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Hollywood am Rhein Düsseldorf Unchained

 ·  Christoph Waltz hat seinen zweiten Oscar - und die Stadt kann sich mitgeehrt fühlen. Denn die Filmfigur Dr. Schultz ist ein ehemaliger Zahnarzt aus Düsseldorf. Doch warum ausgerechnet Düsseldorf?

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© dpa Vergrößern Gestatten: Dr. King Schultz (Christoph Waltz, li.), ein Zahnarzt aus Düsseldorf

Bernd Desinger geht dienstlich ins Kino. Als Leiter des Düsseldorfer Filmmuseums muss er schließlich wissen, was auf den Leinwänden der Welt so läuft. Also schaute sich Desinger schon vor einigen Wochen den amerikanischen Western „Django Unchained“ an - und war schwer angetan. Das hat vor allem damit zu tun, dass Waltz die Rolle des Kopfgeldjägers Dr. King Schultz „ganz einfach sagenhaft gut spielt“, sagt Desinger. „Ich habe gleich gewusst, dass Waltz seinen zweiten Oscar bekommen würde.“ Doch die Begeisterung Desingers hat einen zweiten Anlass: die Biografie, die sich Regisseur und Drehbuchautor Quentin Tarantino für seine Filmfigur Dr. Schultz ausgedacht hat. Dr. Schultz ist ein ehemaliger Zahnarzt aus Düsseldorf. Aber warum ausgerechnet aus Düsseldorf?

In Hollywood gibt es schon seit einiger Zeit eine immer wieder einmal durchschimmernde Düsseldorf-Faszination. „Düsseldorf, das klingt für viele Amerikaner einfach herrlich deutsch“, sagt Desinger. Ein früher Beleg für Desingers These vom gezielt eingesetzten Klischee ist der Streifen „Agenten sterben langsam“ aus dem Jahr 1968. Darin sagt ein aus Düsseldorf stammender SS-Mann zu einer Agentin: „Da sitzen wir hier und reden über so etwas Unwichtiges wie Düsseldorf.“ Das war natürlich keine Werbung für die Stadt. „Django Unchained“ dagegen hat nun zumindest im Subtext eine nette Düsseldorf-Botschaft. Dr. Schultz ist zwar ein ziemlich schießwütiger Mann. Aber er hat definitiv das Zeug zum Helden. Und vor allem: Waltz spielt wirklich umwerfend. „Viele Leute werden sich fragen: Was ist das eigentlich dieses Düsseldorf, aus dem dieser bemerkenswerte Kerl kommt?“, so Desinger.

Der Leiter des Filmmuseums glaubt, dass der für Amerikaner so exotische Umlaut „Ü“ ein wichtiger Grund dafür ist, dass es Düsseldorf immer wieder in Hollywood-Produktionen schafft. Anders als für die anderen großen deutschen Umlaut-Städte München und Köln, die im Englischen Munich und Cologne heißen, gibt es für Düsseldorf keine Übersetzung. „Hinzu kommt, dass Düsseldorf für Fremde nicht nur schwer auszusprechen, sondern auch schwer zu fassen ist, weil kaum jemand etwas über die Stadt weiß.“ Für Düsseldorf ist das mehr Vor- als Nachteil. Düsseldorf wird von Filmschaffenden offensichtlich als ein Ort wahrgenommen, der noch aufgeladen werden kann.

Amerikanische Drehbuchautoren lieben das „Ü“

Häufig kommen Filmschaffende freilich ins gänzlich freie Assoziieren, wenn sie an Düsseldorf denken. In der aus dem Jahr 2005 stammenden Filmversion des Kinderbuchklassikers „Charlie und die Schokoladenfabrik“ gewinnt der süßigkeitensüchtige Junge Augustus Glupsch eine Reise in eine Schokoladenfabrik. Kurz ist in dem Film auch Glupschs Heimatstadt Düsseldorf zu sehen - die allerdings mit Düsseldorf nicht die geringste Ähnlichkeit hat. Vielmehr handelt es sich um Gengenbach im Schwarzwald. „Charlie und die Schokoladenfabrik“ wiederum inspirierte die Macher der Zeichentrick-Serie „Simpsons“. Sie schufen einen fortwährend Schokolade futternden kugelrunden Austauschschüler - der natürlich auch aus Düsseldorf stammt. Dass die „Simpson“-Leute ihre neue Figur „Üter Zörker“ nannten, ist ein weiteres Beispiel dafür, wie amerikanische Drehbuchautoren Umlaute zur klanglichen Klischee-Bildung einsetzen.

In Düsseldorf ist zwar schon mancher großer Film entstanden - Wim Wenders drehte „The Palermo Shooting“ in seiner Geburtsstadt, Dominik Graf seinen Klassiker „Die Katze“. Doch dass Düsseldorf fortwährend im Fokus der internationalen Filmbranche steht, lässt sich nicht behaupten. Immerhin werden in Düsseldorf, wo es viele PR-Agenturen gibt, häufig Werbestreifen gedreht. Auch Fernsehserien entstehen regelmäßig in Düsseldorf. Und weil Hollywood ständig auf der Suche nach unverbrauchten „Locations“ ist, die nicht schon x-mal im Kino zu sehen waren, schaffen es markante Teile der Stadt immer wieder auf die Leinwände der Welt.

„Dreischeibenhaus“ Kulisse in „Cloud-Atlas“

Allerdings erfährt der Kinobesucher dann meist nichts von Düsseldorf. Im aktuellen Film „Cloud Atlas“ mit Halle Berry ist der Düsseldorfer Wolkenkratzer „Dreischeibenhaus“ zu sehen - allerdings dank raffinierter Kopiertechnik als Teil von San Francisco der siebziger Jahre. Für „Terminal“ ließ Steven Spielberg den Flughafen von Düsseldorf nachbauen, der allerdings als New Yorker Flughafen JFK ausgegeben wurde.

Am Samstag war Dominik Graf zu Gast im Düsseldorfer Filmmuseum, um sich zu seiner Arbeit befragen zu lassen. „Düsseldorf hätte eine große Filmstadt werden können“, sagte Graf ironisch. Mit dem nun begonnen Abriss des Tausendfüßlers sei die Chance vertan. Der Tausendfüßler, eine Hochstraße für Autos mitten im Zentrum, war eine der markantesten „Locations“ in Grafs Film „Die Sieger“. Versöhnlich attestierte Graf Düsseldorf dann aber doch eine große Filmkulissenqualität. „Die Stadt hat Raum, sie atmet“, findet auch Desinger.

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