Die Deutschen spenden zu Weihnachten weniger als im vergangenen Jahr. Nachdem die Hilfsorganisationen während der Flutkatastrophe im Sommer dieses Jahres Rekordergebnisse erzielt hatten, müssen sie nach einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung derzeit Spendeneinbußen hinnehmen, die bei Organisationen wie der Deutschen Welthungerhilfe bei bis zu 20 Prozent liegen könnten.
Die Gabenmüdigkeit rührt nach übereinstimmender Einschätzung der Hilfswerke nicht zuletzt aus der unsicheren Wirtschaftslage. "Die Konsumzurückhaltung zieht eine Spendenzurückhaltung nach sich", faßt Matthias Schüth, Sprecher von Caritas, zusammen. Manche traditionellen Geber glaubten außerdem, sie hätten mit ihrer Flut-Spende im Sommer ihre gute Tat schon getan. Darüber hinaus gebe es keine internationale Großkatastrophe, die die Menschen tief berühre.
Weniger für die Länder der Dritten Welt
Die Hungersnot im südlichen Afrika werde von der Öffentlichkeit fast ignoriert, berichtet Maike Just vom Deutschen Roten Kreuz: "Es tut weh, daß dieses Thema untergeht." Ihre Organisation habe in den afrikanischen Hungerländern eine große Hilfsaktion begonnen und benötige dafür dringend Geld.
"2002 ist für uns ein schwieriges Jahr", klagt auch Unicef-Sprecher Rudi Tarneden. Von dem Spendenrückgang seien vor allem Organisationen betroffen, die Hilfe für Länder in der Dritten Welt leisteten.
Kleinere Beträge als früher
Grundsätzlich sei die deutsche Bevölkerung weiterhin hilfsbereit, was man zum Beispiel daran ablesen könne, daß Unicef in den vergangenen beiden Monaten 6000 neue Fördermitglieder habe gewinnen können. Doch wegen der schlechten wirtschaftlichen Lage überwiesen die Spender häufig kleinere Beträge als früher. "Die Leute schauen mehr aufs Geld", bestätigt Caritas-Sprecher Schüth.
Allerdings verzeichnen einzelne Organisationen auch Zuwächse. Das Deutsche Kinderhilfswerk profitiert von der Euro-Umstellung. Viele Leute hätten ihre restlichen Bestände an Markstücken und Pfennigmünzen in eine der 80000 Spendenbüchsen des Kinderhilfswerks in Geschäften und Gaststätten geworfen, berichtet Kinderhilfswerk-Sprecher Michael Kruse. Auf diese Weise sei eine Million Mark mehr zusammengekommen als im Vorjahr.