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Grenoble : Bäume statt Werbetafeln

Werbung und Bäume: Noch gibt es in Grenoble beides Bild: AFP

Der Bürgermeister von Grenoble sieht sich als Pionier einer neuen urbanen Lebensform. Er verbannt Werbeschilder aus seiner Stadt und pflanzt dafür Bäume. Darin erschöpft sich sein Drang zur Stadtverbesserung aber längst nicht.

          Bäume statt Werbetafeln: Mit diesem Spruch hat Eric Piolle im März das Rathaus der französischen Alpenstadt Grenoble erobert. Jetzt löst der 41 Jahre alte Bürgermeister sein Versprechen ein. Er verbannt die Werbeschilder aus der Innenstadt. „Grenoble wird damit zum europäischen Vorreiter für eine werbefreie Stadt“, schwärmte er. In den kommenden vier Monaten sollen 326 Reklametafeln abgebaut werden, die 2051 Quadratmeter öffentlichen Raum einnehmen. Den Vertrag der Stadt mit der Werbefirma JC Decaux ließ er kündigen.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Piolle spricht von einer „Befreiung des öffentlichen Raums“. Der Bürgermeister sieht sich als Pionier einer neuen urbanen Lebensform. Als erster Grüner in Frankreich trägt er die Verantwortung für eine Stadt mit mehr als 160.000 Einwohnern. „Wir sind Pioniere, wir erfinden eine neue schönere, städtische Lebensweise“, sagte er. 50 Bäume sollen dort gepflanzt werden, wo jetzt noch große Werbetafeln stehen. Zudem hat Piolle vorgesehen, kleinere Tafeln aufstellen zu lassen, die zur Ankündigung kultureller, politischer und sozialer Veranstaltungen genutzt werden können. Diese Tafeln sollen nicht wie die Reklame die Blicke der Autofahrer anziehen, sondern Fußgänger zum Verweilen anhalten.

          Jeder soll auf das Auto verzichten können

          Auch die Autofahrer hat der Bürgermeister nicht ins Herz geschlossen. Er radelt selbst bei Regen und Schnee ins Rathaus. Den Dienstwagen ließ er abschaffen. Seine Bezüge und die aller gewählten Stadtratsmitglieder kürzte er um 25 Prozent. Das spart 300.000 Euro im Jahr. Der Bürgermeister findet, dass die Volksvertreter im kriselnden Frankreich gut daran tun.

          Piolle will, dass in Grenoble jeder auf das Auto verzichten kann. Der Stadtverbesserungsdrang des jungen Bürgermeisters kommt bei den Grenoblois gut an. Piolles Vorgänger, der Sozialist Michel Destot, hatte fast 20 Jahre in der Alpenstadt geherrscht und sein Heil in Projekten wie dem Bau eines überdimensionierten Alpenstadions, dem Ausbau der Stadtautobahn oder der Bewerbung um die Olympischen Winterspiele 2018 gesucht.

          Piolle überraschte aber auch die eigene Partei. Seit 2009 ist er „Europa Ökologie Die Grünen“ beigetreten, aber hat sich von der grünen Führungsriege in Paris immer ferngehalten. Von Präsident Francois Hollande erwartet er ohnehin nichts. „An der Spitze der Sozialistischen Partei hat er ein Jahrzehnt lang nichts vollbracht“, sagte Piolle. Er sieht sich als neuer Politikertyp, für den der Bürgermeisterposten kein Karrieresprung, sondern ein Auftrag zur Veränderung ist. Mehrere Jahre lang hat der Ingenieur Piolle als Manager bei dem Computerhersteller Hewlett Packard gearbeitet. In Grenoble will der Vater von vier Kindern nun die Stadtverwaltung dazu verpflichten, alle wichtigen öffentlichen Daten über Bauprojekte, Schulwesen oder Energieversorgung als „open data“ frei verfügbar zu machen.

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