14.03.2002 · Außerhalb der Erdatmospähre hat man klare Sicht auf die Phänomene im Weltall. Das Hubble-Teleskop erfüllte einen lang gehegten Traum der Astronomen.
Das Hubble-Weltraum-Teleskop (HST) ist das bisher größte optische und Ultraviolett-Observatorium im Weltraum. Der entscheidende Vorteil des Teleskops ist, dass man mit ihm Beobachtungen außerhalb des Erdatmosphäre durchführen kann, da es sich mit einer Umlaufbahn in Höhe von mehr als 500 Kilometern außerhalb des Einflusses der Erdatmosphäre befindet. Mit diesem Abstand zur Oberfläche unseres Planeten ist es derzeit der am weitesten entfernte künstliche Satellit der Erde. Wartungsmissionen werden dadurch besonders aufwendig und komplex, wenngleich durch den modularen Aufbau des Observatoriums einzelne Bestandteile im Falle eines Defekts einfach ausgetauscht werden können.
Da die Atmosphäre das rund zwei Milliarden Dollar teure HST bei seinen Observationen nicht beeinträchtigen kann, ist das Teleskop in der Lage Himmelsbeobachtungen mit zuvor unerreichter Empfindlichkeit und Genauigkeit durchzuführen. Es kann mindestens 50-mal lichtschwächere Himmelsobjekte erkennen als dies selbst mit den leistungsfähigsten Observatorien auf der Erde möglich wäre. Dementsprechend machte das gut 13 Meter lange und mehr als zwölf Tonnen schwere Observatorium Beobachtungen von bisher nie gesehenen Objekten. Hubble blickt so tief ins Universum wie noch kein irdisches Gerät zuvor und hat auf diese Weise neue Erkenntnisse über das Alter des Universums, die Galaxien und Sterne geliefert. Blicke in weit entfernte Regionen des Alls sind immer auch Blicke in die Vergangenheit, denn die Distanzen sind so enorm, dass das Licht zahlreiche Lichtjahre braucht, um uns zu erreichen. Dementsprechend sind viele der Darstellungen auf den Hubble-Fotos ebenso bereits Vergangenheit wie viele der Sterne, die wir am Nachthimmel sehen können.
Die Natur des Universums erkennen
Die regelmäßige Beobachtung in unseres Sonnensystems ist nur ein erfreulich Nebeneffekt der Existenz Hubbles. Auf diese Weise konnte die astronomische Sensation des Einschlags des Kometen Shoemaker-Levy auf Jupiter 1994 detailliert dokumentiert werden. Hauptaufgabe des HST ist jedoch nach wie vor die Erforschung unserer Galaxie, der Milchstraße, von Struktur und Aufbau anderer Galaxien und der Ausdehnung des gesamten Universums. Als wichtigste und spannendste Aufgabe sehen viele Forscher jedoch, den Versuch, Größe und Natur des gesamten Universums zu ermitteln. Damit wagt man sich an die Beantwortung der grundlegenden Fragen nach dessen Größe, Alter und Bestand.
Im Verlauf eines Jahres kann das HST praktisch den gesamten Himmel durchmessen. Allerdings bleiben Objekte, die sich in einem Winkel von weniger als 50 Grad von der Sonne befinden für das Observatorium unsichtbar, da sonst die empfindlichen wissenschaftlichen Instrumente durch die Sonnenstrahlung gefährdet wären. Aus demselben Grund kann das Teleskop auch Objekte, die zu nah an Erde und Mond sind, nicht beobachten. Zuverlässige Beobachtungen sind zudem oberhalb der Südpazifischen Anomalie nicht möglich. Über einem bestimmten Gebiet im Südatlantik werden energiereiche Partikel vom Magnetfeld der Erde eingefangen. Die elektronische Ausrüstung des HAST wird dadurch gestört. Die Zeit für den Überflug dieser Region kann aber benutzt, um Hubble auf neue Ziele auszurichten.
Europäische Koordination in Garching
Für die wissenschaftliche Betreuung des HST wurde eigens ein Institut eingerichtet, das Space Telescope Sciene Institute (STSI) in Baltimore. Die Service-Einrichtung für die beteiligten europäischen Astronomen - das HST wird zu 15 Prozent von der Esa mitgetragen - heißt Space Telescope European Coordination Facility (ST-ECF) und ist beim European Southern Observatory Eso (Eso) in Garching bei München angesiedelt.