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Vogelgrippe in China Doch eine Übertragung von Mensch zu Mensch?

Die Gesundheitsbehörden in China schließen nicht mehr aus, dass das Vogelgrippevirus H7N9 von Mensch zu Mensch übertragen werden könnte. Mehr als 80 Menschen haben sich bislang mit dem Virus infiziert, 17 sind gestorben.

© dpa Vergrößern Ansteckungsgefahr: in einer Markthalle in China

In China greift die Sorge um eine Ausweitung der Vogelgrippe um sich, nachdem Gesundheitsbehörden zum ersten Mal nicht mehr ausgeschlossen haben, dass es zu einer Übertragung des Virus H7N9 von Mensch zu Mensch kommen könnte. Eine Ansteckung von Mensch zu Mensch sei möglich, aber selten, sagte Feng Zijian vom Staatlichen Zentrum für Krankheitsvorbeugung und -überwachung. Er erwähnte Fälle von Übertragungen innerhalb zweier Familien. Eine Übertragung sei nach lange andauerndem und ungeschütztem Kontakt mit einer infizierten Person möglich, sagte Feng Zijian nach einem Bericht der China Daily, hauptsächlich innerhalb einer Familie.

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Der Epidemiologe des Zentrums, Zeng Guang, sagte der Zeitung „Beijing News“, dass mehr als 40 Prozent der infizierten Personen nicht mit Geflügel in Kontakt gekommen seien. Es sei immer noch nicht klar, wie sie sich angesteckt hätten. Infizierte Personen könnten innerhalb einer von ihm nicht genauer spezifizierten Zeit das Virus weitergeben, dies sei aber wahrscheinlich nur innerhalb einer Familie möglich. Es gebe aber keinen Anlass zur Panik, versicherte der Wissenschaftler.

Die chinesischen Behörden und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatten bislang eine Übertragung von Mensch zu Mensch immer ausgeschlossen. Die Weltgesundheitsorganisation in Peking teilte mit, dass es keine Anzeichen für eine Übertragung von Mensch zu Mensch gebe, die zu einer Pandemie führen könnte. Am Donnerstag wurden 19 neue Fälle der Vogelgrippe mit dem H7N9 -Virus in der Provinz Zhejiang gemeldet. Damit ist die Zahl der gemeldeten Krankheitsfälle auf 83 gestiegen.

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Bislang sind 17 Personen an der Infektion gestorben. Nachdem die meisten Fälle in Zentralchina und in der Nähe von Schanghai gemeldet worden waren, waren am Wochenende zum ersten Mal zwei Fälle in Peking bekannt geworden. Ein acht Jahre altes Mädchen, dessen Eltern Geflügelhändler sind, und ein vier Jahre alter Junge konnten am Mittwoch in Peking wieder aus dem Krankenhaus entlassen werden.

Der Grippeausbruch ruft Erinnerungen an die ansteckende Lungenkrankheit Sars hervor, die sich vor zehn Jahren in China ausgebreitet hatte. Damals hatte die chinesische Regierung durch Vertuschung und Zurückhalten von Informationen zu einer Verbreitung der Krankheit beigetragen, an der auf der ganzen Welt 800 Menschen starben. 8000 wurden infiziert Auch das Sars-Virus kam von Tieren. Nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Horizon fürchten 40 Prozent der Chinesen eine Ansteckung. 60 Prozent gaben an, kein Geflügel mehr zu essen. Der Absatz von Geflügel in China ist eingebrochen, viele Geflügelmärkte wurden geschlossen,. In Schanghai allein wurden 110.000 Tiere notgeschlachtet und 461 Märkte geschlossen.

Experten der WHO unterstützen die chinesischen Behörden

Am Donnerstag ist eine Expertengruppe der Weltgesundheitsorganisation in Peking eingetroffen. Sie soll die chinesischen Behörden unterstützen und auch die möglichen Übertragungswege der Krankheit klären. Vor dem Besuch in China hatten die Fachleute der WHO den Umgang Chinas mit dem neuen Vogelgrippevirus H7N9 gelobt. Die Behörden seien nach den Erfahrungen mit der Atemwegs-Seuche Sars vor zehn Jahren viel besser vorbereitet, urteilte der WHO-Fachmann Henk Bekedam in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. „Allem voran gibt es heute ein System, dass bei ersten Symptomen Patienten auf den Erreger testet.“

Seitdem hat sich vieles verändert. Fast jeden Tag berichten chinesische Behörden heute von der steigenden Zahl der Infizierten und Toten durch das neue Vogelgrippe-Virus. Vor zehn Jahren hatten chinesische Behörden den Sars-Ausbruch erst öffentlich bestätigt, als schon Dutzende Patienten an dem Erreger gestorben und allein in der Hauptstadt Peking Hunderte infiziert waren. Henk Bekedam war während dieses Ausbruchs WHO-Repräsentant in China. „Damals hatten wir Experten dort, die nicht weit aus Peking herauskamen“, erinnert er sich. Der Kontakt zu chinesischen Behörden sei sehr eingeschränkt gewesen.

„Das scheint sich nun alles geändert zu haben“, sagte Bekedam, der heute für die WHO in Manila (Philippinen) arbeitet. Die chinesische Regierung habe massiv in den Ausbau eines Überwachungssystem für den Ausbruch von Infektionskrankheiten investiert, berichtet er. „Ich bin sehr ermutigt von der Reaktion auf H7N9.“ Und noch ein anderer Grund sei ein Antrieb für den offeneren Umgang chinesischer Behörden mit dem neuen Virus: „Ich denke, dass es sich kein Land erlauben kann, dass solch ein Virus ausbricht und später auch in anderen Ländern landet. Das wäre eine große Blamage“, sagte er.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 18.04.2013, 15:40 Uhr

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