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Glosse Griechenland verkauft erste Insel

07.03.2010 ·  Fans der griechischen Ägäis können sich freuen: Die erste unbewohnte Insel wird zum Verkauf angeboten, damit die Regierung in Athen ihre Schulden ausgleichen kann. Die kleine Insel ist echt schräg und liegt unweit von Athen.

Von Marco Dettweiler
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Es ist noch geheim und das Verbreiten der Nachricht wird - wie die Zubereitung des „Greek Coffee“ - natürlich noch eine Weile dauern: Griechenland hat die erste unbewohnte Insel zum Verkauf angeboten. Diese Information ist vermutlich sogar so geheim, dass es nie jemand erfährt. Es handelt sich wahrlich um eine schräge Insel, die vom Athener Festland aus angeboten wird. Sie liegt auf dem Weg von Piräus zu den Kykladen. So ziemlich jede Fähre kommt an ihr vorbei.

Josef Schlarmann von der CDU wird an die namenlose Insel vermutlicht gedacht haben, als in der Bild-Zeitung den Vorschlag machte: „Griechenland besitzt Gebäude, Firmen und unbewohnte Inseln, die für die Schuldentilgung eingesetzt werden können.“ Nur hat er nicht verraten, wo man sie findet. Am einfachsten ist der direkte Weg von Piräus nach Paros, Naxos oder Santorini. Die Fähren nehmen am Anfang die gleichen Route, wenn sie den Athener Hafen verlassen. Wem Griechenland zu fern und der Computer nahe ist, kann sich bei Google Earth auf die Suche machen. Am besten „Paros“ eingeben und nordwestlich suchen.

Unerfahrene Kykladen-Touristen erkennen die Insel zunächst nicht als solche. Insel-Laien sehen ein untergehendes Schiff, quasi eine Titanic der Ägäis ohne Schornsteine. Sie alarmieren hektisch den Kapitän. Nebenbei nerven sie die anderen relaxten Reisenden, während sie immer wieder auf den Haken im Meer zeigen. Völlig Blinde treten erschrocken ein Stück von der Reling zurück, weil sie glauben, einen Riesen-Hai zu sehen, der hungrig zwischen den Kykladen-Inseln nach Opfern sucht.

Vorsicht mit Seeigeln

Erfahrene Insel-Hopper wissen um die Vorteile dieser unbewohnten Insel. Aufgrund ihrer Schräglage lässt sie sich wunderbar nutzen, um vom höchsten Punkt aus direkt ins Meer zu rutschen. Wie auf jeder Insel thront auch dort oben eine kleine Kirche. Die Pforte eignet sich perfekt, um sich mit beiden Händen links und rechts festzuhalten und richtig Schwung zu nehmen. Beim Eintritt ins Wasser empfiehlt sich ein kurzer Sprung, denn wie überall in den Ägäis lauern fiese Seeigel an der Schwelle zwischen Strand und Meer. Doch selbst wenn der eine oder andere Stachel hängen bleibt. Das blaue Wasser entschädigt für die Schmerzen.

Das einzige Problem an der Insel ist, dass sie nur schwerlich zu erreichen ist. Weil sie unbewohnt ist - was man in der Ägäis übrigens nie so richtig weiß -, hält keine Fähre, und weil in der Nähe keine Häfen sind, die sich von Juni bis September mit elenden Rucksackreisenden und Pseudo-Künstlern füllen, findet man auch so schnell keinen Fischer mit einem Boot, der für ein paar Euro Fährmann spielt. Bleibt also nur der beherzte Sprung von Bord der Fähre mit anschließenden kräftigen Zügen durch das salzige Wasser. Das sollte kein Problem sein, die See bleibt in der Ägäis meist ruhig - sofern nicht der böse Meltemi kommt und alles wegfegt.

Da die Fährverbindung Piräus-Paros eine der beliebtesten Griechenlands ist, passieren täglich mehrere Fähren den Ein- und Ausstiegsplatz auf dem Meer. Für den Rückweg nach Athen oder die Weiterfahrt zu den bewohnten Kykladen-Inseln ist also gesorgt. Ein Rettungsreifen ist ganz praktisch, falls mal eine Fähre länger auf sich warten lässt. Das Schiff aufzuhalten, ist allerdings gar nicht so einfach. Die Crew guckt gerne mal Fußball-Championsleague, was auch schon dazu führte, dass eine Fähre gegen eine Felsen vor Paros fuhr und im Meer versank. Also: Aufmerksam sein, kräftig winken und die Gastfreundlichkeit der Griechen loben.

Besser unbewohnte Inseln

Was bleibt, ist aber ein weiteres Problem: die Wasserversorgung. PET-Flaschen mit stillem Mineralwasser, wie sie an jeder Ecke in Griechenland für einen Euro zu haben sind, werden Insel-Eroberer vergeblich suchen. Sich auf der Fähre einzudecken ist teuer und belastet beim Schwimmen. Ein echtes Dilemma. Denn Wasser braucht man in Griechenland. Man verdurstet dort eher als dass man vom Hai gefressen wird, mit der Fähre untergeht oder an einer Ouzo-Vergiftung stirbt.

Dennoch: Der Kauf dieser unbewohnten Insel lohnt sich. Sie ist mit der Fähre in zwei bis drei Stunden von Piräus aus zu erreichen. Der Haken, wie sie Reisende nennen, hat eine überschaubare Größe und die Strände sind noch nicht verschmutzt. Wozu noch auf überfüllte Inseln fahren wie Paros, Santorini oder Naxos? Mal schauen, wann die Nachricht offiziell ist. Wir bieten auf jeden Fall mit!

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Jahrgang 1971, Redakteur in der Wirtschaft.

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