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Holzversteinerungen Unter dem Pflaster der Wald

 ·  Bei ihren Grabungen nach versteinerten Bäumen haben Wissenschaftler in Chemnitz große Funde gemacht. Die Stücke gelten in der Fachwelt geradezu als Sensation. Doch wie kommt es zu diesen Versteinerungen?

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Vielleicht ist es der einzige Grabungsort der Welt mit Hausnummer. In der Frankenberger Straße 61 in Hilbersdorf sind Wissenschaftler schon seit April dabei, ein Stück 290 Millionen Jahre alten Wald freizulegen. Gerade sind zwei Studentinnen mit einem gigantischen Schachtelhalm beschäftigt. Gut viereinhalb Meter sind schon freigelegt. Wie lang der Rest unter der Erde noch ist, wagt Grabungsleiter Ralph Kretzschmar nicht zu schätzen.

Hilbersdorf ist ein ziemlich dicht bebauter Stadtteil aus einer Zeit, als Chemnitz zu den reichsten Städten Deutschlands gehörte und schnell wuchs. Angetrieben von der industriellen Revolution in Deutschland, die in Sachsen ihren Anfang nahm, entstand im 19. Jahrhundert auch rund um Chemnitz schnell Straßenzug um Straßenzug. Als Bauarbeiter damals auf Bruchstücke versteinerter Bäume stießen, wunderte das niemand.

Fragmente in den Museen rund um die Welt

Schon in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts fanden Chemnitzer im Boden ihrer Stadt Kieselhölzer. 1751 konnte ein Naturforscher einen beinahe vier Meter hohen stehenden Kieselholzstamm mit Wurzelansätzen bergen. Der Sensationsfund wurde im Dresdner Zwinger ausgestellt - bis er im Mai 1849 bei einem Brand in zahllose Splitter zerbarst. Drei Jahrhunderte sammelte man in Chemnitz, was man gerade fand. Doch auch das genügte, den Ruhm des versteinerten Waldes zu begründen: Chemnitzer Fragmente gibt es in den Museen rund um die Welt.

Nun wird unweit der Stelle, wo man im 18. Jahrhundert auf den verkieselten, stehenden Stamm gestoßen war, in einer unbebauten Parzelle Hilbersdorfs zum ersten Mal wissenschaftlich nach dem versteinerten Wald in Chemnitz gegraben. Kaum sonstwo in der Stadt kann man so wenige Meter unter der Oberfläche auf versteinertes Holz stoßen. „Das Gelände ist jungfräulich und damit ideal geeignet, einen ungetrübten Blick in die Erdgeschichte zu werfen“, sagt Ronny Rößler, Direktor des Chemnitzer Naturkundemuseums. Seit April befördern die fast 70 freiwilligen Helfer - unter ihnen Studenten aus Chemnitz und Freiberg sowie Hilbersdorfer Fossil-Enthusiasten - immer wieder Stücke ans Tageslicht, die in der Fachwelt als Sensation gelten.

Die Vermutung: Subtropische Vegetation

Besonders bedeutsam macht den Schachtelhalm-Fund zum Beispiel die Verästelung. Denn Rekonstruktionen der Pflanzenart hätten bislang auf unverzweigten Bruchstücken basiert, sagt Rößler, der mit seinem Team schon an einer aufwendigen 3-D-Darstellung des urzeitlichen Chemnitzer Lebensraums arbeitet und dafür akribisch alle Daten in einem Computerprogramm erfassen lässt. „Funde wie diese werden unser Bild der einstigen Regenwälder stark verändern.“

Von Vergleichen fossiler Pflanzen mit heutigen Arten erhofft sich Rößler zudem, die Klimaverhältnisse vor 290 Millionen Jahren entschlüsseln zu können. Unter dem Mikroskop fanden er und seine Kollegen an manchen Stücken der zellgenau konservierten Bäume Strukturen, die an Jahresringe erinnern. Das lasse auf subtropische Vegetation in einer Feuchtsavanne schließen. „Bisher hatten wir angenommen, dass es sich um eine tropische Zone gehandelt hat.“

Es kam zu weiteren Eruptionen

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