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"Ich bin kein Witze-Erzähler"

 ·  Von A wie Anke Engelke bis Z wie Zoten: Komödiant und Schauspieler Bastian Pastewka buchstabiert seine Welt durch

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Anke Engelke: Eine starke, witzige, tolle Person, die mit wahnsinnig viel Talent gesegnet ist. Sie kann singen und tanzen, brilliert und überzeugt in allen Rollen. Anke ist mit Recht die größte deutsche Komikerin, eine hochmoralische Frau, die zugleich das Leben nicht so ernst nimmt. Es die größte Freude, mit ihr eine Show zu machen.

Bonn: Geboren bin ich zwar in B wie Bochum, aber als ich vier Monate alt war, zogen meine Eltern mit mir nach Bonn. Ich habe 29 Jahre in dieser Stadt verbracht und liebe sie immer noch. Einen Tag nach dem Beschluss, dass Bonn nicht mehr Hauptstadt ist, musste ich unseren Abi-Ball moderieren. Da habe ich erstmals erlebt, wie es ist, vor absolut ausdruckslosem Publikum zu stehen. Ganz Bonn dachte damals, es wird nicht weitergehen. Aber Bonn ist super, und es ist weitergegangen.

Castingshows: Ich verfange mich immer in dieser rätselhaften Topmodel-Sendung bei Pro Sieben, sitze staunend davor und denke: Ich möchte denen helfen. Keine andere Sendung schafft es, so gekonnt dem Publikum die Zeit zu stehlen. Man weiß doch vorher: Es schaffen ohnehin nur die drei Hübschen den Weg ins Finale, warum muss ich mir noch 16 Rauswurfshows angucken?

Doppelkinn: Ja, existiert. Habe ich von zwei Richtungen familiär mitbekommen. Ich habe mal in einer Sitcom als Gast einen Fotografen gespielt, der in einer Szene mit dem Text "Er hat dunkle Haare, leichten Bauchansatz und Wackelkinn" beschrieben wurde. Ich sagte: Das heißt doch Doppelkinn. Die Produzentin sagte: Das ist zu persönlich. Ich wiederum: Aber es geht doch um meine Person. Na, wenn Sie meinen, hieß es dann. Und was haben sie gesendet? Wackelkinn! Nicht zu fassen! Wenn wir bei "Pastewka" so brav denken würden! Wie oft nennen wir unseren famosen Dauergast Hugo Egon Balder "Hühnerhugo" oder "den alten, faltigen Freund". Und er sagt: Jawohl, genauso!

Einzelkind: Bin ich, aber ich weiß nicht, was man daraus ableiten kann. Ich bin absolut teamfähig, sicher ein bisschen verschroben, aber das können auch Geschwister sein. Ich hatte immer sehr viele Freunde, und meine Eltern waren immer spitze zu mir.

Fastfood: Großes Problem meiner Teenagerzeit. Nachmittags regelmäßig bei McDonald's Hausaufgaben gemacht und bis heute rückfällig. Die Barbecue-Sauce gewinnt leider immer, und den Chicken McNuggets bleibe ich ein Leben lang treu. Der Fischmac, dem ich eine Zeit lang verfallen war, hat in den Neunzigern die Sauce gewechselt, seitdem kann ich ihn nicht mehr essen. Werbung würde ich für die aber nie machen, dafür habe ich schon zu sehr unter ihnen gelitten.

Grimme-Preis: Immer wenn ich erfahre, wer wieder alles nominiert ist, verstehe ich weder das System der Kategorien noch der Kriterien. Aber egal: Mich als Fernseh-Junkie überraschen die Juroren ständig, weil ich sehe, was ich übers Jahr alles Tolles verpasst habe. Mein Grimme-Preis - mit Anke Engelke - wurde uns an meinem Geburtstag verliehen. Aus Freude darüber haben wir dann eine ganze "Pastewka"-Episode daraus gemacht.

Harald Schmidt: Ich habe von Beginn an keine seiner Sendungen verpasst. Super, wie er "Verstehen Sie Spaß?" in Grund und Boden moderiert hat. Eine Show begann er mit dem Gag: "Endlich gibt's Frauenparkplätze. Früher musste ich als Vergewaltiger im Parkhaus immer ewig rumsuchen." Und das in einer Samstagabendshow! Zusammen mit Hape Kerkeling ist er für mich der Größte und demnächst wieder bei Sat.1, was mich sehr freut.

Improvisation: Kann ich gar nicht. Ich liebe es, vorbereitet zu sein.

Jaud, Tommy: Einer der ersten Autoren bei der "Wochenshow", der sie mit seinem Humor, guter Figurenführung und richtigen Pointen ausgestattet hat. Tommy bin ich - neben vielen anderen - für Brisko Schneider, Ottmar Zittlau, den "Rosen-Inder" und viele andere Figuren ewig dankbar. Mit seinen Sketch-Ideen hat er meine Karriere angeschoben.

Kritik: Ich lese alle Kritiken über mich und kann die schlechten nicht annehmen. Dann bin ich beleidigt, enttäuscht, genervt und will am liebsten zurück-schreiben und mich beschweren.

Lügen: Jeder Mensch lügt. "Pastewka", die Serie, besteht daraus, dass jemand die Wahrheit so weit verbiegt, dass er am Schluss von ihr am Hinterkopf getroffen wird. Notlügen? Klar! Täglich viele. So verinnerlicht, dass man's schon gar nicht mehr merkt.

MDR: Ein Quell der Freude. Mein neues Lieblingspaar ist Celeste Rose Mackeprang und Carsten Rietschel, zwei Tänzer, die einmal im Monat freitags den "Schlager-Boulevard" moderieren. Ich habe jede Folge gesehen, auch weil wir Stoff für unsere Frühlingsshow brauchten. Es gab auch mal "Wo ist Lippi?" Da hat man Wolfgang Lippert im MDR-Sendegebiet ausgesetzt, und er musste raten, wo er sich befindet. Das ist ganz naives Heimatfernsehen, das ringt mir, ganz häme- und ironiefrei, Respekt ab. Nirgends wird so sorglos mit Unzulänglichkeiten von Moderatoren, Gästen und Passanten umgegangen. Manchmal denke ich: Wie schön, dass Sachsens Senioren so einen Sender haben und nicht wie in meiner Heimat NRW aus Einsamkeit bei QVC Puppen bestellen.

Niemals: Ich gehe nie gerne auf Partys, Rockkonzerte oder zum Karneval, wo viele Menschen laut und betrunken umherstolpern. Das ist überhaupt nichts für mich.

Originell: War früher das Kinderfernsehen. Dabei waren die "Muppet-Show", "Pat und Patachon", "Tom und Jerry" ja einst Sendungen für Erwachsene, aber eben auch für Kinder geeignet. Ich habe nicht immer alles verstanden, aber es war intelligent und humorig. Heute laufen tagsüber auf allen Sendern Zoo-Dokus, Soaps, Richter-Shows. Davon geht nichts aus. Kinder finden da nichts mehr. Die holen sich ihre Sendungen aus dem Netz.

Privatfernsehen: Himmel und Hölle zugleich. Momentan ist das Geld knapp, wie bei den Öffentlich-Rechtlichen auch. In der Unterhaltung gibt es kaum noch Unterschiede. Ich wünschte mir aber, dass die Öffentlich-Rechtlichen etwas mehr Chuzpe hätten. Die machen zu sehr auf Nummer Sicher. Der einzige Comedy-Sendeplatz der ARD ist montags 0.20 Uhr nach Beckmann, früher dürfen "Dittsche" oder Kurt Krömer nicht ran.

Quote: Wahnsinnig interessant. Ich will immer flott wissen, wie meine und andere Sendungen abschneiden. Ich weiß aber auch, wie tückisch die Quote ist und wie viel in diese Zahlen hineininterpretiert wird. Dabei entsteht aus der Quote allein gar nichts. Die Macher, die nur auf die Zahlen gucken, aber nicht mal mehr ihre eigene Sendung, tragen dazu bei, dass unser Fernsehen so beliebig bleibt.

Religion: Ich bin mit 14 Jahren getauft und konfirmiert worden - evangelisch. Ich habe gerne am Religionsunterricht teilgenommen, aber mit zwanzig gemerkt: Es ist vorbei. Wiedereintritt zu hundert Prozent ausgeschlossen.

Sport: Mein Albtraumfach. Ich habe in der Schule alles getan, um Sport zu vermeiden, habe gelogen und Verletzungen vorgetäuscht. Ich hasste, wie alle einem Ball hinterherrannten, es ging immer nur um gute Zeiten und Scheiß-Urkunden, das war alles eine Riesen-Ego-Kacke. Bundesliga? Keine Ahnung! Ich weiß nichts. Sport war auch immer eine lästige Unterbrechung des Fernsehprogramms. Ich bin als Kind ausgeflippt, wenn im Sommer drei Folgen "Wickie" ausfielen, weil eine WM lief oder Olympia.

TV-Zeitschriften: Großes Thema bei mir! Ich habe eine vierzehntägige TV-Zeitschrift und eine weitere mit Radioprogramm. Das Fernsehen wird sich erst in zwanzig Jahren verabschieden, das Radio ist schon heute so gut wie weg, und ich finde, wir müssen es retten. Ich streiche mir tolle Radiosendungen an, markiere TV-Sendungen und programmiere mein Festplattengerät. Da kann ich die Werbung rausschneiden und mir am Wochenende komplette Staffeln ansehen, die ich zwei Monate aufgenommen habe.

Unterschichtenfernsehen: Eine großartige Provokation von Harald Schmidt nach seinem Wechsel ins Erste. Es bezog sich auf seinen alten Arbeitgeber Sat.1 und hat bestätigt, dass sehr viele Fernsehmacher mit ihm immer noch nichts anfangen können. Die haben danach tatsächlich Umfragen gemacht und stolz verkündet, welche Schicht welches Programm guckt. Irre, wie nach so einem Scherz ganze Sender die Fassung verloren. Volltreffer! Herrlich! Phantastisch!

Vorbilder: Hape Kerkeling, Monty Python, Paul Merton, Jerry Seinfeld, Hugh Laurie & Steven Fry, Rowan Atkinson, Smith & Jones, Heinz Erhardt, Loriot, Matthias Matschke.

Wetten, dass . .?: Kindheitserinnerung. Vor allem die berühmte Tee-Wette mit dem Mann, der keine einzige Sorte erriet und es dann aufs falsche Wasser schob. Ich bin immer sehr auf Gottschalks Seite, und es tut mir in der Seele weh, dass er sich, wie kürzlich bei der Grimme-Preisverleihung, dafür rechtfertigen musste, Unterhalter zu sein. Das sagt viel über die Lust der Deutschen, ihre Helden fallen zu sehen.

Xte Wiederholung im Fernsehen: Ich finde nicht, dass zu viel wiederholt wird. Eine tolle Serie wie "Kommissarin Lund" hätte das ZDF ruhig zweimal senden können. Aber: Wo ist die "Muppetshow"? Warum kriege ich die nur noch auf DVD? Wo sind die frühen Laurel- und Hardy-Filme?

Youtube: Für mich ein Genuss, weil ich dort soviel wiederentdecke. Spröde Bayern-3-Ansagen aus den Siebzigern und Achtzigern. Frühe Gameshows von RTL. Werden da alle konserviert. Aber ich habe auch gemerkt: Ich bin mit dem vergangenen Fernsehen durch. Ich will wissen, was heute los ist. Und es gibt so viel Gutes. Serien wie "Mad Men", "Boardwalk Empire" oder "Dexter". Gucke ich alles lieber im TV, im Netz braucht die Hochladerei zu lange.

Zoten: Als "Wolfgang" bin ich der Zoten-König, und das fällt mir echt schwer. Diese krachledernen, altbackenen, zugestaubten, bajuwarischen Männer-Scherze, die Wolfgang gegenüber seiner Anneliese macht, sind so peinlich, dass ich immer wieder staune, wie sehr das Publikum darüber lacht. Vielleicht fragen sie sich, ob der Pastewka die nicht insgeheim doch lustig findet. Dabei bin ich kein Witze-Erzähler. Wenn einer anfängt: "Hey, drei Nonnen in einem Eisenbahnabteil . . .", steige ich schon aus.

Die Stichworte lieferte Stefan Locke.

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