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Großbritannien : Hitler ist eine Erfindung, König Artus hat gelebt

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Schlacht um Helms Klamm: Für viele Briten realer als die Schlacht bei Hastings Bild: Warner/dpa

Andere Länder, andere Bildungslücken: Hitler hat es nie gegeben, die Sagengestalt König Artus dagegen schon. Eine Studie zeigt: Viele Briten bringen Realität und Film durcheinander.

          Das Fernsehen ist schuld, und das Kino diesmal auch. Viele Briten, so hat eine Umfrage ergeben, können historische Personen von Filmfiguren nicht mehr trennen. Das führt zu haarsträubenden Ansichten. Elf Prozent aller Briten halten Adolf Hitler für eine Erfindung. Dagegen sind 57 Prozent davon überzeugt, daß die englische Sagengestalt König Artus wirklich gelebt hat.

          Wie die britische Zeitung „The Independent“ in ihrer Ausgabe vom Montag berichtet, wurde die repräsentative Befragung von 2096 Briten ab 16 Jahren anläßlich des 300. Jahrestages der „Schlacht von Blenheim“ durchgeführt. Bei dem Kampf im Jahr 1704 gelang es einem Vorfahren Winston Churchills, die Truppen Ludwig XIV. zu schlagen. Zum Dank für den Sieg über die Franzosen erhielt die Familie von der Krone Blenheim Palace geschenkt, mit dessen Bau ein Jahr nach der Schlacht begonnen wurde.

          Mussolinis Existenz nicht überzeugend

          Die bewegte Geschichte seiner Familie und sein eigenes politisches Wirken als Premier und Verteidigungsminister im Zweiten Weltkrieg hat Winston Churchill aber wenig genutzt: Immerhin neun Prozent seiner Landsleute halten ihn heute schlicht für eine Erfidnung. Einziger Trost: Kriegsfeind Adolf Hitler wird sogar von elf Prozent der Briten nicht als historische Figur gesehen. Auch den Kampf gegen das Vergessen hat Churchill offenbar gegen den Nazi-Diktator gewonnen. Für noch weniger überzeugend halten die Briten übrigens die Existenz des „Duce“: Italiens Diktator Benito Mussolini ist für ein Drittel der Briten ein Hirngespinst.

          Es gibt aber historische Figuren mit noch deutlich schlechteren Werten: Weder der schottische Rebell William Wallace aus dem 13. Jahrhundert (42 Prozent), noch Benjamnin Disraeli, der Gründer der Tory Partei (40 Prozent) noch Dschinghis Khan (38 Prozent) finden in den Augen einer großen Gruppe der erwachsenen Briten Gnade und werden kurzerhand für niemals existent erklärt. Spitzenreiter der historischen Figuren, die für nicht real erklärt wurden, ist der englische König Ethelred I. (978 bis 1016), den 63 Prozent der Briten für eine Sagengestalt halten.

          Wann tafelte König Artus mit seiner Runde?

          Im Gegensatz zu König Artus. Der sagenhafte Anführer der Ritter von der Tafelrunde hat im Gegensatz zu Ethelred niemals wirklich gelebt, doch 57 Prozent der Briten halten ihn für eine historische Figur. Ebenso wie Robin Hood (27 Prozent) und Conan, den von Arnold Schwarzenegger verkörperten Barbaren (fünf Prozent). Sie alle haben gemein, daß ihre „Geschichte“ vielfach und erfolgreich verfilmt wurde.

          Ähnliche Antworten ergaben die Fragen nach historischen Ereignissen. Niemals stattgefunden hat danach die Ardennen-Offensive im Zweiten Weltkrieg (Dezember/Januar 1944/45), wie mehr als die Hälfte der Briten glauben. Dagegen hält sich hartnäckig der Glaube, die Invasion der Marsianer aus dem „Krieg der Welten“ habe sich wirklich ereignet. Das glauben immerhin sechs Prozent der Briten - gefolgt von der Schlacht bei Helms Klamm aus dem „Herrn der Ringe“ (drei Prozent), der Schlacht von „Endor“ (zwei Prozent) aus „Star Wars“ und sogar den „Planet der Affen“ und den „Kampfstern Galactica“ nehmen ein Prozent der Inselbewohner noch für bare Münze. Für nicht real halten dagegen viele Briten die Schlacht General Custers gegen die Indianer am Little Big Horn (48 Prozent), den 100jährigen Krieg (44 Prozent), den Kalten Krieg (32 Prozent) und die Schlacht bei Hastings (15 Prozent).

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