17.11.2003 · Die westfranzösische Stadt Saint-Nazaire hat am Montag von den 15 Toten auf der Baustelle der „Queen Mary 2“ Abschied genommen. Die Ursachen des Unglücks sind noch ungeklärt.
Mit Sirenen und Glockengeläut hat die französische Hafenstadt Saint-Nazaire am Montag Abschied von den Opfern des „Queen Mary 2“-Unglücks genommen. Im Zeichen der Trauer um die 15 Toten ließen die fast 10.000 Arbeiter, die das weltgrößte Passagierschiff noch vor Weihnachten fertig stellen müssen, die Arbeit ruhen. In der Stadt an der Loire-Mündung kam das öffentliche Leben praktisch zum Erliegen: Geschäfte schlossen, in Schulen, Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen legten Tausende Menschen Gedenkminuten ein.
Unterdessen sind der Unfallhergang und die Ursache nach Worten der Staatsanwaltschaft noch völlig ungeklärt. Die Staatsanwaltschaft leitete ein Verfahren gegen Unbekannt wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung ein. Der ermittelnde Staatsanwalt suchte die Unglücksstelle zwei Mal auf, die Polizei sperrte den Ort zur Beweissicherung ab. Experten untersuchten die Trümmer des eingestürzten Steges, über den die Besucher in das Schiff im Trockendock strömten.
Steg gab nach
Die Gangway war am Freitag von der Firma Endel installiert worden und nicht speziell für Besucher gedacht. Nach Informationen der Tageszeitung „Le Parisien“ hatte die Werftleitung die Brücke am Mittwoch kurzfristig austauschen lassen, weil ein zuvor installierter Steg nicht die gewünschte Breite hatte. Die Geschäftsleitung erklärte, sie werde die Untersuchung voll unterstützen. „Wir können uns das nicht erklären“, sagte ein Sprecher, der auf die lange Zusammenarbeit mit der Werft verwies.
40 Menschen waren am Samstag in die Tiefe gerissen worden, als die Metallbrücke plötzlich nachgab. Sechs Opfer schwebten am Montag noch in Lebensgefahr. Nach ersten Zeugenaussagen knickte der 10 Meter lange und nur 1,50 Meter breite Steg in der Mitte ein.
Aktien unter Druck
Die Opfer waren zumeist Angehörige und Freunde der Werftarbeiter, die das luxuriöse Kreuzfahrtschiff besuchen wollten, das mit 345 Metern noch 75 Meter länger ist als die legendäre „Titanic“. Die Reederei Cunard dringt darauf, daß der Ozeanriese fristgerecht nach Großbritannien überführt wird. Am 8. Januar wird die britische Königin Elizabeth II. im Heimathafen Southampton zur Schiffstaufe erwartet. Am 14. Januar soll die „Queen Mary 2“ zu ihrer großen Jungfernfahrt in See stechen.
Die Aktien des Werftbetreibers, des Industriekonzerns Alstom, und des Unternehmens Suez, zu dem auch die Firma Endel zählt, gerieten am Montag erheblich unter Druck. Obwohl die Verantwortung für das Unglück noch nicht geklärt war, befürchteten die Anleger Rückwirkungen auf die Geschäfte im Schiffsbaubereich. Die Alstom-Werft Saint-Nazaire leidet unter Auftragsmangel. Anschlußaufträge in ähnlicher Größenordnung wie die Queen Mary sind nicht in Sicht.