater. Ich musste für meine jüngeren Geschwister und meine Mutter sorgen. Also verließ ich die Schule und begann, als Träger zu arbeiten. Ich habe Lasten den Berg hinaufgetragen, die schwerer waren als mein Körpergewicht, das war harte Arbeit. Dann wurde ich Küchenhilfe bei einer Expedition, später Bergführer, und schließlich stand ich ganz oben auf dem Everest.

Was unterscheidet auf 8000 Meter Höhe einen Sherpa von einem Bergsteiger-Touristen?

Der Tourist sucht das Abenteuer, für ihn ist es ein einmaliges, aufregendes Erlebnis. Für die Sherpas ist es ein Job. Sie gehen nicht zum Spaß hoch, nicht für sich selbst. Bevor die Touristen kamen, zum Trekking und zum Klettern, waren die Leute in den abgelegenen Dörfern sehr arm. Erst mit den Ausländern verbesserte sich ihr Einkommen und ihr Leben.

Sie leben in den Vereinigten Staaten. Warum?

Ich lebe dort, weil meine Kinder eine ausgezeichnete Ausbildung haben sollen. Ich konnte nur kurz zur Schule gehen, sie sollen es besser haben. Aber Nepal ist und bleibt meine Heimat. Ich komme jedes Jahr hierher, und wenn die Ausbildung meiner Kinder abgeschlossen ist, werde ich mich in Thame, meinem Heimatort, wo auch Tensing Norgay einen Teil seiner Kindheit verbrachte, zur Ruhe setzen.

Wie oft wollen Sie bis dahin noch auf den Everest klettern?

Es geht mir nicht um Rekorde. Ich will helfen, die Situation in meiner Heimat zu verbessern. Auch die Kinder in den abgelegensten Regionen sollen die Chance haben, zur Schule zu gehen. Durch meine Stiftung und das Klettern kann ich Werbung für unsere Region machen und dazu beitragen, ihnen diese Möglichkeit zu geben.

Die Fragen stellte Niklas Eder.

Quelle: F.A.Z.
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