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Veröffentlicht: 17.06.2009, 10:45 Uhr

Hip-Hopper „Dissziplin“ Im schwarzrotgoldenen Zwielicht

Der Hip-Hopper „Dissziplin“ ist stolz darauf, Deutscher zu sein. Doch gegen die Bezeichnung „Nazi-Rapper“ wehrt er sich. Der 24-Jährige Cottbusser, der eigentlich Ben Arnold heißt, kennt sein Image - und spielt damit.

von Arne Leyenberg
© Christoph Busse Baseballkappe und Preußenadler: Rapper „Dissziplin” aus Cottbus will die Stimme einer unbelasteten Generation sein.

Die Musik verstummt. „Dissziplin“ steht vorn am Bühnenrand, über den Köpfen der Zuschauer, das Mikrofon in der Hand. Er ruft: „Ich will von euch ein Schwarz-Rot-Gold hören!“ - „Schwarz-Rot-Gold“, schallt es im Chor zurück. „Ich will ein Schwarz-Rot-Gold hören!“ - „Schwarz-Rot-Gold.“ - „Jetzt reicht es“, sagt er, „sonst heißt es wieder, wir wären rechts.“

Der 24 Jahre alte Hip-Hopper, der eigentlich Ben Arnold heißt, kennt sein Image. Und spielt damit. „Man muss mit der Faust auf den Tisch hauen“, sagt er später, als er hinter der Bühne auf der Couch Platz genommen hat. Das Mikrofon hat er gegen ein Bier getauscht, die Energie, die er noch kurz zuvor auf der Bühne ausgestrahlt hat, ist gewichen. „Alle denken so wie ich, aber keiner sagt es.“ Mit seinem Lied „Ich bin Deutschland“ hat der Cottbuser für seine Kritiker die Grenze zum Nationalismus überschritten. „Wer mich für einen Nazi hält, hat nicht verstanden, worum es mir geht“, sagt Dissziplin, dessen Künstlername sich vom Slangausdruck „dissen“ (“jemanden schlechtmachen“) ableitet.

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„Ich bin kein Nazi, nur Jahrgang 85“

Er will Patriot sein, stolz auf seine Herkunft, und das auch sagen dürfen. Er will die Stimme der Jugend sein, einer neuen, unbelasteten Generation. Auf der Bühne in der ehemaligen Fabrikhalle Eventwerk in Dresden rappt er: „Über 60 Jahre sind für mich eine lange Zeit. Wir müssen aufhören, nur nach hinten zu schauen, denn ein Schritt weit voran, Leute, bringt uns das kaum. Ich bin kein Nazi, nur Jahrgang 85, kein Bock mehr auf früher, was mal war, und jetzt hasst mich. Ich bin die Zukunft, ob ihr's wollt oder nicht, und sie scheint auf mich in schwarzrotgoldenem Licht.“ Die Zuschauer beim „One Love Festival“ beschwört er: „Wir sind trotzdem keine Nazis, obwohl wir Deutsche sind.“ Das Publikum, Jugendliche mit Baseballkappen auf dem Kopf und Hosen in den Kniekehlen, singt seine Texte mit und jubelt.

Hinter der Bühne sitzt Dissziplin neben „King Orgasmus One“ auf der Couch. Der Berliner gilt wegen seiner sexistischen Texte als Vertreter des „Porno-Rap“. Dissziplins Texte dagegen sind - ganz untypisch für die Szene - nicht frauenfeindlich, nicht drogen- und gewaltverherrlichend. Er ist nachdenklich, seine Texte drehen sich um den Zustand Ostdeutschlands, das Aufwachsen zwischen Plattenbauten. Er trägt keine weite Hose und keine Goldkette um den Hals, dafür den Preußenadler auf dem T-Shirt. „Damit will ich meine Herkunft unterstreichen, ich komme aus Brandenburg. Das ist aber natürlich auch eine Provokation.“

„Ich bin kein Nazi, nur ein Deutscher mit Identität.“

Provoziert fühlen sich von ihm die Veteranen des deutschen Hip-Hop. Ende der achtziger Jahre, als die ersten Gruppen anfingen, in ihrer Landessprache zu rappen, war Hip-Hop betont links, der Staat das Feindbild. „Bundestag brennt“, rappte „Anarchist Academy“, „Fremd im eigenen Land“, hieß es bei „Advanced Chemistry“. Mit dieser Musik aufgewachsen ist auch Sven, Dissziplins Manager. Unter dem Künstlernamen Dita Rantel steht er mit Dissziplin in Dresden auf der Bühne, auch er trägt den Preußenadler auf der Brust. „Ich komme aus der Antifa-Bewegung“, sagt er, „ich bin links. Ich würde bestimmt nicht mit Ben zusammenarbeiten, wenn er rechts wäre.“

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