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Halblegale Altenpflege : Um Opa kümmert sich der Pole

Klaffende Lücken: Deutschland mangelt es an Pflegepersonal, in Polen fehlt es an gutbezahlter Arbeit. Bild: dpa

Eigentlich ist Pawel Baszak Klarinettist. Gerade lebt er mit einem Rentner zusammen und entlastet so das deutsche Pflegesystem. Ein umstrittenes Modell.

          Als Gerd Maiers Söhne es nicht mehr schafften, sich um ihren Vater zu kümmern, engagierten sie einen Polen. Der heißt Pawel Baszak und beginnt seither seinen Tag um sieben Uhr morgens so: Er gibt Maier seine Tabletten und duscht ihn. Gegen sieben Uhr abends endet der Tag für Baszak erst, nachdem er Maier wieder Tabletten gegeben und ihn ins Bett gebracht hat.

          Leonie Feuerbach

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft.

          Gerd Maier und Pawel Baszak, der eine um die 80 Jahre alt und krank, der andere ein 35 Jahre junger Familienvater, haben eines gemeinsam: Wünsche, die schwer oder gar nicht erfüllbar sind. Gerd Maier, der eigentlich anders heißt, wünscht sich vermutlich manchmal, er hätte kein Parkinson und käme allein zurecht. Oder seine Frau würde noch leben, um ihn zu pflegen. Pawel Baszak wünscht sich, er hätte seine Stelle als Konzert-Klarinettist im Orchester von Stettin nicht verloren und wäre nicht auf diese Arbeit angewiesen. Oder es wären wenigstens seine Frau und die drei Kinder bei ihm und nicht weit weg in einem anderen Land.

          Gleichzeitig sind die beiden oft dankbar: Pawel Baszak, weil er endlich nicht mehr arbeitslos ist. Und Gerd Maier, weil ihm das Heim erspart bleibt. Wie ihnen geht es vielen: in Deutschland, wo Pflege als Privatsache betrachtet wird. Und in Osteuropa, wo es an gutbezahlter Arbeit mangelt.

          Pflegenotstand durch demographischen Wandel

          Die Menschen werden immer älter, teils auch mit schweren Krankheiten – und sie wollen nicht ins Pflege- oder Altersheim. Ihre Kinder wiederum wollen oder können sie oftmals nicht pflegen. Sie haben selbst Familie, wohnen an anderen Orten, sind beruflich zu eingespannt. So ist es auch bei den drei Söhnen von Gerd Maier.

          Eine Osteuropäerin oder, in seltenen Fällen, ein Osteuropäer, die oder der zu den alten Menschen ins Haus zieht und rund um die Uhr für sie da ist, erscheint da vielen als perfekte Lösung. Experten gehen von 150.000 bis 300.000 osteuropäischen Pflegekräften in deutschen Rentnerhaushalten aus. Einen alten Menschen aus seiner vertrauten Umgebung zu reißen und ins Heim zu geben erscheint vielen grausam. Wenn ein junger Mensch seine vertraute Umgebung und seine kleinen Kinder verlässt, um einen alten für Geld zu pflegen, meinen hingegen viele, das sei eine „Win-win-Situation“. Dabei haben es die Pfleger und Pflegerinnen oft nicht leicht. Und in den seltensten Fällen ist ihre Arbeit ganz legal. Beim Pflegemarkt handelt es sich um eine umstrittene Grauzone.

          Auf diesem Markt verdienen Vermittlungsagenturen viel Geld mit osteuropäischen Pflegekräften. Ihr Geschäftsmodell entstand mit dem EU-Beitritt von Polen, Tschechien, der Slowakei und anderen Ländern im Jahr 2004 und beruht auf dem sogenannten Arbeitnehmer-Entsendegesetz. Entsenden ausländische Agenturen eine Pflegekraft nach Deutschland, sind sie der Arbeitgeber und müssen ihre Angestellten am Firmensitz versichern und Krankenkassenbeiträge zahlen. Tatsächlich zahlen sie oftmals bloß wenige Euro monatlich in die Sozialversicherung und schließen für die Pfleger nur billige Reisekrankenversicherungen ab, wie Sylwia Timm von der Beratungsstelle „Faire Mobilität“ in Berlin sagt. Sie kritisiert, dass eigentlich nicht die Agenturen, sondern die Rentner die Arbeitgeber sind – und deshalb in Deutschland Lohnkosten und Sozialabgaben gezahlt werden müssten. Die 24-Stunden-Pflege, mit denen die Agenturen werben, ist laut Timm außerdem nur dann legal, wenn sich mehrere Pfleger diese 24 Stunden aufteilen. Das würde 5000 bis 8000 Euro monatlich kosten – und das kann sich kaum ein Rentner leisten.

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