06.02.2002 · Nachwachsende Rohstoffe sind per Definition landwirtschaftlich erzeugte Produkte, die nicht als Nahrungsmittel, sondern für die Herstellung von beispielsweise Verpackungen aber auch Arzneimittel und Baumaterialien verwendet werden.
Nachwachsende Rohstoffe sind per Definition landwirtschaftlich erzeugte Produkte, die nicht als Nahrungsmittel, sondern für die Herstellung von beispielsweise Verpackungen aber auch Arzneimittel und Baumaterialien verwendet werden. Außerdem können nachwachsende Rohstoffe - Holz etwa - zur die Erzeugung von Wärme und Strom eingesetzt werden. In der Bundesrepublik Deutschland wuchsen 1999 auf rund 740.000 Hektar nachwachsende Rohstoffe, das sind etwa sechs Prozent der Ackerfläche des Landes.
Nach der DIN-Vorschrift ist ein Biokunststoff ein biologisch abbaubarer Werkstoff (BAW). Zum Nachweis der Kompostierbarkeit von BAWs wurde in Deutschland eigens eine DIN-Norm (DIN 54900) erstellt. Sie stellt sicher, dass die Produkte auch tatsächlich kompostierbar sind. Außerdem muss der biologische Abbau des Materials innerhalb sechs bis zehn Wochen stattfinden, er darf keine Schadstoffe emittieren oder die Kompostqualität beinträchtigen.
Rohstofflieferanten sind Industriepflanzen
Bei der Kompostierung werden die BAW in Kohlendioxid und Wasser sowie Zellmasse umgewandelt. Rohstofflieferant der Biokunststoffe sind Industriepflanzen, können aber auch von Bakterien produziert werden. In diesem Fall speichern bestimmte Bakterien überschüssige Nahrung als plastikartigen Reservestoff.
Biokunststoffe ähneln sich nicht nur im Erscheinungsbild herkömmlichen Kunststoffen; die meisten Biokunststoffe aus biologisch abbaubaren Werkstoffen können außerdem mit herkömmlichen Verfahren der Kunststofftechnik verarbeitet werden. Nach Angaben der Interessensgemeinschaft Biologisch Abbaubare Werkstoffe (IBAW) können gängige Maschinen, geringfügig verändert, auch für die Verarbeitung der Biokunststoffe eingesetzt werden.
Nur in einem Punkt unterscheiden sich die Kunststoffe deutlich: Weil sie abbaubar sind, hält sich die Wasserstabilität der Produkte in Grenzen. Je nach Einsatzgebiet hat das Vorteile: So sparen etwa Gärtner beim Einsatz von Pflanzentöpfen auf Stärkebasis Zeit und Abfall, da sich der Topf im Beet selbst auflöst.
Fossile Rohstoffe sind endlich, BAW sind es nicht
Für die traditionelle Kunststofferzeugung sind Erdöl und Erdgas die wichtigsten Rohstoffe. Zur Kunststoffherstellung werden etwa fünf bis sechs Prozent der aus den Raffinerien kommenden Erdöl-Produkte benötigt. Den Löwenanteil des endlichen Rohstoffs verschlingen Verkehr und Heizung.
Im Gegensatz zu fossile Energieträgern wie Erdöl sind nachwachsende Rohstoffe nicht endlich. Aus ökologischer Sicht sind Produkte aus nachwachsenden Rohstoffen interessant, weil sie im Gegensatz zu fossilen Rohstoffen weitgehend CO2-neutral sind.
Da der kontinuierliche Anstieg von Kohlenstoffdioxid (Co2) in der Atmosphäre mit verantwortlich gemacht wird für den Treibhauseffekt und die Klimaveränderung, können Produkte aus abbaubaren Rohstoffen für die Umwelt nützlich sein: Die Pflanze setzt etwa bei der Kompostierung oder Verbrennung nur die Menge an CO2 frei, die sie während ihres Wachstums der Atmosphäre entnommen hat. Der Energiekreislauf bleibt demnach geschlossen. Anders bei fossilen Rohstoffen: Erdöl gehört ebenso wie Kohle und Gas zu den fossilen Energieträgern.
Diese festen, flüssigen oder gasförmigen Kohlenwasserstoffverbindungen sind in Millionen Jahren aus abgestorbenen Pflanzen- und Tierresten unter Druck der darüber liegenden Bodenschichten entstanden. Bleibt der Rohstoff in der Erde, ist das Kohlenstoffdioxid sozusagen versiegelt, wird aber das CO2 freigesetzt, kommt es zu einem Überschuss
Ziel: Zehn Prozent Marktanteil
Allerdings: Zur Herstellung und Verarbeitung der Produkte aus nachwachsenden Werkstoffen werden immer auch noch fossile Rohstoffe verwendet. „Wir stecken noch in den Kinderschuhen“, weiß Harald Käb, Pressesprecher der Interessensgemeinschaft Biologisch Abbaubare Werkstoffe (IWAB). „Die Kunststoffindustrie ist uns in der Entwicklung und Forschung um rund 30 Jahre voraus.“ Geht es nach der Interessensgemeinschaft soll sich das in Zukunft ändern. Bis zu zehn Prozent Marktanteil haben die BAWs in naher Zukunft an Potential, schätzt die IBAW. „Irgendwann sind es vielleicht sogar 50 Prozent“, wünscht sich Käb.
Rund 14 Millionen Tonnen Verpackungen wurden im Jahr 2000 in der Bundesrepublik verbraucht, im Vergleich zu über 15 Millionen Tonnen 1991, teilt das Bundesministerium für Umwelt auf seiner Homepage mit. Davon entfallen etwa 10 Prozent (1,4 Millionen Tonnen) auf Kunststoffe und etwa 37 Prozent (5,2 Millionen Tonnen) Verpackungen aus Pappe und Karton. In Westeuropa wurden 1998 nach Angaben des Verband der Kunststofferzeugenden Industrie 32 Millionen Tonnen Kunststoff verbraucht. Die Angaben schwanken allerdings zum Teil erheblich. Das liegt einerseits an unzureichenden Mengenabschätzungen, andererseits an unterschiedlichen Definitionen.
Von den jährlich anfallenden 387 Millionen Tonnen Müll (Stand 1997) stammen etwa 45 Millionen Tonnen aus Siedlungsabfällen. Das sind beispielsweise Hausmüll, Sperrmüll und Gewerbeabfälle. Der Löwenanteil entsteht durch die Bauindustrie: Bauschutt, Straßenaufbruch und Baustellenabfälle schlagen mit rund 222 Millionen Tonnen zu Buche.