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Dienstag, 18. Juni 2013
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Virologie Die Tollwut ist für manche kein Todesurteil

 ·  Jährlich sterben 55 000 Menschen an Tollwut. Im Amazonasgebiet entdeckten Forscher nun Personen, die gegen die als unheilbar geltende Krankheit immun sind. Sie könnten helfen, Therapien gegen das tödliche Virus zu entwickeln.

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© dpa Vampirfledermäuse übertragen im Amazonas Gebiet das Tollwut-Virus.

Fast immer tödlich – das galt bisher für die Fälle, in denen Menschen sich mit dem Tollwut-Virus ansteckten. Wer von infizierten Hunden, Fledermäusen oder anderen Wildtieren gebissen wird, zuvor nicht geimpft ist und auch nicht innerhalb weniger Stunden eine Impfung erhält, die dann über Tage und Wochen nach einem bestimmten Schema wiederholt wird, für den gibt es keine Therapie. Das Virus steigt aus der Bisswunde über das Nervensystem ins Gehirn auf. Anfangs zeigen sich Grippesymptome, dann kommt es zu Krämpfen und Lähmungen. Die extrem seltenen Fälle, in denen infizierte Menschen überlebten, bestätigen nur die Regel. Und selbst der berühmteste Fall, die fünfzehnjährige Jeanna Giese aus Wisconsin, die sich im Jahr 2004 die Krankheit durch den Biss einer Fledermaus zuzog, verlief nur mit schweren Begleiterscheinungen. Das Mädchen musste ins Koma versetzt werden und hat bis heute mit Bewegungs- und Sprechstörungen zu kämpfen.

Jetzt aber haben Wissenschaftler Hinweise darauf gefunden, dass manche Menschen ihrem Schicksal doch entrinnen können – ganz ohne Intensivmedizin. Die Forscher um Amy Gilbert von der amerikanischen Gesundheitsbehörde CDC berichten im „American Journal of Tropical Medicine and Hygiene“, dass sie in Blutproben von sechs Menschen aus abgeschiedenen Amazonas-Gebieten in Peru Antikörper gegen Tollwut-Viren nachgewiesen haben, obwohl die Probanden nie gegen die Krankheit geimpft worden waren. „Unsere Ergebnisse deuten an“, sagt Gilbert, „dass es eine Art natürliche Resistenz oder erhöhte Reaktion des Immunsystems in bestimmten Gemeinschaften geben könnte, die der Krankheit regelmäßig ausgesetzt sind.“

Tollwut durch Fledermausbiss

Für die Studie interviewten die Forscher 90 Menschen im peruanischen Amazonasgebiet, wo in den vergangenen 20 Jahren häufig Tollwut-Ausbrüche verzeichnet wurden; die Krankheit wird hier über die Bisse blutsaugender Fledermäuse übertragen. Nur 50 Studienteilnehmer gaben an, überhaupt schon einmal von einer Fledermaus gebissen worden zu sein. Von 63 Probanden nahmen die Forscher Blutproben; sechs enthielten Antikörper, ohne dass die Person geimpft war.

Die Wissenschaftler halten es für möglich, dass die Studienteilnehmer gebissen worden waren, ohne es zu merken: Die Fledermäuse in der Region saugen nachts Blut von Nutztieren, greifen aber bisweilen auch auf Menschen zurück, die offenbar dabei nicht aus dem Schlaf schrecken. Zwar sei es denkbar, dass die sechs Menschen, die eine Immunität gegen das Virus besaßen, von einer abgeschwächten Variante des Erregers betroffen waren, so dass ihr Abwehrsystem leichteres Spiel hatte als im Normalfall, schreiben die Wissenschaftler. Doch sie halten es auch für möglich, dass die genetischen Eigenschaften der Betroffenen sie befähigen, dem Virus Paroli zu bieten.

Deutsche erkranken meist im Ausland

Die Entdeckung könnte dabei helfen, neue Therapien für Tollwut zu entwickeln. Jährlich sterben nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation auf der Welt etwa 55 000 Menschen an Tollwut. 15 Millionen erhalten eine Impfung nach einem Tierbiss. In Deutschland gilt die Tollwut, die etwa Füchse und Hunde verbreiten, als ausgerottet. Mit Fledermaustollwut kann man sich aber weiter infizieren. Wenn Deutsche erkranken, dann meist nach Auslandsreisen. In Afrika und Asien, aber auch in der Türkei und Osteuropa können streunende Hunde, Katzen, Füchse und andere Wildtiere das Virus in sich tragen.

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Jahrgang 1978, Redakteurin im Ressort „Natur und Wissenschaft“

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