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Wasser und Joghurt : Unter Fastenfreunden

Jeder zweite Bundesbürger spielt mit dem Gedanken zu fasten Bild: picture alliance / dpa

Nach Aschermittwoch heißt es den Gürtel enger schnallen. Es wird gefastet, „der Organismus richtig durchgeputzt“. Und wo ginge das leichter als in einer luxuriösen Fastenklinik?

          Warum Jesus fastete, wissen wir. Die Bibel berichtet, dass er, vom Geist in die Wüste geführt, vierzig Tage und vierzig Nächte lang nichts zu sich nahm und anschließend der Versuchung widerstand, Steine in Brot zu verwandeln. Es war eine Probe, die ihm der Herr auferlegt hatte. Warum jeder zweite Bundesbürger mit dem Gedanken spielt, seine Nahrungsaufnahme in den kommenden Wochen einzuschränken, ist schon weniger eindeutig. Für die einen ist es Glaubenssache, andere wollen abspecken oder endlich mal „den Organismus richtig durchputzen“. Fort mit den Schlacken. Es kann nichts schaden, oder?

          Jörg Albrecht

          Verantwortlich für das Ressorts „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          An der Costa del Sol herrschen im Februar angenehme Temperaturen, die „Clínica Buchinger Wilhelmi“ liegt oberhalb von Marbella im schönsten Sonnenschein. Das Direktorenpaar Jutta und Claus Rohrer heißt von Herzen willkommen. Hier haben schon Curd Jürgens, Josef Ackermann und Roberto Blanco Erleichterung gesucht. Die Methode Buchinger gilt als Maßstab allen Heilfastens. Ersonnen hat sie der Marinearzt Otto Buchinger, der gegen Ende des Ersten Weltkrieges an schwerem Rheuma erkrankte und sich einem dreiwöchigen Radikalfasten inklusive Ohnmacht und Erbrechen unterwarf, wonach er vollständig kuriert war.

          Fünfundzwanzigtausend Euro für drei Wochen

          Ganz so heftig geht es in Marbella nicht zur Sache. Aber Disziplin sollte man schon mitbringen. Sowie einen gewissen finanziellen Spielraum: Drei Wochen kosten je nach Zimmerkategorie zwischen fünf- und fünfundzwanzigtausend Euro. Dafür wird auf manches verzichtet. Fernseher auf dem Zimmer sind nicht erwünscht, Mobiltelefone aus dem Klinikgelände verbannt, Alkohol und Nikotin komplett verboten. Zusammen mit der bürgerlichen Küche seien Letztere „immerfort das Mistebeet, auf dem die ärztlichen Sprechstundenfrüchte reifen“, war Otto Buchinger überzeugt.

          Ein saftiger Burger hat auf dem Speiseplan von Fastenden nichts verloren. Stattdessen gibt es Joghurt mit ein wenig Honig

          Am ersten Tag darf sich der Patient noch achthundert Kilokalorien gönnen, in Form von Reis, Obst, Kartoffeln oder Gemüse, bei schwachem Magen besser Haferbrei. Am zweiten Tag wird es ernst, dann wird „geglaubert“. Zwanzig bis vierzig Gramm Natriumsulfat, aufgelöst in einem halben bis drei viertel Liter Wasser, entfalten ihre osmotische Wirkung. Der Darm leert sich mehr oder weniger plötzlich. Eine Stunde später ein wenig Tee, mittags ein viertel Liter Fruchtsaft, abends dieselbe Menge Gemüsebrühe - das ist fast alles, was der Magen in nächster Zeit vorgesetzt bekommt.

          Höhepunkt des Tages: Honig mit Joghurt

          Kalorischer Höhepunkt des Tages sind ein bis zwei Teelöffel Honig, die zusammen mit fettfreiem Yoghurt nach dem obligaten Leberwickel während der Mittagspause verabreicht werden. Alle zwei Tage soll man außerdem eine Darmspülung vornehmen, in hartnäckigeren Fällen eine „Colon-Hydrotherapie“, bei der noch die letzten Darmzotten poliert werden. Mineralwasser, immerhin, darf man so viel trinken, wie man will; edle Flaschen mit „Solán de Cabras“ (vierhundert Jahre lang unterirdisch gereift in der Nähe eines kleinen Dorfes in Nordkastilien) stehen an jeder Ecke bereit.

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