01.10.2004 · Ein Mörder, der auf Freilassung dringt, Geheimdienstdossiers, die freigegeben werden müssen: John Lennon bleibt mehr als 20 Jahre nach seinem Tod in den Schlagzeilen.
Der zu lebenslanger Haft verurteilte Mörder von John Lennon hat nach mehr als zwei Jahrzehnten im Gefängnis um vorzeitige Haftentlassung gebeten. Mark Chapman habe einen Antrag auf vorzeitige Entlassung gestellt, der in der kommenden Woche geprüft werden solle, teilte ein Vertreter des Haftprüfungsausschusses des Bundesstaates New York mit. Gleichzeitig sind Forderungen aufgetaucht, Geheimdokumente über den Kopf der „Beatles“ endlich freizugeben. Es geht um zehn Seiten eines in den siebziger Jahren angelegten ausführlichen Dossiers, die noch immer unter Verschluß gehalten werden.
Lennon-Mörder Chapman unternimmt den dritten Versuch, wieder auf freien Fuß zu gelangen. Zwei ähnliche Gnadengesuche waren in den Jahren 2000 und 2002 abgelehnt worden. Chapman hatte John Lennon am 9. Dezember 1980 vor seinem Wohnhaus in New York mit fünf Schüssen in den Rücken getötet. Er wurde im August 1981 zu lebenslanger Haft verurteilt. Im Mai wird er 50 Jahre alt.
Unterschriften gegen die Freilassung
Bei der Überprüfung von Chapmans erstem Antrag auf Haftentlassung hatte der Ausschuss geurteilt, der Häftling werde bis heute von jenem Drang nach „Ruhm und Bekanntheit“ getrieben, der ihn zum Mörder gemacht hatte. Beim zweiten Antrag wurde dem Häftling eine „sehr positive“ Entwicklung bescheinigt, jedoch gleichzeitig betont, sein Verhalten im streng geregelten Haftalltag lasse keine Rückschlüsse darauf zu, wie er sich in Freiheit verhalten würde.
Lennon-Fans sammeln derzeit im Internet Unterschriften gegen eine
Freilassung Chapmans. Auch Lennons Witwe Yoko Ono schrieb laut einem Bericht der „New York Post“ an den Haftprüfungsausschuß und warnte, eine Haftentlassung des Mörders werde „den Albtraum, das Chaos und die Verwirrung“ wieder aufleben lassen, die seine Tat angerichtet habe.
FBI muß Geheimdokumente freigeben
Unterdessen hat ein kalifornisches Bundesgericht angeordnet, daß die Bundespolizei FBI die letzten Geheimdokumente über John Lennon freigeben muß. Die Dossiers waren Anfang der siebziger Jahren angelegt worden, als Lennon und seine Frau Yoko Ono als engagierte Anhänger der Friedensbewegung und Gegner des Vietnamkrieges auftraten.
Die letzten zehn geheimgehaltenen Seiten sollen dem amerikanischen Historiker Jonathan Wiener übergeben werden, der seit 1983 mit gerichtlichen Schritten um die Freigabe der Papiere kämpft. Mehr als 200 Seiten aus der Geheimakte wurden Wiener bereits 1997 durch einen Richter zugesprochen. Aus den Unterlagen ging hervor, daß Lennon jahrelang von Geheimdiensten beobachtet und abgehört wurde. Der Historiker veröffentlichte die Auswertung der Akten in dem Buch „Gimme Some Truth: The John Lennon FBI File“.
Die restlichen Seiten dokumentieren vermutlich Lennons Überwachung durch die britische Regierung, glaubt Wiener. Es sei absurd, daß das FBI noch heute alte Dokumente über die Anti-Kriegs-Aktivitäten eines Rockstars unter Verschluß halten wolle. Der Richter wies die Einwände der Bundespolizei zurück, wonach die Freigabe der Dokumente die nationale Sicherheit gefährde.
Der damalige amerikanische Präsident Richard Nixon hatte kurz vor seiner Wiederwahl gefordert: „Schmeißt ihn aus dem Land!“