http://www.faz.net/-gum-15sdn

Grabsteinprüfer erfindet Kipp-Tester : „Um Gottes Willen nicht am Grabstein rütteln!“

  • Aktualisiert am

„Grabsteine müssen einmal im Jahr auf ihre Standsicherheit geprüft werden”, erklärt Peters Bild: SSI Udo Peters Instrumente

Ein Grabsteinprüfer hat einen Kipp-Tester erfunden, mit dem man die Standfestigkeit von Grabsteinen untersuchen kann. 4500 Stück hat er schon verkauft, und sogar ins Fernsehen hat es das Gerät geschafft, allerdings wurde es dort zweckentfremdet.

          Grabsteinprüfer Udo Peters hat einen Kipp-Tester erfunden, mit dem man die Standfestigkeit von Grabsteinen untersuchen kann. 4500 Stück hat er schon verkauft, auch ins Ausland. Sogar ins Fernsehen hat es das Gerät schon geschafft, allerdings wurde es dort zweckentfremdet.

          Herr Peters, sind Friedhöfe zu Beginn des Frühlings ein gefährlicher Ort?

          Nein, sicherlich nicht. Ein typischer Fall wäre aber: Eine ältere Dame pflegt kniend das Grab ihres verstorbenen Ehemannes. Um wieder hoch zu kommen, hält sie sich am Grabstein fest – dieser ist locker und fällt auf sie. Ein solches Opfer wird auf einem Friedhof kaum gesehen werden. Es sind schon Menschen zu Tode gekommen, weil sie unter dem Grabstein erstickt sind.

          Udo Peters mit seinem Kipp-Tester bei der Überprüfung eines Grabsteins

          Nach der Frostperiode beginnt also nun die Grabsteinprüf-Saison. Der harte Winter hat vermutlich besonders viele Steine wackelig gemacht?

          Ja, bei den tiefen Temperaturen können Risse entstehen. Je härter der Winter, desto mehr Grabsteine werden nicht mehr standsicher sein.

          Wann kam Ihnen die Idee, einen Kipp-Tester zu erfinden, der die Standfestigkeit von Grabsteinen prüft?

          Das war ein trauriger Anlass. Nach dem Tod meines Vaters ging ich inmitten der Trauergemeinde zum Grab. Ich habe versucht, mich abzulenken und Halt zu finden mit den Augen. Da fiel mir ein Grabstein auf, der so schief stand, dass er jeden Moment umkippen konnte. Ich habe dann herausgefunden, dass Grabsteine in Deutschland einmal im Jahr auf ihre Standsicherheit geprüft werden müssen.

          Und seitdem sind Sie den Wackelkandidaten auf der Spur?

          Ja. Ich war damals Vertriebsleiter einer Firma, die Materialprüfmaschinen und Kraftmessgeräte herstellte. Ich kam also vom Fach. Aus den Wünschen der Friedhofsverwalter habe ich dann das Prüfgerät entwickelt, innerhalb eines Monats nachdem meine Firma in Konkurs gegangen und aufgelöst war. Dann habe ich mich damit selbständig gemacht und bin mit dem Ding auf den Markt gegangen.

          Sie leben vom Absatz des Kipp-Testers?

          Richtig. Anfangs wollte ich noch andere Sonderprüfgeräte entwickeln. Aber dann stellte sich heraus: Der Markt braucht einfach Grabstein-Prüfgeräte.

          Wie viele Kipp-Tester haben Sie schon verkauft?

          Rund 4500 Stück. Bis vor zwei Jahren habe ich etwa 40 Prozent meines Umsatzes mit Kunden aus Großbritannien gemacht. Die sind aber auf die drollige Idee gekommen, dass man die Grabsteine nicht mehr jedes Jahr, sondern nur noch alle fünf Jahre prüfen müsse. So ist der Umsatz dort etwas zurückgegangen. Aber dafür erschließe ich auch neue Märkte. Ein Kipp-Tester ist tatsächlich nach Perth in Australien verkauft worden.

          Wie funktioniert das Gerät?

          Der Kipp-Tester hat die Größe einer Haarspraydose und zwei Griffe. Man drückt mit der Gummiseite horizontal gegen die Kante des Grabsteins – und wenn man die Prüfkraft erreicht, ertönt ein Summton. Bei der ersten Version des Geräts 1997 wurde jeder Grabstein, unabhängig von seiner Höhe, nur mit 500 Newton geprüft. 2001 gab es dann die Änderung, dass Grabsteine, die kleiner als 70 Zentimeter sind, nur mit 300 Newton geprüft werden müssen. Der Kipp-Tester ist ein robustes Gerät für 626 Euro plus Mehrwertsteuer – ohne Elektronik, die kaputtgehen kann. In den letzten drei Jahren sind nämlich noch drei andere Anbieter mit elekronischen Geräten auf den Markt gekommen.

          Bei 4500 verkauften Geräten können ja noch nicht allzu viele deutsche Friedhöfe ihr Gerät haben.

          Das stimmt. Man geht, inklusive der kleinen Dorffriedhöfe, von etwa 50 000 Friedhöfen in Deutschland aus. Da ist immer noch ein riesiger Markt.

          Und warum halten sich manche mit dem Kauf zurück?

          Die Friedhofsverwalter haben manchmal Angst vor der Reaktion der Angehörigen, der Grabsteinnutzungsberechtigten. Wenn man einen Stein neu befestigen lassen möchte, kostet das ja auch ein paar hundert Euro. Die Friedhofsverwalter bekommen zu wenig Rückendeckung für die wirklich erforderlichen Maßnahmen.

          Aber Sie suchen auch die Öffentlichkeit jenseits der Friedhofsverwalter . . .

          In der Sendung „Genial daneben“ hat Hugo Egon Balder mit dem Gerät mal versucht, Hella von Sinnen auf ihre Standfestigkeit zu überprüfen. An dem Abend hatte ich knapp 1000 Besuche auf meiner Homepage.

          Wie werden denn Grabsteine ohne Prüfgeräte geprüft? Werfen sich dann starke Männer dagegen?

          Es wird am Stein gerüttelt. Die Rüttelprüfung ist aber verpönt, weil eine Verdübelung immer etwas Spiel kriegen kann über die Jahre. Wenn man hin- und herrüttelt, können die Kräfte so groß werden, dass es immer weiter ausschlägt und der Grabstein irgendwann umfällt. Also: Um Gottes Willen nicht rütteln!

          Weitere Themen

          Forscher suchen Monster-DNA Video-Seite öffnen

          Loch Ness : Forscher suchen Monster-DNA

          Seit mehr als tausend Jahren gibt es Berichte über ein Monster im schottischen See Loch Ness. Nun will ein neuseeländischer Forscher die Kreatur endlich aufspüren: mithilfe von DNA-Proben aus dem Wasser.

          Topmeldungen

          Joachim Löw: „Wir haben immer geglaubt, dass wir das Spiel noch drehen können.“

          Löw nach Schweden-Spiel : „Es war ein Sieg der Moral“

          Die Wende gegen Schweden sieht Bundestrainer Löw als positives Zeichen für das weitere Turnier. Über ein mögliches Achtelfinale gegen Brasilien will er aber noch nicht sprechen.

          Flüchtlinge : EU-Staaten drängen auf Abschottung

          Vor dem Sondergipfel zur Flüchtlingspolitik verlangt Österreich den Einsatz von Soldaten an der EU-Außengrenze. Frankreich und Spanien fordern die Einrichtung von Flüchtlingszentren. Bundestagspräsident Schäuble warnt Horst Seehofer.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.