11.07.2002 · Die Unwetter vom Mittwoch waren die schwersten seit Jahrzehnten. Sie waren das Ergebnis eines fatalen Zusammentreffens von Großwetterlage und örtlicher Hitze.
Von Cornelia PretzerIm Sommer folgen an heißen Tagen Gewitter auf viel Sonne und hohe Temperaturen wie das Amen auf ein Gebet. Das liegt daran, dass die erhitzte Luft rasch aufsteigt und Gewitterwolken bildet. Bei den schweren Unwettern vom Mittwoch kam zu diesem Phänomen noch eine massive Kaltfront hinzu, die ihrerseits zusätzlich für Niederschläge, starke Winde und erhebliche Abkühlung sorgte.
Der Prozess, der Sommergewitter antreibt, heißt in der Meteorologie Konvektion. Luft wird über der Erde von Sonnenstrahlung erwärmt und steigt auf. Je heißer sie unten wird desto gewaltsamer dringt sie in hohe Schichten vor, wo es kalt ist. Da warme Luft mehr Wasserdampf speichern kann als kalte, trägt sie Wasserdampf in kältere Luftschichten. Dort bilden sich Tröpfchen und in großen Höhen Eiskristalle, die die typischen Schönwetter- und später Gewitterwolken bilden. Diese Wolken heißen in Anlehnung an die Form, die sie bilden, wenn sie oben von der natürlichen Grenze - der Stratosphäre - begrenzt werden und einen „Amboss“ bilden, Cumulonimbuswolken. Gewitter dieser Art heißen Luftmassengewitter, da sie die grundsätzliche Wetterlage und die Luftmasse, die über dem Ort liegt, unverändert lassen und durch lokal begrenztes Aufsteigen von erhitzter Luft entstehen.
Schwer vorhersagbar
Diese Gewitter lassen sich nur schwer voraussagen. Denn sie entstehen oft kleinräumig über dunklen Flächen, wie Städten oder Straßen. „Wenn's hochkommt, können wir sie sechs Stunden vorher relativ sicher vorhersagen“, sagt Meteorologe Klaus Bähnke. Meist ließen sich schwere Gewitter mit Hagel, starkem Regen und Böen in Orkanstärke erst erkennen, wenn auf den Radarbildern schon erste Anzeichen dafür zu sehen seien.
Bei den Unwettern am Mittwoch förderte ein Hoch über den Alpen und Südeuropa die Bildung von Konvektionswolken.
Frontgewitter und Luftmassengewitter
Daneben können auch Fronten können zu Gewittern führen - so wie bei der Kaltfront am Mittwochabend. Dabei hebt die Kaltfront die warme Luft an, was wiederum zu Wolkenbildung führt. Ein Frontdurchgang führt meist zu einer erheblichen Abkühlung. Am Mittwoch kam zu der lokalen Konvektion die große Front, die mehrere hundert Kilometer lang war und entlang derer die Stürme tobten (siehe Wetterkarten des Deutschen Wetterdienstes und Bild).
Da große Temperaturunterschiede auch Wind auslösen, gehen solche Gewitter meist mit starken Böen einher. Auch innerhalb der Wolken wird die Luft stark durchmischt. Tropfen rasen hinab, werden gebremst und wieder emporgehoben - bis in Gefilde, wo sie gefrieren. Beim nächsten Fallen schmelzen sie wieder und gefrieren beim nächsten Umlauf, bis sie so große und schwere Hagelkörner geworden sind, dass sie auf den Erdboden fallen. Und auch die großen Tropfen, die bei Gewitterschauern fallen, sind deshalb so groß, weil sie erst relativ kurz vor der Oberfläche schmelzen. Denn sehr große Tropfen sind sonst instabil und zerteilen sich im Fallen in viele kleinere.