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Veröffentlicht: 06.03.2013, 16:06 Uhr

„Hotel des Schreckens“ Tot im Wassertank

Das Hotel Cecil in Los Angeles ist in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder mit mysteriösen Kriminalfällen in Verbindung gebracht worden. Nun gibt der Tod einer kanadischen Studentin Rätsel auf.

von Christiane Heil, Los Angeles
© REUTERS Wie kam das Opfer hinein? Feuerwehrleute untersuchen die Tanks auf dem Dach.

Der Sicherheitsposten in der Lobby wirkt ebenso wenig einladend wie die Concierge, die jeden Besucher des Cecil mit misstrauischem Blick empfängt. Seit vor drei Wochen der Leichnam der kanadischen Studentin Elisa Lam in einem Wassertank auf dem Dach des Hotels in der heruntergekommenen Innenstadt von Los Angeles gefunden wurde, scheint die Geschichte den Klinkerbau aus dem Jahr 1927 eingeholt zu haben. „Die Polizei nimmt jeden unter die Lupe. Das Cecil wird geradezu belagert“, sagt die Historikerin Kim Cooper, die das Haus schon seit Jahren zu den „Hotels des Schreckens“ zählt.

Während Polizei und Rechtsmedizin zu Lams rätselhaftem Tod ermitteln, sprießen die Theorien über die letzten Minuten der Einundzwanzigjährigen üppiger als die rosa Kirschblüten vor dem Hotel. Ein Überwachungsvideo des Hotels, das vom Los Angeles Police Department veröffentlicht wurde, nährt Spekulationen, Lam sei in den letzten Lebenstagen verfolgt worden. Die Aufnahme zeigt, wie die Studentin in einem Aufzug des Cecil wahllos Knöpfe drückt und sich in einer Ecke versteckt, nachdem sie mit jemandem auf dem Hotelflur Worte wechselte.

Lams Leichnam wurde zwei Wochen später in einem Wassertank auf dem Hoteldach entdeckt, das nur mit einem Spezialschlüssel durch alarmgesicherte Türen zu erreichen ist. Zudem war das Reservoir mit einem Metalldeckel verschlossen, der von der schmächtigen Studentin vermutlich nicht zu heben war. Da der Unbekannte vor dem Fahrstuhl auf dem Video aber nicht zu erkennen ist und die gebürtige Chinesin ungewöhnlich aufgekratzt wirkt, wird auch ein Suizid nach Halluzinationen nicht ausgeschlossen.

23491642 © AP/dpa Vergrößern Ein Überwachungsvideo zeigt vermutlich die kanadische Studentin am 31. Januar 2013 im „Cecil“. Knapp drei Wochen später wird sie tot in einem Wassertank auf dem Hoteldach gefunden.

„Die Bestie vom Wienerwald“ zu Gast im Cecil

Schon in den vergangenen Jahrzehnten wurde das Hotel Cecil immer wieder mit mysteriösen Verbrechen, Suiziden und Serienmördern in Verbindung gebracht. Wie die kalifornische Historikerin Cooper bei Recherchen in Zeitungsarchiven entdeckte, stieg dort im Jahr 1991 der österreichische Frauenmörder Johann Josef Unterweger ab. Unterweger, wahlweise „Jack“ oder „Die Bestie vom Wienerwald“ genannt, war nach Los Angeles gereist, um eine Reportage über das Rotlichtmilieu der Stadt zu schreiben.

Im Jahr zuvor war der Sohn einer österreichischen Prostituierten und eines amerikanischen Soldaten mit Unterstützung vieler Prominenter wie Günter Grass, Elfriede Jelinek und Milo Dor schon nach 15 Jahren aus der Strafanstalt Stein entlassen worden, obwohl er für den Mord an der 18 Jahre alten Margaret Schäfer aus dem hessischen Dillenburg zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt war. Als vermeintliches Musterbeispiel einer gelungen Resozialisierung tötete er dann sieben Prostituierte in Prag, Wien, Bregenz und Graz, bevor er nach Los Angeles flog. Im Hotel Cecil erdrosselte er drei Frauen.

„Das Cecil war damals ein sehr günstiges Hotel in einer sehr schlechten Gegend. Es zog Menschen wie Unterweger fast magisch an“, sagt Cooper. Ob der bekannteste Serientäter Österreichs bei der Hotelwahl dem amerikanischen Mörder Richard Ramirez nacheiferte, bleibt dagegen ein Rätsel. Ramirez, der nach 13 Morden und elf Vergewaltigungen in Kalifornien auf die Hinrichtung wartet, ließ die Bewohner des Bezirks Los Angeles in den Jahren 1984 bis 1985 nachts die Türen doppelt verschließen. Während der „Night Stalker“ auf dem heruntergekommenen 14. Stockwerk des Cecil hauste, brach er regelmäßig zu Überfällen auf. Sein Opfer Maxine Zazzarra verstümmelte er mit einem Messer, bevor er die Vierundvierzigjährige neben ihrem Ehemann Vincent erschoss.

„Horror Hotels“ gehören zur Heimatkunde

Zwei Monate später schlug Ramirez mit einem Hammer auf Malvial Keller ein, als die Vergewaltigung der 83 Jahre alten Frau misslang. Wiederholt war das Zwei-Sterne-Hotel auch wegen spektakulärer Suizide in den Schlagzeilen. Nach einem Streit mit ihrem Ehemann sprang im Oktober 1962 die 27 Jahre alte Pauline Otton aus dem neunten Stock und erschlug auf dem Gehweg einen Spaziergänger. Zwei Jahre später ermittelte die Polizei ein weiteres Mal an der Main Street, als der entstellte Leichnam der Rentnerin Goldie Osgood in einem durchwühlten Zimmer entdeckt wurde. Osgoods ungeklärter Mord beschäftigt die Bewohner der Stadt bis heute.

Die Geschichte der Stadt Los Angeles ist eng mit Hotels wie dem Cecil verbunden. „Ramirez und Osgood gehören ebenso zu den urbanen Mythen wie O. J. Simpson und Charles Manson“, sagt Cooper. Touristen buchen die Bustour „Horror Hotels“, die die 46 Jahre alte Kriminalbloggerin seit einigen Jahren anbietet, jedoch eher selten. „Für die Los Angelenos gehört die Exkursion zur Heimatkunde. Besucher zieht es dagegen häufiger nach Hollywood oder an den Strand.“

Der Grund für Lams Reise, die nach dem Aufenthalt im Hotel Cecil in einem Kühlfach endete, gibt derweil Rätsel auf. Die Kanadierin soll die Tage vor ihrem Tod allein verbracht haben. Nach der Obduktion ihres Leichnams berichtete Ed Winter, der stellvertretende Leiter der Gerichtsmedizin des Bezirks Los Angeles, keine Schussverletzungen oder Messerstiche gefunden zu haben. Für die nächsten Wochen kündigte Winter ein toxikologisches Gutachten an, das den Tod der Studentin klären soll.

Quelle: F.A.Z.

 

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