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Sonntag, 12. Februar 2012
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Zahnaufhellung Bloß kein Hollywood-Weiß

25.04.2010 ·  Wellness für die Zähne kommt auch in Deutschland immer mehr in Mode. Allerdings bleicht man hierzulande nicht so stark wie in Amerika. Nicht „Klaviertasten“ im Gesicht sollen es sein, sondern „natürliche Schönheit“.

Von Katja Gelinsky
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Der Blick vom Behandlungsstuhl auf den Deutschen Dom ist phantastisch. Halb liegend, kann man das Relief am Hauptportal bewundern. Wem das zu langweilig ist, der kann auf einem dezent in der Zimmerdecke verankerten Flachbildschirm fernsehen. „Wir wollen unseren Kunden Wohlfühlatmosphäre bieten“, sagt Hakan Uzun.

Deshalb auch die Bodenvasen im Foyer, der Zimmerbrunnen zwischen weißen Sesseln und ein Empfangstresen, aus dem blaues Licht aufsteigt. Hinter dem Tresen steht eine attraktive Rezeptionistin. Lange, blonde Haare, raffiniert geschminkt, figurbetont angezogen, strahlendes Lächeln. Selbstverständlich hat die Empfangsdame wunderschöne weiße Zähne. Darum geht es schließlich bei „White Smile“, dem „Spezialcenter für Bleaching und Prophylaxe“. In feinster Lage, direkt am Berliner Gendarmenmarkt, kann man sich in der „Dental Wellness Lounge“ die Zähne reinigen und aufhellen lassen.

Hakan Uzun ist der Geschäftsführer dieses Salons für Zahnpflege und Zahnkosmetik. Der 39 Jahre alte Zahnarzt trägt ein weißes Hemd zu modischen Jeans und schwarzen Lederschuhen. Sein Arbeitsplatz ist das Privat-Institut für Ästhetische Zahnheilkunde – so heißt Uzuns Zahnarztpraxis in der Charlottenstraße, schräg gegenüber von „White Smile“. Vor fünf Jahren hat der auf ästhetische Zahnheilkunde und Implantologie spezialisierte Zahnarzt das Bleaching-Studio eröffnet, in dem speziell geschulte Zahnarzthelferinnen der Kundschaft die von Zigaretten, Rotwein oder Tee verfärbten Zähne reinigen und mit peroxidhaltigem Bleichgel aufhellen. Wellness für die Zähne ohne Zahnarztgeruch und Bohrgeräusche im Hintergrund: Das ist Uzuns Konzept.

Noch sind Bleaching Lounges rar in Deutschland. „Meines Wissens gibt es solche Spezialeinrichtungen bislang nur in Metropolen wie Berlin und Frankfurt“, sagt Dirk Kropp von der „Initiative proDente“, einem Verein von Zahnärzten und Zahntechnikern, die für schöne Zähne werben – mit gemischtem Erfolg. Nach Umfragen findet zwar die ganz große Mehrheit der Deutschen strahlend weiße Zähne erstrebenswert. Aber nachhelfen lassen möchten die wenigsten. Bleaching komme „nicht in Frage“, gaben 68 Prozent an, als sie 2008 im Auftrag von „proDente“ zu Zahnaufhellungen befragt wurden. Der Anteil der Deutschen, die sich ihre Zähne schon einmal haben bleichen lassen, lag nach der Erhebung bei nur 15 Prozent. Immerhin gaben 16 Prozent an, ein Bleaching sei „fest geplant“.

Gesundheitlich unbedenklich

Anbieter dagegen beobachten „eindeutig“ einen Trend zu zahnästhetischen Behandlungen. Die Nachfrage steige deutlich, sagt Siegfried Marquardt, Spezialist für ästhetische Zahnmedizin aus Tegernsee und Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für ästhetische Zahnheilkunde (DGÄZ). Besonders gefragt seien „ein harmonischeres Lächeln, gerade Zähne und hellere Zähne“.

Dass sich ein Hollywood-Lächeln nicht mit Bleich-Produkten aus der Drogerie erkaufen lässt, hat sich offenbar herumgesprochen. Die Verkaufszahlen für solche Gels, Pasten und Kaugummis sind drastisch zurückgegangen. Viele der angeblichen Zaubermittel sind wieder aus den Regalen verschwunden. Denn die Zähne blieben nicht nur gelb. Wer Pech hatte, bekam außerdem eine Zahnfleischentzündung, weil das Bleichmittel aus den schlecht sitzenden Universalschienen quoll. Beim Zahnarzt werden die Schienen individuell angepasst; die Aufhellung gilt als gesundheitlich unbedenklich. Für das „Home Bleaching“ nimmt der Patient die Schiene und ein relativ schwach konzentriertes Aufhellmittel mit nach Hause und lässt es für etwa 14 Tage über Nacht wirken. Wem das zu umständlich ist, der entscheidet sich für ein „Office bleaching“ beim Zahnarzt oder im Studio. Das Bleichgel dort ist höher konzentriert und wird oft durch spezielle Lampen verstärkt. Während die Preise fürs „Home Bleaching“ bei 150 Euro beginnen, kostet das Schnellverfahren ungefähr das Doppelte. In beiden Fällen zahlt die Krankenkasse nichts zu.

Klaviertasten im Gesicht

Bei „White Smile“ kostet eine Sitzung 390 Euro, inklusive vorheriger Untersuchung. Hinzu kommen die Kosten für die obligatorische Zahnreinigung, ohne die die Prozedur ineffektiv wäre. Kronen und Füllungen werden ausgewechselt, da sie nicht mitgebleicht werden können. Dann kostet das Perllächeln schnell Tausende von Euro. Aber wie in den Vereinigten Staaten, dem Mutterland des Bleaching, gelten auch hierzulande weiße Zähne zunehmend als Erfolgsfaktor. Und zwar keineswegs nur im Showbusiness. „Zu uns kommen auch Führungskräfte aus Unternehmen und Ministerien sowie Leute, die viel Kundenkontakt haben, Autoverkäufer und Immobilienmakler zum Beispiel“, sagt Uzun. Oft sei ein Bewerbungsgespräch der Grund fürs erste Bleaching. „Oder Aufnahmen für Hochzeitsfotos.“ Zielgruppe sind Kunden Anfang bis Mitte dreißig und aufwärts. „Dann werden die Zähne dunkler.“ Manchmal kommen zu Uzun aber auch schon Teenager, die von einem Lächeln wie Angelina Jolie träumen. „Für diese jungen Dinger ist Prophylaxe, nicht Bleaching, das Richtige.“

Amerikanische Verhältnisse wolle man nicht, versichert Uzun ebenso wie DGÄZ-Vize Marquardt. Bloß kein Hollywood-Weiß! Die deutschen Fachleute für Zahnästhetik plädieren für „natürliche Schönheit“. Klingt paradox, denn natürlich ist es nicht natürlich, die Zähne mit chemischen Substanzen aufzuhellen. Aber „Klaviertasten“ im Gesicht sollen es eben auch nicht sein. Die Kunst liegt in der Nuancierung. Die meisten seiner Kunden, so Uzun, seien mit dem Ergebnis zufrieden. „Nur jedem Zehnten sind die Zähne dann noch nicht weiß genug.“

Aber unter dem Einfluss des amerikanischen Entertainments werden auch die Deutschen zunehmend nach „California White“ für ihre Zähne verlangen, vermutet das ehemalige DGÄZ-Vorstandsmitglied Hans-Otto Bermann. Der Zahnarzt und Zahntechniker im Ruhestand war neun Jahre lang Sprecher des Verbandes. Nun konfrontiert er die praktizierenden Kollegen als Medizinjournalist mit berufsethischen Einwänden. Da Bleaching fast immer eine Modesache sei und keine medizinisch notwendige Behandlung, finde eine fragwürdige Vermischung ärztlicher und wunscherfüllender Tätigkeit statt. Uzun entgegnet, es verhalte sich umgekehrt: „Wer bleachen lässt, der pflegt seine Zähne in der Regel auch besser.“

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