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Vogelgrippe Epidemie könnte Deutschland in Rezession stürzen

17.01.2006 ·  Wirtschaftsforscher gehen davon aus, daß eine Vogelgrippe-Pandemie Deutschland 25 bis 75 Milliarden Euro kosten würde. Im Mittel sind das zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

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Die deutsche Wirtschaft würde bei einer Grippe-Epidemie mittleren Ausmaßes nach einer Modellrechnung des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) in eine Rezession geraten.

„Würden 100.000 Menschen sterben und 300.000 in Krankenhäusern behandelt werden, müßte mit Kosten von 25 bis 75 Milliarden Euro gerechnet werden“, sagte der Gesundheitsexperte des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung, Boris Augurzky.

Dominoeffekt

Das entspreche im Mittel etwa zwei Prozent des Bruttoinlandsproduktes: „Das würde zu einer Rezession führen.“ Augurzky sagte, dabei berücksichtige seine Hochrechnung noch nicht einmal Rückkoppelungseffekte, etwa durch einen Ausfall von Zulieferern oder durch die Einschränkung des internationalen Waren- und Personenverkehrs.

So könnten auch Unternehmen ohne Kranke betroffen sein, falls etwa Zulieferer ausfielen: „Das ist ein Dominoeffekt.“ Dieser sei in vernetzten Industrien stärker als bei Dienstleistern: „Dafür ist bei Dienstleistern die Ansteckungsgefahr höher, weil sie Publikumsverkehr haben.“ Er gehe zudem davon aus, daß es bei einer Grippe-Epidemie zu erheblichen Einschränkungen beim privaten Konsum kommen würde. „Alles, was nicht die Grundbedürfnisse angeht, wird vorübergehend ausgesetzt.“ Auch die Krisenstäbe würden dann von Besuchen in Kinos oder Kaufhäusern abraten.

160.000 Tote?

Mit der sich ausbreitenden Vogelgrippe in Asien und der Türkei wächst die Angst vor einer Grippe-Epidemie auf der ganzen Welt. Für Deutschland rechnet das Robert-Koch-Institut im Falle einer Grippe-Pandemie sogar mit bis zu 160.000 Toten und 180.000 bis 600.000 Krankenhauseinweisungen.

Augurzky vom RWI sagte mit Blick auf die volkswirtschaftlichen Folgen: „Der größte Verlust wäre der an Menschenleben, die Menschen wären ja nicht mehr in den Betrieben.“ Hinzu kämen die direkten Kosten im Gesundheitssystem sowie für den Arbeitsausfall.

Bisher keine Studie

Die Spanne von 25 bis 75 Milliarden Euro sei bewußt groß gehalten, weil es bisher keine große Studie zu dem Thema gebe. Möglicherweise könne man aber auf Modelle zur Errechnung der ökonomischen Folgen der Aids-Epidemie in Afrika zurückgreifen. Nach einer Studie der Weltbank von Anfang November würden die Kosten einer Grippe-Pandemie auf der ganzen Welt bis zu 800 Milliarden Dollar betragen und damit zwei Prozent des Bruttoinlandsproduktes der Welt.

Quelle: FAZ.NET mit Material von Reuters
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