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Heilendes Grün : Eine Dosis Wald

Wer in diesen Tagen durch einen solchen Winterwald spazieren geht, der soll laut Forschern gesünder wieder herauskommen. Bild: Frischknecht Patrick/Prisma/F1on

Er soll beruhigen, abhärten und fit machen: Rund um die Heilkräfte des Waldes ist auch in Deutschland eine kleine Industrie entstanden. Doch ob das Grün wirklich der Gesundheit hilft, ist medizinisch bislang kaum erforscht.

          Annette Bernjus’ Job ist es, Menschen in den Wald zu führen. Oft haben die vor ihren Bildschirmen im Büro oder aus anderen Gründen vergessen, wie still und erholsam es draußen sein kann. Manchmal überrascht Bernjus damit aber auch diejenigen noch, die all das eigentlich wissen müssten.

          Denise Peikert

          Freie Autorin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          So ging es kürzlich einer Umweltschützerin, die mit Bernjus in den Wald hinter Lorsbach im Taunus geschlendert ist und der erstmal nur aufgefallen ist, was dort alles stört: die Rückestraßen, auf denen die im Wald geschlagenen Bäume abtransportiert werden und die den Boden womöglich auf Jahre hin verhärten. Der Hubschrauber, der gerade die toten Stämme zwischen den Baumkronen nach oben zog, natürlich mit viel Aufhebens. Und während die Umweltschützerin so aufzählte, was alles stört, schlug Bernjus ihr vor, doch mal ein Stück Rinde anzufassen und daran zu riechen. Oder mal zu schauen, wie unterschiedlich sich der Boden hier und dort unter den Füßen anfühlt. Drei Stunden später sagte die Umweltschützerin: „Ich hab’ seit Jahren nicht mehr das Schöne im Wald gesehen.“

          Bewusstes Verweilen im Wald

          Annette Bernjus ist, so kann man das sagen, Entspannungslehrerin, und neben Kursen in Meditation und Qigong bietet sie auch etwas an, das sich Waldbaden nennt – ein bewusstes Verweilen im Wald. Das soll den Stress vertreiben und gute Laune machen. Die erste und offengestanden ziemlich naheliegende Frage, die Bernjus dazu immer hört: Muss ich einen Baum umarmen? Bernjus antwortet dann, niemand müsse im Wald auch nur irgendetwas tun. Später erzählt sie davon, dass einem so eine Baumumarmung aber ziemlich oft spontan passiere.

          Die Deutschen haben nicht irgendein Verhältnis zu ihrem Wald, es ist schon ein ganz bestimmtes. Zu Hunderttausenden kaufen sie dem Baum-Romantiker Peter Wohlleben sein Wald-Erklärbuch ab, fürchten sich aber noch als Erwachsene, wenn es im Dunkel des Nadelgehölzes verdächtig knackt. Die Panik vor dem Waldsterben trieb sie in den Achtzigern auf die Straße, aber wenn heute ein Sturm 30 bis 50 Bäume auf Bahngleise weht, dann fordern sie, die Schneisen breiter zu schlagen. Und obwohl seit Jahren eine Yoga-Meditation-Naturheilkunde-Welle über den Kontinent schwappt, ist der achtsamste unserer Freunde, der Baum, davon lange ungerührt geblieben.

          Bis zum Jahr 2017. In den vergangenen Monaten hat es einen kleinen Waldbaden-Hype gegeben, und es sieht ganz so aus, als würden sich Tourismusmanager, Mediziner und Therapeuten darauf einstellen, dass der weitergeht. Im März eröffnete in Heringsdorf auf Usedom der „erste Kur- und Heilwald in Europa“. Im September wurde dort zwei Tage lang ein internationaler Waldkongress veranstaltet. Der Kurort Bad Iburg nahe Osnabrück bereitet schon seit Monaten die niedersächsische Landesgartenschau 2018 vor und will Waldbaden zum großen Thema machen. Und die Ludwig-Maximilians-Universität München erarbeitet gerade Kriterien, wie eine Ausbildung künftiger Waldtherapeuten aussehen könnte, denn, so heißt es grob: Wer in den Wald reingeht, der kommt heiteren Gemüts, gesünder und fitter wieder raus.

          Ist das alles nur ein Hype, oder ist wirklich etwas dran an den gesundheitlichen Wundern, mit denen der Wald uns den Euphorikern zufolge beglückt?

          Wohltuende Wirkung für das menschliche Befinden

          Richtig überraschend ist es ja nicht gerade: Draußen sein und Bäume angucken tut dem menschlichen Befinden gut, das dürfte jeder schon einmal erlebt haben. Ausnahmen gibt es natürlich, Allergiker zur Blütezeit zum Beispiel oder Schimmelpilzsensible im Herbst.

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