15.08.2007 · 2005 war die Nachfrage nach Tamiflu stark angestiegen, um eine Influenza-Pandemie durch das Vogelgrippe-Virus H5N1 zu verhindern. Zwar gibt es immer noch Ausbrüche der Tierseuche, doch Hersteller Roche fährt die Produktion des Grippemittels nun herunter.
Von Peter-Philipp SchmittDie Schweizer Hoffmann-La Roche AG drosselt die Herstellung des Grippemittels Tamiflu. Wie ein Sprecher des Unternehmens am Mittwoch sagte, ist die Nachfrage so drastisch gesunken, dass die Produktion die bestellten Mengen erheblich übersteigt.
Daher habe Roche einigen Firmen, die in den vergangenen zwei Jahren zusätzlich in die Herstellung eingebunden gewesen seien, ihre Kapazitäten zurückgegeben. Die Produktion könne aber sofort wiederangekurbelt werden, „wenn die Menge des Wirkstoffs im Lager unter eine definierte Linie sinkt“ oder die Weltgesundheitsorganisation (WHO) vor einer akuten Pandemiegefahr warne.
Medikamente für 20 Prozent der Bevölkerung
Die Nachfrage nach Tamiflu war 2005 stark angestiegen, nachdem die WHO allen Staaten geraten hatte, so große Mengen des Mittels vorrätig zu halten, dass mit ihnen 25 Prozent der Bevölkerung versorgt werden könnten. Mit einem antiviralen Mittel wie Tamiflu, so die Hoffnung, könnte eine Influenza-Pandemie durch das Vogelgrippe-Virus H5N1 verhindert oder zumindest die Zeit bis zur Entwicklung eines Impfstoffs überbrückt werden.
Das Robert-Koch-Institut empfahl daraufhin den Bundesländern, Medikamentendosen für 20 Prozent der Bevölkerung vorrätig zu halten. Die Empfehlung wurde allerdings in den Ländern unterschiedlich bewertet: Nach einem Jahr – im September 2006 – reichte sie von 4,5 Prozent in Hamburg bis zu zwölf Prozent in Nordrhein-Westfalen. Die empfohlenen 20 Prozent hat vermutlich keines der Länder erreicht.
Pandemischer Impfstoff hat höchste Priorität
Allerdings haben sich auch nach Angaben des baden-württembergischen Ministeriums für Arbeit und Soziales, das derzeit den Vorsitz in der Gesundheitsministerkonferenz der Länder innehat, die Rahmenbedingungen geändert. So wird im aktuellen Nationalen Pandemieplan, der im Mai 2007 fortgeschrieben wurde, auf eine prozentuale Versorgungsquote inzwischen ganz verzichtet. Die Schutzimpfung gegen Influenza sei die wirksamste Maßnahme zur Prävention der Erkrankung, heißt es im Pandemieplan.
Deshalb habe die Versorgung der gesamten Bevölkerung mit pandemischem Impfstoff höchste Priorität. Die WHO sieht nach wie vor die mögliche Gefahr einer Influenza-Pandemie durch das Virus H5N1. Und es gibt auch noch immer Ausbrüche der Tierseuche: In der französischen Gemeinde Diane-Capelle nahe der deutschen Grenze sind in dieser Woche vier Enten an dem Erreger H5N1 verendet. Ende Juli waren in derselben Gemeinde schon zwei Schwäne an Vogelgrippe verendet.
"Vogelgrippe" Gefahr oder Geschäft?
Elisabeth Petras (Petras)
- 16.08.2007, 15:09 Uhr
Peter-Philipp Schmitt Jahrgang 1967, Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.
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