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Huskyrennen in Alaska : Acht Tage, drei Stunden, 40 Minuten

Winterreise in Alaska: Die Musherin Katherine Keith erreicht den Checkpoint in Huslia. Bild: AP

Das Iditarod gilt als das härteste Hundeschlittenrennen der Welt. Seit Jahren dominiert Mitch Seavey mit seinen rasenden Vierbeinern die Strecke. Doch in diesem Jahr gelang ihm eine wahre Meisterleistung.

          „Old guys rule“ stand auf dem Plakat, mit dem Mitch Seavey im Ziel in Nome empfangen wurde: „Alte Kerle sind die Größten.“ Seavey selbst fühlte sich da freilich gar nicht angesprochen. „57 galt früher vielleicht mal als alt“, sagte der Amerikaner, „aber das ist es nicht mehr. Das wollte ich euch nur wissen lassen.“ Seavey hatte leicht reden: Er gewann am Dienstag das härteste Hundeschlittenrennen der Welt, das Iditarod, knapp 1600 Kilometer durchs winterliche Alaska – als ältester Sieger in 44 Jahren und in der Rekordzeit von acht Tagen, drei Stunden, 40 Minuten und 13 Sekunden.

          Bernd Steinle

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Mitch Seavey war damit fast acht Stunden schneller als der bisherige Rekordhalter. Der wurde diesmal Zweiter, heißt Dallas Seavey und ist sein Sohn. Der Dreißigjährige hatte das Rennen in den vergangenen drei Jahren gewonnen, 2015 und 2016 jeweils vor seinem Vater. Weil er auch 2012 schon der Schnellste war, hätte Dallas mit einem weiteren Erfolg der zweite „Musher“ werden können, der fünf Iditarod-Siege geschafft hat. Bis ihm sein Vater die Tour vermasselte.

          Die Seaveys dominieren das Hundeschlittenrennen seit Jahren. Man muss schon bis 2011 zurückgehen, um einen Iditarod-Sieger zu finden, der nicht Seavey heißt. Die Seavey-Saga beginnt mit Mitchs Vater Dan, der die Familie 1963 in den nördlichsten Bundesstaat der Vereinigten Staaten brachte. Er war Lehrer an der High School in Seward, im Süden Alaskas, und Mit-Initiator des ersten Iditarod-Rennens 1973. Dan landete damals auf Rang drei. Er brauchte 20 Tage und 14Stunden.

          Ein Leben für die Hunde

          Mitch Seavey war 1982 zum ersten Mal am Start. Danach zog er mit seiner Familie in den Bundesstaat Virginia, ans andere Ende der Vereinigten Staaten, wo er als Immobilienentwickler arbeitete. Als der Immobilienmarkt zusammenbrach, ging Seaveys Gesellschaft pleite, und die Familie zog zurück nach Alaska, zu Mitchs Eltern. In den frühen neunziger Jahren baute Mitch dort einen Hundeschlitten auf Rädern, mit dem die Familie fortan im Sommer Hundeschlittentouren für Alaska-Besucher anbot. Jahrelang arbeiteten sie die ganze Sommersaison durch, 110 Tage am Stück. Ein Leben mit den Hunden, für die Hunde. 1995 war Mitch dann erstmals wieder beim Iditarod dabei. Seither hat er kein Rennen verpasst.

          Im Kampf gegen das extreme Wetter: Mitch Seavey
          Im Kampf gegen das extreme Wetter: Mitch Seavey : Bild: AP

          Wer das Iditarod gewinnen will, sagt Seavey, müsse „sich laufend anpassen, Dinge verändern, besser werden. Wenn du stillsitzt, wirst du überrannt.“ Also versucht er mit seinem Sohn seit Jahren, jeden Faktor, der für das Rennen wichtig sein kann, zu perfektionieren – das Training der Hunde, ihre Betreuung, die Ernährung, das Teamwork des Gespanns. Beide haben inzwischen um die 100 Hunde und mehrere Hundeführer, mit denen sie zusammenarbeiten. Und beide behalten als Rivalen im Rennen gewisse Geheimnisse für sich, Familie hin oder her.

          Eine Frage der Erfahrung

          Wer das Iditarod gewinnen will, muss aber auch viel Erfahrung mitbringen – und den festen Willen, sich in widrigstem Wetter zu behaupten, in eisiger Kälte und zermürbenden Stürmen, trotz Schlafmangels, Erschöpfung und Übermüdung.

          Beim Iditarod 2017 schwankten die Temperaturen von knapp unter null bis minus 50 Grad in den ersten Tagen. Ausgangspunkt des Rennens war diesmal wegen Schneemangels die Stadt Fairbanks, fast 500 Kilometer nördlich des traditionellen Startpunkts in Willow. So führte der Kurs nicht wie sonst über die Alaska-Gebirgskette, sondern auf weiten Strecken über den zugefrorenen Yukon.

          „Das war wirklich spektakulär“

          Das ermöglichte es Mitch Seavey, die Geschwindigkeit lange hochzuhalten, mit einem Durchschnittstempo von bis zu 18 Kilometern pro Stunde. „Sie lieben die Geschwindigkeit“, sagte er über seine Hunde. „Ich glaube, es frustriert sie, langsam zu laufen. Also habe ich sie rennen lassen.“ Am Ende hatte Mitch Seavey fast drei Stunden Vorsprung auf seinen Sohn. Für den Sieg erhielt er 750.00 Dollar Prämie, einen neuen Truck und bewundernde Worte vom 79 Jahre alten Vater Dan: „Das war wirklich spektakulär.“

          Die Siegesserie der Seaveys könnte auch in den nächsten Jahren weitergehen. Mitch ist überzeugt, dass eine Zeit unter acht Tagen möglich ist. Und grundsätzlich haben Vater und Sohn schon deutlich gemacht, dass sie so lange weiter Hundeschlittenrennen fahren werden, bis sie einen anderen Zeitvertreib finden, der ihnen noch mehr Spaß macht. Bisher ist der allerdings nicht in Sicht.

          Quelle: F.A.Z.

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