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Hochzeit in Madrid Nur der Himmel hat geweint

24.05.2004 ·  Der Bräutigam hat nicht geweint, nicht einmal die Braut. Wasser gab es nur vom Himmel, deshalb konnte das Paar nicht zu Fuß zur Kathedrale gehen. Es gab weniger Zuschauer als erwartet am Straßenrand, zur Jubelorgie für die Jungvermählten reichte es doch.

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Der Himmel hat geweint - Braut und Bräutigam dagegen nicht. Bei der Hochzeit von Spaniens Kronprinz Felipe mit der Fernsehjournalistin Letizia Ortiz am Samstag war neben dem Brautkleid das Wetter das beherrschende Thema.

Etwa eine Viertelstunde vor Beginn der Trauung öffnete der Himmel die Schleusen - und verdarb damit als erstes Letizia den großen Gala-Auftritt auf dem roten Teppich. Denn eigentlich sollte die Einunddreißigjährige am Arm ihres Vaters auf einem mehr als 150 Meter langen Teppich vom Königspalast zur Kathedrale schreiten und sich dabei feiern lassen. Doch dieser große Auftritt fiel sprichwörtlich ins Wasser, mit dem Auto wurde die Braut zur Almudena-Kathedrale gebracht.

„Seine Trauung ist einen Schnupfen wert“

Besonders enttäuscht waren davon die Monarchie-Fans, die im Königshof auf Letizia warteten. Seit Freitag abend hatten sie vor den Toren des Palastes ausgeharrt, um zu den 5000 Menschen zu gehören, die direkt an den roten Teppich durften. Zu denen, die dann am Samstag auf den Hof stürmten, gehörte auch Maria Dolores. „Ich bin Monarchistin“, sprudelte es aus der katalanischen Postangestellten heraus. „Felipe wird unser König. Seine Trauung zu sehen, ist einen Schnupfen wert.“

Maria hatte Mann und Kind zu Hause gelassen und war mit sieben Freundinnen nach Madrid gekommen, um alles selbst zu sehen und Fotos zu machen. Doch aus den Schnappschüssen wurde nichts, es blieb den rund 1600 geladenen Gästen in der Kathedrale vorbehalten, als erstes in Ruhe einen Blick auf Letizia und ihr Brautkleid zu werfen. Da durch den Regen der ganze Zeitplan durcheinander geriet, mußten sie auf den großen Augenblick lange warten - und mit ihnen der Bräutigam. Fast 20 Minuten stand der Thronfolger in Gala-Uniform allein vor dem Altar, dann endlich erschien Letizia - und ein kleines Lächeln umspielte den Mund von Felipe.

Frederik weinte, Felipe nicht

Im Gegensatz zum dänischen Kronprinzen Frederik vor gut einer Woche, dem beim Anblick seiner Braut Mary die Tränen in die Augen gestiegen waren, hatte Felipe seine Gefühle unter Kontrolle: Während der ganzen Zeremonie gab es keine Tränen beim Bräutigam - und auch nicht bei der Braut. Diese wirkte in ihrem edlen, tief ausgeschnittenen Kleid mit leicht ausgestellten Kragen schon ganz königlich. Die perlenbestickte Komposition aus valencianischer Seide zierte eine viereinhalb Meter lange Schleppe. Ihr Brautstrauß bestand aus weißen Lilien. Ein Diadem, das auch Königin Sofia 1962 bei ihrer Trauung getragen hatte, krönte die Braut.

Daß Sofia das Schmuckstück jetzt an Letizia weitergab, kann als Zeichen der Versöhnung gedeutet werden. Ursprünglich soll die Königin nicht so begeistert gewesen sein von ihrer Schwiegertochter in spe. Denn die Einunddreißigjährige ist nicht nur eine Bürgerliche, sondern auch geschieden. Um Letizia trotzdem zur Frau nehmen zu können, soll der Sechsunddreißigjährige Felipe sogar mit Thronverzicht gedroht haben. Doch all dies scheint inzwischen vergessen, bei der Trauung lächelte die Königin ein ums andere Mal - ganz im Gegensatz zur sehr angespannt wirkenden Letizia, die ihre Hand beim Nachsprechen der Trauungsformel regelrecht in der ihres Bräutigams verkrallte.

„Ihr seid nicht allein“

In seiner Predigt forderte der Erzbischof das Paar auf, angesichts der Verantwortung als Erben des spanischen Throns nicht zu verzagen. „Fürchtet nicht diese außergewöhnlichen Anforderungen“, sagte Rouco Varela. „Ihr seid nicht allein auf Eurem Weg. Ihre Majestäten, der König und die Königin von Spanien, die königliche Familie, Eure Angehörigen und das spanische Volk sind bei Euch.“

Braut und Bräutigam versprachen sich, in guten und in schlechten Zeiten zueinander zu stehen. „Ich, Felipe, nehme Dich, Letizia, zu meiner Frau“, sagte der Prinz und tauschte mit seiner Braut die Ringe. Größere Pannen gab es nicht. Der Erzbischof ließ allerdings einige Goldmünzen fallen, die das Brautpaar als Symbol des gemeinsamen Besitzes traditionell hin und her reicht. Daraufhin vergaß Felipe offenbar, was er seiner Braut sagen sollte und mußte auf einen kleinen Notizzettel blicken. Eines der Blumenkinder, Nichten und Neffen des Thronfolgers, trat während der Zeremonie spielerisch nach einer Brautjungfer.

Jubelorgie für die Jungvermählten

Erst nach dem Ja-Wort taute Letizia sichtbar auf, schenkte ihrem Ehemann ein strahlendes Lachen und war auch während der Fahrt durch die Stadt offensichtlich guter Dinge. Und auch wenn der Regen einen Teil der potenziellen Zuschauer offensichtlich verschreckt hatte und weniger Menschen am Straßenrand standen als erwartet, war die Fahrt im Rolls Royce eine Jubelorgie für die Jungvermählten. Und selbst der Gang über den roten Teppich wurde nachgeholt: Nach einer nochmaligen kurzen Zeremonie in der Atocha-Basilika schritten der Thronfolger und die künftige Königin von Spanien Arm in Arm vor das Haupttor und ließen sich von ihren Landsleuten feiern. Und beim - leicht verschämten - offiziellen Hochzeitskuß auf dem Balkon des Königspalastes lachte sogar die Sonne.

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