http://www.faz.net/-gum-pn4r

Helmuth Thieltges : Der große Unbekannte

  • Aktualisiert am

Thieltges kocht Klassisches - mit absoluter Präzesion Bild: Christopher Arnoldi

Helmuth Thieltges findet, man müsse "zum Kern des guten Produktes" vordringen. Das ist kein Klischee, sondern eine ziemlich genaue Beschreibung seiner Küche.

          Helmuth Thieltges ("Waldhotel Sonnora", Dreis), 49 Jahre alt, ist der große Unbekannte unter unseren Drei-Sterne-Köchen. Der Grund ist ebenso einfach wie ungewöhnlich: Der Meister spielt nicht so recht mit.

          Es gibt kaum Interviews, hat selbstverständlich keine Fernsehsendungen und nicht einmal ein Kochbuch - ein Novum für einen Koch dieses Ranges. Thieltges, der nie ein Spitzenkoch werden wollte, will sich einfach auf seine Arbeit konzentrieren und sonst nichts. Der Sproß einer Gastronomen-Familie residiert heute in einem immer größer werdenden Familienbetrieb mitten im Wald und erfreut sich vor allem eines regen Zuspruchs aus Belgien, Luxemburg und Frankreich.

          Nicht nur sehr gute, sondern geradezu Maßstäbe setzende Präzision

          Thieltges, ein Mann mit trockenem Humor, ist gleichwohl von nüchterner und wachsamer Sicht auf sich und sein Fach bestimmt. "Alle drei Jahre denkt man anders", sagt er. Seine Selbstkritik sei "sehr ausgeprägt". Man müsse "zum Kern des guten Produktes" vordringen. Das ist kein Klischee, sondern eine ziemlich genaue Beschreibung seiner Küche. Bei Thieltges hat man den Eindruck, als hätte auch die klassische Küche keine wirklichen Grenzen.

          Hier ist die Ente eben noch etwas zarter und besser gewürzt, und das im Ganzen gebratene und getrüffelte Perlhuhn schmeckt noch spektraler. Ein wenig wie Heinz Winkler sucht auch er nicht sein Heil in überladenen Tellern mit unüberschaubar vielen Elementen, sondern wartet, bis er eine klare, bezwingende Idee entwickelt hat.

          Wenn dann die Jakobsmuscheln von Chicoree und Beerenauslese begleitet werden oder ein Rindertatar mit Kaviar und Rösti kombiniert wird, hat man nicht nur sehr gute, sondern geradezu Maßstäbe setzende Präzision. Nicht schlecht für einen Koch, der schon im Alter von 23 Jahren in den elterlichen Betrieb zurückkam und dort "ohne Visionen" mit dem normalen Programm eines Speiserestaurants begann. 1999, acht Jahre nach seinem zweiten und 17 Jahre nach seinem ersten Stern (so groß sind oft die Abstände), hat er es dann geschafft.

          Weitere Themen

          Gott segne unsere Einwanderer

          Capitol Region : Gott segne unsere Einwanderer

          Die Capitol Region besteht nicht nur aus Kongress und Weißem Haus. Sie ist auch die Heimat wunderbar weltoffener Menschen, die ihre eigene Sicht der Dinge haben: Begegnungen mit einem anderen Amerika in Washington, Maryland und Virginia.

          Topmeldungen

          Diesmal kommt die Kritik für SPD-Vorsitzende Andrea Nahles aus den eigenen Reihen: Die Europawahlliste sorgt für Aufregung.

          FAZ Plus Artikel: SPD und die Europawahl : Nach oben geschubst

          Die SPD-Liste für die Europawahl sorgt für Ärger, weil gewählte Kandidaten lediglich auf den hinteren Plätzen landen. Die Parteispitze steckt in einer Zwickmühle.

          Livestream : Schlagabtausch im Bundestag

          Im Mittelpunkt stehen die Haushaltsberatungen und der Etat der Kanzlerin. Doch mit Sicherheit wird im Bundestag auch wieder über andere Themen diskutiert. Verfolgen Sie die Generalaussprache jetzt im Livestream.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.