Valentin scheint zu lächeln - kein Wunder, hat er doch der Legende nach unzählige glückliche Liebesbeziehungen gestiftet. Der Tote ruht in der Stadtpfarrkirche St. Michael im schwäbischen Krumbach auf purpurroter Matratze in einem Glasschrein. Das gesamte Skelett ist in prächtig gewirkte und bestickte Gewänder gehüllt. Daran erfreuen können sich die vielen Liebes- und Ehepaare, die seit einigen Jahren am Valentinstag die Reliquie im linken Seitenaltar besuchen.
Dabei ist nicht völlig sicher, ob hier wirklich Valentin von Terni, der Schutzheilige aller Verliebten, seine letzte Ruhestätte gefunden hat. Der italienische Bischof lebte im 3. Jahrhundert und soll 264 auf Befehl des römischen Kaisers Claudius Goticus enthauptet worden sein. In Krumbach hat man allerdings nach den Worten von Messner Gerhard Heinisch um die Reliquie bisher nicht viel Aufhebens gemacht. Stadtpfarrer Markus Holzheu hält bis heute nicht viel vom Valentin-Kult. Erst als vor etwa zehn Jahren eine Schülerin über den Heiligen eine Hausarbeit schrieb, begann man in Krumbach, sich mit ihm näher auseinander zu setzen.
Dokumente vorhanden
Lateinische Dokumente aus dem 18. Jahrhundert, die ordnungsgemäß im Pfarrarchiv aufbewahrt waren, belegen, dass die sterblichen Überreste Valentins um 1735 nach Krumbach geschafft worden waren. Der venezianische Adelige Johannes Delphin hatte sie der Pfarrei vermacht - warum, ist ungeklärt. In einer Holzkiste wurde der Corpus mit einem Pferdegespann über die Alpen transportiert. Gleichzeitig ging ein Brief mit einer genauen Beschreibung der Kiste und ihres Inhalts ans Bischöfliche Ordinariat in Augsburg. Augsburger Nonnen bestickten und verzierten den Heiligen, bevor er, zunächst stehend, den Krumbacher Seitenaltar bezog.
Als Valentin in Krumbach eintraf, wurde laut Pfarrchronik ein großes, mehrtägiges Fest gefeiert. Die Schwaben waren nach den Worten von Messner Heinisch sehr stolz auf ihren Heiligen. Solche Reliquienkörper, von denen es rund 600 in Bayern gibt, waren damals gerade sehr in Mode.
Über die Jahrzehnte ließ die Begeisterung aber nach. Und auch für die Urkunden im Pfarrarchiv hatte sich bis vor wenigen Jahren niemand mehr interessiert. In ihnen heißt es, dass Valentin ein Fläschchen mit seinem Blut beigefügt wurde. „Das könnte hinten im Schrein sein“, mutmaßt Heinisch: „Der müsste ohnehin mal zum Reinigen aufgemacht werden.“ Bei der Gelegenheit könnte auch das Skelett endlich wissenschaftlich untersucht werden. Im Moment fehlt nach den Worten von Heinisch aber das Geld dafür.
Es könnte eine Verwechslung sein
Laut den Dokumenten wurde der Leichnam auf Geheiß des Papstes in dem Ort Calepodus aus der Erde „heraus gezogen“. Sollte sich bestätigen, dass das Skelett tatsächlich aus dem 3. Jahrhundert stammt, könnte es sich trotzdem um eine Verwechslung handeln - denn zur gleichen Zeit wie Valentin von Terni lebten in Italien mehrere Namensvettern. Einer von ihnen fand zum Beispiel in Passau sein Grab. Den Verliebten, die wegen Valentin nach Krumbach kommen, dürfte das allerdings ziemlich egal sein.