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Sierra Leone : Warum es schon wieder einen neuen Ebola-Fall gibt

Männer, die ein Gebiet unter Ebola-Quarantäne in Sierra Leone verlassen, werden auf erhöhte Temperatur untersucht. Bild: AP

Erst gestern hat die WHO die große Ebola-Epidemie für beendet erklärt, heute gibt es einen neuen Ebola-Todesfall in Sierra Leone. Warum bricht die Krankheit immer wieder aus?

          Es war am 2. September vergangenen Jahres, als die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Liberia für ebolafrei erklärte. 42 Tage waren damals verstrichen, ohne dass ein neuer Fall des tödlichen Fiebers in dem Land an der westafrikanischen Atlantikküste offiziell gemeldet worden war. Damit waren zweimal 21 Tage und somit zweimal die Zeit verstrichen, die im Höchstfall zwischen einer Infektion mit dem Ebolavirus und dem Auftreten erster Symptome vergehen. Das war vor gut vier Monaten durchaus ein Erfolg für den gebeutelten Staat, der ohne massive Hilfe aus dem Ausland die Epidemie nicht in den Griff bekommen hätte.

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Ganz besiegt aber war Ebola damals in Liberia noch nicht. Gut zweieinhalb Monate später, am 19. November, wurde ein 15 Jahre alter Junge in Paynesville, einem Vorort der Hauptstadt Monrovia, positiv getestet. Wenig später zeigte sich, dass auch der achtjährige Bruder und der 40 Jahre alte Vater infiziert waren. Das Virus war wieder zurück. Und eigentlich war es nie ganz weg gewesen. Denn wie sich zeigte, hatte sich der Erreger in dem zuvor als geheilt gegoltenen Patienten nur versteckt. Auch das hat der bislang größte Ebola-Ausbruch, den es seit der Entdeckung des Virus vor 40 Jahren gab, gezeigt: Das Virus kann in Teilen des Körpers, die vom Immunsystem nicht gut erreicht werden, monatelang überdauern – im Sperma zum Beispiel bis zu einem Jahr. In seltenen Fällen kann der Erreger wieder aktiv werden.

          Die Folge sind wie im November in Liberia oder auch jetzt am Freitag in Sierra Leone vereinzelte Ansteckungen. Die Nachricht aus Sierra Leone ist umso überraschender, da die WHO nur einen Tag zuvor Westafrika für ebolafrei erklärt hatte. Nur 24 Stunden später musste sie nun bestätigen, dass das Virus bei einer am Dienstag gestorbenen, 22 Jahre alten Studentin nachgewiesen werden konnte. Es ist der erste Fall seit November, seither galt Sierra Leone als frei von Ebola.

          Wie sich die nun verstorbene Studentin in der Stadt Magburaka im Zentrum des Landes angesteckt hatte, blieb zunächst unklar. Behördenangaben zufolge soll die Zweiundzwanzigjährige nach dem Ausbruch der Krankheit Anfang des Jahres zwar in ein Krankenhaus gegangen sein, wurde dort aber offenbar nur ambulant behandelt. Die Studentin hatte bis zu ihrem Tod zu mindestens 27 Personen Kontakt.

          Bereits zehn Mini-Ausbrüche seit März 2015

          Die WHO wusste um das Risiko von einem neuen Ebola-Toten. Denn zehn solcher Mini-Ausbrüche hatte es schon seit März 2015 in den drei von dem tödlichen Fieber besonders heimgesuchten Ländern Guinea, Sierra Leone und Liberia gegeben. Jedes Mal war zuvor über längere Zeit kein Fall von Mensch-zu-Mensch-Übertragung mehr aufgetreten, galt das Land schon als „ebolafrei“. Ursprung der Neuerkrankung war jeweils ein Patient, der die Krankheit zuvor schon durchgemacht hatte. Und es gab auch vereinzelt Tote. Zugleich aber blieben diese Mini-Ausbrüche lokal begrenzt. Eine Epidemie blieb aus, weil schnell reagiert und alle Kontaktpersonen sofort ausgemacht und isoliert wurden – im November in Liberia waren es immerhin 149 Verdachtsfälle. Auch in Sierra Leone ist kein großer neuer Ausbruch zu erwarten. Das Virus dürfte schnell keinen neuen Wirt mehr finden und sich weiter vermehren können.

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