http://www.faz.net/-gum-8jw0u

Olympische Spiele in Rio : Bitte bleiben Sie gesund!

Mit den richtigen Vorkehrungen wird die Reise nach Rio nicht zum Höllentrip. Bild: dpa

Heute beginnt Olympia in Rio. Im größten südamerikanischen Land lauern viele gefährliche Krankheiten. Doch wer vorsorgt und sich schützt, kann risikolos reisen. Ein kleines A-Z.

          Aids – Vorbild für andere

          Vor gut 20 Jahren drohte Aids in Brasilien und Südafrika gleichermaßen zur gesundheitlichen Katastrophe zu werden. Die beiden Schwellenländer aber - Brasilien ist siebenmal so groß wie Südafrika und hat fast viermal so viele Einwohner - hatten die Wahl: Die Regierung in Pretoria leugnete bis 2009, dass es einen Zusammenhang zwischen HIV und Aids gibt, deshalb wurden HIV-Infizierte nicht mit den 1996 eingeführten antiretroviralen Medikamenten behandelt. Heute ist fast jeder siebte Südafrikaner mit HIV infiziert. Brasilien hingegen ist ein Vorbild im Kampf gegen Aids. Seit 1988 ist Gesundheit als Bürgerrecht in der Verfassung verankert. Jeder der 200 Millionen Brasilianer hat Anspruch auf eine Behandlung, die vom Staat finanziert wird. Die Hauptrisikogruppen einer HIV-Infektion werden nicht kriminalisiert: Prostitution ist nicht verboten, es gibt staatlich geförderte Spritzentauschprogramme für Drogenabhängige, seit 2013 ist die Ehe zwischen zwei Männern oder zwei Frauen der Ehe von Mann und Frau gleichgestellt.

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) spricht von einer „stabilen und konzentrierten“ Aids-Epidemie. Etwa 830.000 Brasilianer sind mit dem HI-Virus infiziert, das sind knapp 0,5 Prozent der Bevölkerung. Die Infektionsraten sind niedrig, auf 100.000 Einwohner kommen 20 Fälle im Jahr. Besonders gehäuft treten Infektionen im Süden des Landes (Rio Grande do Sul) und im Amazonasgebiet auf, wo es offenbar an Aufklärung mangelt. In Großstädten wie Rio de Janeiro leben viele der Hauptrisikogruppen - Schwule, Prostituierte, Transgender. Die Gefahr, sich mit HIV zu infizieren, ist trotzdem auch dort nur unwesentlich größer als in Frankfurt oder Berlin.

          Dengue – Nie ohne Mückenschutz

          Auch wenn alle derzeit von Zika reden: Es gibt weitaus schlimmere, tödliche Infektionskrankheiten in Brasilien. Dazu zählt vor allem Dengue. 1,65 Millionen Fälle gab es im vergangenen Jahr, das war neuer Rekord, und es waren dreimal so viele Erkrankungen wie 2014. Es gibt Regionen im Land, da werden die Krankenhäuser der Patienten mit plötzlich auftretendem Fieber und starken Kopf- und Gliederschmerzen kaum Herr. Das Denguevirus wird von der Denguemücke übertragen. Das Insekt ist auch bekannt als Gelbfieber- und neuerdings als Zikamücke, eigentlich heißt es Ägyptische Tigermücke (Aedes aegypti). Neben Artgenossen wie der Asiatischen Tigermücke (Aedes albopictus), die auch in Deutschland vorkommt, ist es eines der gefährlichsten Krankheitsüberträger der Welt. Im Repertoire hat die Mücke auch das Chikungunyavirus. Chikungunya bedeutet so viel wie „gekrümmt Gehender“.

          Das Chikungunyafieber führt zu Muskel- und Gelenkschmerzen und klingt nach zwei Wochen meist ohne bleibende Schäden ab. Gelbfieber wiederum kommt nur sporadisch in Brasilien vor. Zwischen Juli 2014 und Juni 2015 gab es sieben Fälle, vier der Erkrankten überlebten nicht. Die Olympiastadt Rio gehört nicht zu den Gelbfiebergebieten, aber der Amazonas, Bahia, São Paulo und die Iguaçu-Wasserfälle schon. Wer dorthin will, sollte über eine Impfung nachdenken. Das Denguefieber, an dem 2015 nach WHO-Angaben 863 Menschen starben, kommt in fast ganz Brasilien vor. Gegen Dengue gibt es seit 2015 eine wirksame Impfung, Mückenschutzmittel sollte man aber trotzdem stets dabeihaben. Die Weibchen stechen tagsüber, besonders zwei Stunden vor und nach Sonnenauf- und -untergang.

          Magen-Darm-Infekt – Austern am Strand

          Die Azteken waren nicht in Brasilien, insofern muss man im Land von Caipirinha auch nicht Montezumas Rache fürchten, der Herrscher über das Reich der Azteken war. Der Brasilianer an sich legt großen Wert auf Hygiene - was man angesichts der verdreckten Buchten, in die sich die Kloaken von Rio de Janeiro ergießen, kaum glauben mag. Am Strand jedoch kann man tatsächlich unbedenklich einen Cocktail bestellen, die Fruchtsäfte an der Copacabana sind selbst mit Eiswürfeln keine Gefahr. Sogar Austern werden am Strand angeboten. Wer die Muschelweichtiere mag, sollte zugreifen: Preiswerter bekommt man sie nirgendwo. In seltenen Fällen können allerdings auch in Brasilien Lebensmittel und Wasser verunreinigt sein, was zu Magen-Darm-Erkrankungen durch Viren, Bakterien, Toxine und Parasiten führen kann. Vorsicht ist angezeigt in ländlichen Gebieten und im Norden des Landes. Wer Übelkeit, Bauchkrämpfe, Erbrechen und Durchfall vermeiden will, sollte aber auch das Leitungswasser in Rio nicht trinken. Zähneputzen damit ist unbedenklich.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Zweite Chance für die GroKo : Zwischen gestern und morgen

          Diese Woche traf sich der CDU-Bundesvorstand zur Besprechung der Wahlanalysen und zur Klärung der Frage, wie man der SPD begegnen solle. Es wurde deutlich: Für eine große Koalition gibt es noch allerhand Unwägbarkeiten.

          Heinz-Christian Strache : Mit anstößigen Sprüchen nach oben

          Seit 2005 führt er die rechte FPÖ, in der neuen österreichischen Regierung wird er Vizekanzler. In seiner Jugend verkehrte Strache mit Neonazis. Ein Porträt.
          Das amerikanische Verteidigungsministerium Pentagon (Archivaufnahme von 2008)

          Verteidigungsministerium : Das Pentagon forschte jahrelang nach UFOs

          Über Jahre wurden Millionen-Aufwendungen für das „Programm zur Identifizierung von Bedrohungen im Luft-und Weltraum“ im Verteidigungshaushalt versteckt. Doch auch nach Ablauf des Programms verfolgten Mitarbeiter Berichte über UFOs.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.