18.02.2005 · Am heutigen Freitag tritt in Großbritannien das Verbot der traditionellen Fuchsjagd in Kraft. Auch Rotwild und Hasen dürfen jetzt nicht mehr mit Hunden gehetzt werden. Neben vielen Jagdfreunden trauert auch Prinz Chales um eines seiner liebsten Hobbies.
In England und Wales ist die Treibjagd mit Hunden seit Freitag offiziell verboten. Um Mitternacht trat das bereits im November vom Unterhaus beschlossene Verbot in Kraft, das sich auf Füchse, Rotwild und Hasen bezieht.
Unklar ist allerdings noch, wie das Verbot des vor allem auf dem Land tief verwurzelte Sports durchgesetzt werden soll. Bislang habe Generalstaatsanwalt Lord Goldsmith keine Richtlinien für den Umgang mit Jägern erlassen, die gegen das Verbot verstoßen, berichtete die britische Nachrichtenagentur PA am Freitag.
Auch Charles liebt die Fuchsjagd
Bereits für Samstag haben die in regionalen Gemeinschaften organisierten Rotfräcke mehr als 250 Jagden angekündigt, bei denen die Hunde allerdings nicht Füchsen, Hasen oder Rehen, sondern künstlichen Spuren nachstellen sollen. „Falls es aber am Samstag zufällig einen Fuchs erwischt, dann hat er eben Pech gehabt, denn wir sind ja hinter der Spur her und nicht hinter dem Fuchs“, sagte der Geschäftsführer der Pro-Jagd-Vereinigung Countryside Alliance und erklärte, die Polizei habe ohnehin Besseres zu tun. Man erwarte, daß bis zu 500.000 Menschen am Wochenende demonstrativ jagen werden.
Am Donnerstag nahmen noch einmal zahlreiche Berittene und eine große Anhängerschaft zu Fuß die letzte Gelegenheit zu dem 300 Jahre alten „Sport“ wahr. Die Jäger wollten „im Rahmen des Gesetzes jagen, um zu beweisen, wie absurd es ist“, sagte eine Sprecherin der Countryside Alliance, der wichtigsten Vereinigung der Jagdbefürworter. Auch der britische Thronfolger Prinz Charles frönte ein letztes Mal seiner Fuchsjagd-Leidenschaft. Der frisch verlobte 56jährige ritt mit einer seiner liebsten Hundemeuten, der Meyshnell Hunt, durch die Wälder des Bezirks Derbyshire im Nordwesten Englands. Anschließend habe er mit seinen Jagdgenossen in einem Pub einen Drink genommen und gescherzt. „Es wärmt einem das Herz, wenn man den Prinz so eine öffentliche Stellungnahme abgeben sieht“, sagte ein Mit-Jäger der „Times“.
Zuspruch aus Übersee
Die Fuchsjagd-Befürworter bekamen auch Zuspruch aus Übersee. „Gefühle, Unwissen und Vorurteile haben hier jede vernünftige Debatte und wissenschaftlichen Belege einfach unter sich begraben“, sagte Dennis Foster von der Master of Foxhounds Association, dem US-Fuchsjagd-Verband. Foster wies darauf hin, daß die Gegner als nächstes Ziel für ein Verbot die USA ausgemacht hätten. Dort gibt es inzwischen fast ebenso viele Fuchsjagden wie in Großbritannien.
Das Verbot war nach siebenjährigem Ringen im November vom Parlament beschlossen worden. Nach mehreren gescheiterten Anläufen hatte Premierminister Blair die umstrittene Jagd mit einer Sondervollmacht des Parlaments verbieten lassen. Der so genannte Parliament Act ist in den vergangenen 50 Jahren nur dreimal angewendet worden. Mit dieser Sonderregelung kann das Unterhaus ein Gesetz auch ohne Zustimmung der zweiten Parlamentskammer, des House of Lords, durchsetzen. Das Oberhaus hatte mehrere Versuche, die Fuchsjagd zu verbieten, jedes Mal abgeschmettert.
Blairs Regierungsversprechen eingelöst
Blairs Regierung war 1997 mit dem Versprechen angetreten, die vor allem beim Adel beliebte Fuchsjagd abzuschaffen. Während Tierfreunde die Treibjagd auf Füchse mit Hunden für elitär und grausam halten, verteidigen die Jagdfreunde sie als Bestandteil der ländlichen Tradition, welche zudem Arbeitsplätze schaffe. Durch die Tötung von rund 15.000 Füchsen jährlich bei der Jagd werde außerdem die Population von knapp 250.000 Füchsen in Schach gehalten, argumentieren die Jäger. Gegner der Jagd verweisen dagegen auf wissenschaftliche Studien, wonach die Tierart sich selbst reguliert.
In Schottland wurde die Hetzjagd bereits vor rund zwei Jahren verboten. Der normale Abschuss von Füchsen ist nach wie vor zulässig.