Christan Reichert ist Vorstandsmitglied des Hamburger SV. Der 43 Jahre alte Fußballfunktionär ist zuständig für die Belange der Mitglieder des Vereins. Im Interview mit der F.A.Z. spricht er über den vereinseigenen Friedhof.
Herr Reichert, ein wahrer Fußball-Fan bleibt seinem Verein treu bis in den Tod. Anhänger des Hamburger SV können bald sogar darüber hinaus ihre Treue zeigen - und auf einem HSV-Friedhof beerdigt werden. Gab es schon Anfragen?
Ja, fünfzehn Mitglieder haben bereits Interesse bekundet. Die wollen dabei sein. Das ist erstaunlich, schließlich haben wir noch gar keine Preise veröffentlicht. Der erste Spatenstich wird am 16. September sein. Eröffnet wird der Friedhof erst in etwa einem Jahr.
Die Bindung an den Verein ist ja manchmal stärker als die an die Familie. Was sind das für Menschen, die ein solches Grab wollen?
Es sind glühende Fans des Vereins, das ist klar. Der jüngste von ihnen ist gerade einmal 27, der älteste 85 Jahre alt. Auch ein prominenter HSVer hat schon mal angefragt, aber der will seinen Namen nicht in der Öffentlichkeit lesen.
Wer ist denn eigentlich auf die Idee mit so einem Friedhof gekommen?
Vor zwei Jahren hat uns die Friedhofsgärtnereigenossenschaft angesprochen. Auf dem Friedhof Altona wurde eine Fläche frei, die Platz für etwa 300 bis 500 Gräber bietet. Die sind nur durch zwei Zäune, eine Straße, einen Gehweg und vielleicht zwanzig Meter vom Stadion getrennt. Bei der Beerdigung wird man die Westtribüne sehen können.
Und wie sieht dann eine Beerdigung aus?
Da gibt es verschiedene Varianten. Denkbar ist eine Bestattung auf dem vereinseigenen Friedhof in einem Eichensarg, den die HSV-Raute ziert, und die Kapelle spielt dazu einen Song des Vereins. Da hat jeder die Wahl. Wir haben drei Lizenzverträge mit Bestattern geschlossen, so dass man auch in Frankfurt und anderen Teilen der Republik einen solchen Dienst in Anspruch nehmen kann.
Verdient der Verein Geld mit der Bestattung seiner Mitglieder?
Nein, wir verdienen daran keinen einzigen Cent. Wir sind lediglich der Vermittler für einen Grabplatz. Die Kosten orientieren sich an der allgemeinen Friedhofsgebühr.
Haben schon andere Vereine aus der Bundesliga bei Ihnen nachgefragt, wie man das macht mit so einem Friedhof?
Es hat noch niemand angerufen. Wahrscheinlich wollen die erst mal abwarten, wie sich das Thema entwickelt. Eine gewisse Brisanz hat es ja doch, schon weil es neu ist. Die Boca Juniors in Argentinien haben so ein Projekt auch schon begonnen. Aber in Südamerika sind die Fans ja auch noch ein wenig fanatischer als hierzulande.
Darf ich fragen, wie es mit Ihrer persönlichen Beteiligung an der Friedhofsaktion aussieht?
Bis jetzt habe ich mir noch keine Gedanken darüber gemacht. Man muss sehen, wie es aussieht, wenn es fertig ist. Aber ich werde mit meiner Frau darüber sprechen. Sie muss mich schon zu Lebzeiten mit dem Verein teilen. Es ist die Frage, ob sie das auch danach noch möchte.