16.02.2012 · Ein halbes Jahrhundert beschäftigte die Debatte um den Wiederaufbau des zierlichen Gebäudes die Hannoveraner. Nun kommt in Herrenhausen ein Tagungszentrum hinter die klassizistische Fassade.
Von Robert von Lucius, HannoverNatur und Kultur, Geschichte und Zukunft verbänden sich im Schloss Herrenhausen einzigartig, sagte der hannoversche Oberbürgermeister Stephan Weil am Donnerstag zum Richtfest. Einträchtig standen der niedersächsische Ministerpräsident McAllister (CDU) und Weil, sein SPD-Herausforderer bei der Landtagswahl in einem Jahr, nebeneinander auf dem Schlossbalkon, als der Handwerker den Richtspruch sagte.
McAllister sprach von einer kulturellen Perle Hannovers und einem würdigen Ort für die Landesausstellung in zwei Jahren „Als die Royals aus Hannover kamen“. Zu seinen Zuhörern zählte der welfische Erbprinz Ernst August von Hannover, der überwiegend in London lebt.
In Herrenhausen haben nicht nur die welfischen Kurfürsten gelebt, sondern auch Gottfried Wilhelm Leibniz, der gern Spaziergänge im Großen Garten unternahm. Der Garten aus dem Frühbarock kommt nach Bekanntheitsgrad und Besucherzahl - fast eine halbe Million im Jahr - gleich hinter Sanssouci. Bislang aber fehlte der Abschluss, das 1943 von britischen Bombern zerstörte Welfenschloss.
Ein halbes Jahrhundert beschäftigte die Debatte um den Wiederaufbau des zierlichen Gebäudes die Hannoveraner, bis die größte Wissenschaftsstiftung Deutschlands, die Volkswagenstiftung, den Aufbau als modernes Tagungszentrum hinter einer historischen klassizistischen Fassade beschloss.
Zum Richtfest verwies der Generalsekretär der Volkswagenstiftung, Wilhelm Krull, fast genüsslich auf den schleppenden Schlossbau in Berlin. Zwischen dem Entscheid und dem Richtfest - in knapp einem Jahr sollen Schloss und Wissenschaftszentrum eröffnet werden - vergingen in Herrenhausen nur vier Jahre. Die Stiftung will Hannover damit als Wissenschaftsstandort ausbauen. Die Kosten liegen bei 20 Millionen Euro.
In den Nebenflügeln des Schlosses werden Leibniz-Briefe gezeigt, ein Weltdokumentenerbe, das bislang der Öffentlichkeit kaum zugänglich war, und die Geschichte des vor knapp 200 Jahren umgebauten Schlosses.
Es verfiel, als Hannovers Könige sich wegen der Personalunion mit Großbritannien überwiegend in London aufhielten. Mit dem Garten in Herrenhausen, einer der schönsten Parkanlagen Europas, „können wir prunken“, sagte Kurfürstin Sophie vor drei Jahrhunderten. Demnächst dann auch wieder mit einem Schloss, das die große Achse vollendet.
Robert von Lucius Jahrgang 1949, politischer Korrespondent für Niedersachsen, Sachen-Anhalt und Bremen mit Sitz in Hannover.
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