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Himmelsscheibe von Nebra Eine Komödie der Irrungen

 ·  Die unendliche Geschichte der Himmelsscheibe von Nebra: Angeblich über drei Jahrtausende alt, 1999 in Sachsen-Anhalt gefunden - und seit einem halben Jahr Gegenstand eines bizarren Berufungsverfahrens.

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Torsten Gester, Richter am Landgericht Halle, verliert auch am neunzehnten Verhandlungstag seinen Humor nicht. Seit einem halben Jahr läuft nun schon das Berufungsverfahren gegen die mutmaßlichen Hehler der Himmelsscheibe von Nebra. Ein Ende der bizarren Veranstaltung vor der nur dreiköpfigen Kammer ist nicht abzusehen, weil die Verteidigung immer neue Beweisanträge stellt. Wie viele es insgesamt sind? Gester zuckt mit den Schultern. Er habe aufgehört mitzuzählen, sagt der Richter in einer Verhandlungspause.

Dann wendet er sein Schelmengesicht einem der Anwälte zu und erzählt von einem Verfahren, in dem die Verteidigung bis zuletzt nicht aufgehört haben soll, Beweisanträge zu stellen. Um schließlich das Urteil zu verkünden, sei der Richter blitzartig in den Raum gekommen und habe noch im Gehen "Im Namen des Volkes..." gerufen. Da schmunzelt auch der Verteidiger.

Der Sensationsfund

Im Februar 2002 waren der 66 Jahre alte Reinhold S. und die 46 Jahre alte Hildegard B. aus Nordrhein-Westfalen in einem Hotel im schweizerischen Basel gefaßt worden, als sie versuchten, die 3.600 Jahre alte Himmelsdarstellung an Harald Meller, den Landesarchäologen Sachsen-Anhalts, zu verkaufen. Zwei Raubgräber hatten die Scheibe 1999 auf dem Mittelberg bei Nebra in Sachsen-Anhalt gefunden und für etwa 30.000 Mark an einen Hehler veräußert.

Schließlich gelangte der Sensationsfund - die älteste konkrete Darstellung des Kosmos' - in die Hände des ehemaligen Lehrers und Hobbyarchäologen S. Er hatte 115.000 Euro für die Himmelsscheibe bezahlt. Im September 2003 verurteilte das Amtsgericht Naumburg den Mann und seine Partnerin wegen Hehlerei zu Bewährungsstrafen.

Verzweifelt-groteske Züge

Im Berufungsverfahren beim Landgericht Halle setzen nun ihre Verteidiger Himmel und Hölle in Bewegung, um die beiden straffrei aus dem Gericht gehen zu sehen. Die Strategie der beiden Anwälte aus Düsseldorf nimmt dabei teilweise verzweifelt-groteske Züge an. Zunächst versuchten sie, Hildegard B. als vermindert schuldfähig darzustellen.

Die Mandantin habe fanatisch, zwanghaft und krank gehandelt. Unbedingt habe sie die Himmelsscheibe in Händen halten wollen. Doch in einem Gutachten kam ein Psychiater zu dem Ergebnis, daß Hildegard B. zwar durch "magisches und exzentrisches Denken" bestimmt werde. Für eine schizophrene oder besessene Persönlichkeit gebe es bei ihr aber keine Anhaltspunkte.

Ein Aufschlag von mehr als 300 Prozent

Dann konzentrierte sich die Verteidigung darauf, die Echtheit der Himmelsscheibe in Zweifel zu ziehen. Das Kalkül dabei: Ist die Scheibe nicht echt, können Reinhold S. und Hildegard B. nicht der Hehlerei mit einem bedeutsamen Kulturgut schuldig sein. Seltsam war diese Taktik von Anfang an, blendete die Verteidigung doch geflissentlich aus, daß ihre Mandanten offensichtlich von der Echtheit des Fundes überzeugt waren - warum sonst hätte Reinhold S. soviel Geld für die Scheibe zahlen sollen?

Und: Warum hätte er sonst von den vermeintlichen Kaufinteressenten in Basel 350.000 Euro verlangt? Der Aufschlag von mehr als 300 Prozent auf den "Einkaufs"-Preis will auch nicht recht zu den immer wieder im Berufungsprozeß behaupteten altruistischen Motiven des Duos passen, die beiden hätten die Scheibe nur an den rechtmäßigen Eigentümer, das Land Sachsen-Anhalt, zurückgeben wollen.

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