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Veröffentlicht: 12.01.2012, 19:16 Uhr

Hundenamen Bello und Hasso sterben aus

Rex war einmal. Der Hundebesitzer von heute will zeigen: Er ist Kosmopolit. Die Tiere hören auf Namen wie Benny und Jim Beam - und wehe, Nachbars Hund heißt auch so.

von Anne Hähnig
© dapd Gestatten: Bo, der Hund der amerikanischen Präsidentenfamilie

Camilla hat ein großes Gebiss, und „schön knochenstark“ ist sie noch dazu, meint ihre Halterin. Als sie die Hündin das erste Mal sah, musste sie an die Frau von Prinz Charles denken. Also nannte sie das Tier Camilla. Und damit liegt sie voll im Trend, wie Eva Schaab von der Universität Mainz festgestellt hat: „Der Trend geht zu Menschennamen.“ Hunde hören heute, wenn sie denn hören, kaum mehr auf Namen wie Bello, Hasso, Harras oder Flocki. Eher auf Charly, Scarlett oder eben Camilla.

President Obama goes shopping in Alexandria, Virginia Bo ist unter anderem nach dem Sänger Bo Diddley benannt, der den gleichen Spitznamen trug wie Michelle Obamas Großvater © dpa Bilderstrecke 

Wenn es stimmt, dass Namen Zeichen sind und - nomen est omen - etwas bedeuten, dann heißt das für den deutschen Hund: Er wird immer individueller und kreativer, er wird weltgewandt, anglophil geradezu und ist überdies dem Alkohol nicht abgeneigt. Freilich hat er das nur seinem Halter zu verdanken, denn das Tier selbst darf heute zu seinem Rufnamen so gut wie nichts mehr beitragen. Vor 100 Jahren hießen Hunde ob ihres Äußeren manchmal noch „Krummbein“. Andere sagten mit ihren Namen etwas über ihre Funktion oder ihre Fähigkeiten aus: „Greifan“ oder „Putzenweg“ oder „Taugenichts“. Heute hingegen lassen nur noch wenige Namen auf Äußerlichkeiten schließen - und wenn, dann nur verschlüsselt oder zumindest nicht in deutscher Sprache. Schwarze Tiere heißen kaum mehr Nero, sondern allenfalls „Blacky“.

Benny und Sally am beliebtesten

Für ihre Magisterarbeit im Fach Onomastik - also Namenkunde - hat Eva Schaab Hundenamenlisten von 1907 und 1916 ausgewertet und zusätzlich 1000 Hundebesitzer gefragt, wie ihr Haustier heißt und vor allem warum es so heißt. Demnach sind Ben (Benny) und Sam (Sammy) die derzeit beliebtesten Namen für Rüden. Hündinnen werden mit Vorliebe Gina genannt. Neben den englischen Namen inspirieren auch Städte im Ausland deutsche Tierbesitzer: Boston oder Sydney zum Beispiel.

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Der Hundebesitzer von heute will zeigen: Er ist Kosmopolit. Vor 100 Jahren war er noch Patriot. Da hörten Hunde nicht auf große australische Städte, sondern auf gute deutsche Flussnamen wie Donau. Damals war es allenfalls die französische Sprache, in der Besitzer ihre Tiere ansprachen. Heute sind sogar lateinische Namen beliebter. Eine Ausnahme ist Ursula von der Leyen. Sie nennt ihren Hund Milou - was auf französisch schlicht Struppi heißt.

Spiegel der Persönlichkeit

“Insgesamt fiel auf, dass kaum ein Hundename doppelt vorkam“, sagt Eva Schaab. Mehr als die Hälfte, also 538 der insgesamt 1000 Hundenamen, wurden nur einmal vergeben. „Es kommt mir so vor, als solle der Hund ein Spiegel der eigenen Persönlichkeit sein“, sagt die 26 Jahre alte Wissenschaftlerin aus Mainz. „Der Mensch will zeigen, wie lustig oder einfallsreich er ist.“

Einige Hundehalter nennen ihr Tier so, wie ihr Kind nicht heißen darf. Schließlich ist es in Deutschland nicht erlaubt, seinem Kind zum Beispiel Produktnamen zu geben. Hundehalter aber müssen sich keinen Regeln unterwerfen. Mit Vorliebe benennen sie ihr Tier daher auch nach alkoholischen Getränken: Jim Beam oder Brandy, Asti oder Calvados. Andere Tierbesitzer ergreifen die einmalige Chance, ihrem Hund den Namen zu geben, den sie ihrem Kind nicht geben konnten. Eine Befragte gab an, dass sie ihre Tochter gern Sina genannt hätte. Zur Welt brachte sie einen Jungen. Nun hört zwar kein Mädchen, wohl aber ihre Hündin auf den Namen. Eine andere Frau erklärte, dass ihr Sohn Merlin heißen sollte. Aber ein Junge namens Merlin, der würde in der Schule bestimmt verprügelt, zu märchenhaft klinge der Name leider. Nun also muss ihr Hund herhalten und vor allem: herhören, wenn nach Merlin gerufen wird.

Einzigartig muss der Name sein

Die wichtigste Regel für Hundebesitzer scheint zu sein: Der Name darf keinesfalls im Freundeskreis schon einmal vergeben sein. „Vielfalt und Einzigartigkeit wird bei der Namensvergabe immer wichtiger“, sagt Damaris Nübling, Professorin für Onomastik in Mainz und Mentorin von Eva Schaab. Einer ihrer Studienteilnehmer hätte seinen Rüden gern Josef genannt. Dann aber geschah, was alle Namensträume jäh zerstörte: Freunde schafften sich vor ihm einen Hund an und nannten ihn Josef. Das Wunschtier also musste einen anderen Namen bekommen. Es heißt nun Max, wird aber „englisch ausgesprochen“, wie die Besitzer auf dem Fragebogen erklären.

Klassische Hundenamen sind vom Aussterben bedroht. Bello oder Hasso erscheinen gar nicht in Schaabs Liste. Rex nannten immerhin noch drei der 1000 Befragten ihren Hund - kein einziger von ihnen war ein Schäferhund. Auch der berühmte Rex aus der Sat.1-Serie heißt in Wirklichkeit anders: Zuletzt stellte ein Tier namens Henry Rex dar. „Meine Studie deutet darauf hin, dass der Hund zunehmend vermenschlicht wird und für die Halter eine immer größere Bedeutung hat“, sagt Eva Schaab. Ihre Hunde lassen sich die Deutschen auch einiges kosten. 2010 gaben sie für Hundenahrung 1,1 Milliarden Euro aus, etwa ein Drittel davon entfiel nur auf „Snacks“.

„Sonnenschein“ heißt der Kampfhund im Tierheim“

Bei so viel Tierliebe passt es nicht ins Bild, dass die deutschen Tierheime regelmäßig voll besetzt sind. Allein im Berliner Heim sind 340 Hunde untergebracht. Schwierig zu vermitteln sind vor allem die sogenannten Listenhunde, gern auch als Kampfhunde bezeichnet. Wer so einen aufnehmen möchte, braucht ein polizeiliches Führungszeugnis, eine Einverständniserklärung des Vermieters und noch ein paar weitere Unterlagen. Dass es sich bei den Tieren dennoch nicht um kampferprobte Bestien handelt, sollen deren Namen widerspiegeln. Scarletta heißt da eine Hündin, eine andere Celine und nicht zuletzt Sandra: 48 Zentimeter hoch, eine „lebhafte und lustige“ Stafford-Mix-Dame. Sandra bedeutet so viel wie „die Männerabwehrende, die Beschützerin“. Oder auch, abgeleitet von Sandrina: „der Sonnenschein“.

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