http://www.faz.net/-gum-8d2dt
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
Best Ager - Für Senioren und Angehörige

Veröffentlicht: 03.02.2016, 09:05 Uhr

Alternativmedizin in Kritik Den Homöopathen soll es an die Globuli gehen

Homöopathie breitet sich immer stärker aus. Damit wächst auch Klärungsbedarf. Ärzte, Wissenschaftler und Biologen bauen eine kritische Internetplattform auf.

von
© Dieter Rüchel Bedenklich: Einzelne Homöopathen versuchten, Krebs oder metastasierende Karzinome mit ihren wissenschaftlich nicht belegten Methoden zu heilen.

Ein Zusammenschluss von Ärzten, Wissenschaftlern und Biologen will eine homöopathiekritische Internetplattform aufbauen. Das haben etwa 30 Kritiker der Alternativmedizin auf einer Tagung in Freiburg beschlossen. Damit sollen vor allem Patienten unabhängig und kritisch über die Nachteile der homöopathischen Medizin informiert werden. „Uns schwebt vor, eine homöopathiekritische Seite etwa nach dem Vorbild von Wikipedia zu schaffen, so dass sich jeder über bestimmte homöopathische Methoden oder Medikamente ausführlich informieren kann“, sagte Norbert Aust, einer der Initiatoren der Initiative.

Rüdiger Soldt Folgen:

Auf der Seite sollten auch einzelne Krankheitsverläufe geschildert werden, die zeigen, dass es durchaus Patienten gibt, die durch homöopathische Therapien einen gesundheitlichen Schaden erlitten haben. Bedenklich sei es, so Aust, wenn einzelne Homöopathen zum Beispiel versuchten, Krebs oder metastasierende Karzinome mit ihren wissenschaftlich nicht belegten Methoden zu heilen.

Wikipedia für Homöopathiekritiker

Bislang, so Aust, gebe es einzelne kritische Internetseiten und Publikationen. Weil sich die Homöopathie aber immer stärker ausbreite, wachse der Aufklärungsbedarf. Zu den Unterstützern gehören auch viele Mediziner, die sich kritisch mit Globuli und homöopathischen Heilmethoden auseinandergesetzt haben, zum Beispiel der Dermatologe Rudolf Happle, der bis zu einer Emeritierung am Universitätsklinikum Marburg tätig war, oder der Psychologe Wolfgang Hell. Die Professoren und viele Homöopathie-Kritiker beobachteten mit Sorge, dass solche Heilverfahren auf eine immer größere Akzeptanz in der Bevölkerung stießen.

Mehr zum Thema

„Wir halten es für falsch, dass die gesetzlichen Krankenkassen es den Ärzten mittlerweile gestatten, für eine homöopathische Erst-Anamnese mehr abzurechnen als für ein normales Patientengespräch. Auch macht uns Sorgen, dass die Kritiker der Schulmedizin immer nur von der Pharma-Lobby sprechen, es aber in Kauf nehmen, dass auch Pharmaunternehmen, die homöopathische Arzneimittel herstellen, sehr gezielt Lobbyarbeit betreiben“, sagte Aust. Er nannte die Firma Heel, die zum Beispiel zur Quandt-Gruppe gehöre.

Immer größere Skepsis gegen Schulmedizin

Es gebe einige homöopathische Medikamente, bei denen auf 100 Tonnen Zucker nur ein Gramm des eigentlichen Wirkstoffs komme. Als Naturwissenschaftler, sagt Aust, frage er sich, wie solche Medikamente wirken könnten.

Aust hält es ebenfalls für bedenklich, dass die Zahl der Eltern, die Impfungen ablehnten, ständig größer werde. „Die Impfgegnerschaft geht einher mit dem Hang zur Homöopathie. Das führt zu einer immer größer werdenden Skepsis gegenüber der Schulmedizin.“

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Heute in der Zeitung Fragwürdige Kügelchen

Homöopathie, Tiefseefische, spiegelbildliche Moleküle, Quantensimulator, Chamäleon, Depressionen - das sind die Themen in unserer Mittwochsbeilage Natur und Wissenschaft. Mehr

23.06.2016, 13:18 Uhr | Wissen
Ärzte ohne Grenzen Aufnahmen zeigen hoffnungslos überfüllte Flüchtlingsboote im Mittelmeer

Ein Schiff der medizinischen Organisation Ärzte ohne Grenzen war auf hoher See auf mehr als zehn Schlauchboote gestoßen. Mehr

26.06.2016, 16:22 Uhr | Gesellschaft
Pepsi und Aspartam Die Rückkehr des Süßstoffs

Der Süßstoff Aspartam ist gesundheitsschädlich, sagten Verbraucherschützer. Also strich Pepsi das Mittel aus seinen Getränken. Jetzt kehrt das Aspartam zurück. Ist das wirklich ein Skandal? Mehr Von Patrick Bernau

30.06.2016, 11:55 Uhr | Wirtschaft
Finnland Ein Atommüllgrab für 100.000 Jahre

Auf der kleinen Insel Olkiluoto im Bottnischen Meerbusen baut Finnland ein Atommüllendlager. 5500 Tonnen strahlender Abfall sollen in mehr als 400 Metern Tiefe dauerhaft begraben werden. Kritiker warnen vor möglichen Lecks. Das mit der Entwicklung beauftragte Unternehmen dagegen glaubt, dass das Endlager sicher ist – auch in 100.000 Jahren noch. Mehr

30.06.2016, 11:20 Uhr | Wissen
Doping-Analytik Wir sind selten auf Augenhöhe

Bei der Doping-Kontrolle geht es zu wie beim Wettlauf zwischen Hase und Igel. Immer neue Mittel kommen hinzu. Doch die Fahnder haben auch ihre Tricks auf Lager, sagt der Experte Mario Thevis. Mehr

25.06.2016, 11:07 Uhr | Wissen
Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden