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Veröffentlicht: 15.07.2013, 13:14 Uhr

Hanf am Wegesrand Grünes Göttingen

Die „Autonomen Blumenkinder“ haben in der Universitätsstadt mehrere Kilogramm Cannabissamen gesät. Die gedeihen in Göttingen prächtig.

von Barbara Wege
© Grüne Jugend Göttingen Grün, grün, grün ist alles, was ich hab: Hanfpflanze in Göttingen

Sie sprießen am Wegesrand, in Höfen, auf Verkehrsinseln. Irgendwie sehen die gezackten spitzen Blätter bekannt aus. Und wirklich: In Göttingen stehen an jeder Ecke Hanfpflanzen. Viele Bewohner der Universitätsstadt werden den recht ungewöhnlichen Bewuchs von Grünflächen mit klammheimlicher Freude sehen.

In einem anonymen Schreiben bekennt sich die Gruppe „Einige Autonome Blumenkinder“ dazu, mehrere Kilogramm Cannabissamen im gesamten Stadtgebiet verteilt zu haben. Im traditionell linken Milieu der 116 000-Einwohner-Stadt an der Leine, in der jeder fünfte Bewohner ein Student ist, erregt sich kaum jemand über die verbotenen Pflanzen. Die Grüne Jugend Göttingen startete sogar sofort einen Fotowettbewerb im Internet, für den die Bürger die Hanfpflanzen ablichten sollen.

In der Mitteilung der „Autonomen Blumenkinder“ heißt es, die in der Stadt ausgesäten Cannabissamen seien größtenteils arm an THC, das beim Rauchen von Joints den Rausch verursacht. Ein Sprecher der Grünen Jugend in Göttingen, die sich mit dem „Guerrilla-Gardening“ solidarisch zeigen, sagt: „Das Thema Hanflegalisierung ist uns ein ureigenes Anliegen, da stehen wir ganz in der Tradition unserer Mutterpartei.“ Ziel sei eine Rauschgiftmündigkeit, bei der jeder seinen Konsum selbst bestimmen könne. Bei dem Fotowettbewerb seien mehr als 40 Fotos eingesendet worden, sagt der Junge Grüne, der anonym bleiben will.

„Mit zweierlei Maß gemessen“

Sogar die Göttinger Polizeisprecherin Jasmin Kaatz gibt sich entspannt: „Es steht nicht ganz Göttingen unter einer Cannabis-Dampfwolke.“ Die Polizei und der städtische Baubetriebshof hätten viele der Pflanzen entfernt. Die Polizei habe ein Verfahren wegen Verdachts des Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz eingeleitet, sagt Kaatz. Die Staatsanwaltschaft Göttingen prüft das nun.

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Im Internet haben sich die kuriosen Fotos von Hanfpflanzen schnell verbreitet. Aber verharmlost eine solche Aktion nicht die gesundheitlichen Risiken der illegalen Droge Cannabis? „Bei dauerhaftem Cannabiskonsum kann sich eine psychische Abhängigkeit entwickeln“, sagt zum Beispiel Elisabeth Pott, Direktorin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, ohne sich zum konkreten Fall zu äußern. Außerdem gebe es Belege dafür, dass der frühe Einstieg in den Cannabiskonsum nachhaltige Beeinträchtigungen der kognitiven Leistungsfähigkeit zur Folge habe.

Der Sprecher der Grünen Jugend Göttingen argumentiert, der Konsum von Alkohol und Tabak richte viel größere Schäden an. „Da wird mit zweierlei Maß gemessen.“ Es gehe schließlich nicht darum, Menschen dazu anzuleiten, „ständig zu kiffen“. Warum dann aber diese vielen Pflanzen?

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