31.10.2004 · Aus dichten Nebelschwaden tauchen Geister auf, Skelette schweben an Drähten durch die Luft: An Halloween werden viele Häuser zum Grusel-Kabinett. Mit Spezialeffekten wie aus einem Horrorfilm rauben sie den Anwohnern den letzten Nerv.
Heather Losee ist auf den Ansturm von Hexen, Vampiren und Geistern bestens vorbereitet. Über 1200 Kinder wagten sich im vergangenen Jahr an Halloween an Särgen mit Knochen und Eingeweiden vorbei die Treppe zu ihrem Haus in San Francisco hoch. Als „Belohnung“ wartete dort ein gruselig ausgestopftes Monster, das mit blutigen Händen Süßigkeiten verteilte.
Die 56 Jahre alte Krankenschwester hat schon für 75 Dollar säckeweise Bonbons gekauft. Die Knochen und Gedärme für die Horror-Dekoration werden morgens an Halloween vom Metzger frisch besorgt. Dann wird auch die Nachbarschaft für den Verkehr abgesperrt und von Geisterhand verzaubert. Fast jedes Haus entlang der steilen Belvedere-Straße in dem viktorianischen Wohnviertel wird in der Dämmerung des 31. Oktober zum „Haunted House“.
Spezialeffekte wie aus einem Horrorfilm
„Sogar Erwachsene springen vor Schreck in die Luft“, freut sich Boyd Charette mit einem hämischen Grinsen. Seit mehr als zehn Jahren verwandelt der Elektroingenieur seine Garage in einen computergesteuerten Grusel-Friedhof mit Spezialeffekten wie aus einem Horrorfilm. Aus dichten Nebelschwaden tauchen Geister auf, Skelette schweben an Drähten durch die Luft und schrille, klassische Musik raubt den letzten Nerv. Nach jahrelanger Tüftelarbeit bastele er die Show jetzt in einem Tag zusammen, erklärt der Halloween-Fan. Die langen Schlangen schreiender Zuschauer, die geduldig für das Horror-Schauspiel anstehen, machten die Arbeit jedes Mal wett.
Nach Angaben des Einzelhandelsverbandes werden die Amerikaner in diesem Jahr mehr als 3 Milliarden Dollar (2,4 Milliarden Euro) für den Gruselfeiertag ausgeben. Der Schnitt liegt bei 43 Dollar für Kostüme, Süßigkeiten und Dekoration. Der Kent-Familie in San Francisco ist ihr Geisterhaus mindestens 300 Dollar wert.
Garage wird zu dunklem Labyrinth
Seit drei Wochen hecken die Eltern mit ihren zehn und sieben Jahre alten Töchtern in jeder freien Minute schreckliche Ideen aus. Skelette fliegen per Knopfdruck in die Luft. Auf einem Operationstisch werden Knochen und Eingeweide mit einer Farbpistole dekoriert. Um die Ecke wartet ein Mumiensarg auf das nächste Opfer. Ihre Garage wird an Halloween zu einem dunklen Labyrinth. „Kinder unter fünf Jahren lassen wir gewöhnlich nicht rein“, meint Horror-Hausbesitzerin Jill. Die hätten einfach zu viel Angst.
Bäume und Hecken verschwinden unter künstlichen Spinnweben. Kürbisse mit Furcht erregenden Fratzen bewachen die Hauseingänge. Hinter den Fensterscheiben tauchen Hexen und Monster auf. Die zehnjährige Margaux Sleckman, die sich in diesem Jahr mit weiß-schwarzer Schminke als Schauerfigur tarnen will, hat vor einigen „Haunted Houses“ auf der Belvederestreet mächtig Respekt. „Man hört von draußen die Schreie der Kinder und will eigentlich gar nicht mehr rein“. Tausende werden sich an Halloween aber wieder tapfer in die verhexte Straße wagen, davon ist Heather Losee überzeugt. „Es ist schon verrückt, dass wir den Kindern so viel Angst einjagen. Aber sie können es kaum erwarten, jedes Jahr zurück zu kommen.“